Neue Trasse entlang der A8: Zukunftsvision oder ein Albtraum?

Lesedauer: 6 Min
 So könnte es aussehen, wenn bei Zusmarshausen die Schnellbahnstrecke entlang der Autobahn verläuft.
So könnte es aussehen, wenn bei Zusmarshausen die Schnellbahnstrecke entlang der Autobahn verläuft. (Foto: Marcus Merk)
Christoph Frey und Jörg Heinzle und Oliver Helmstädter

Das Bild ist Fiktion. Eine Fotomontage, die bei Teilen der Bevölkerung ganz reelle Ängste aufwirft. Und teilweise auch Hoffnungen. Pläne, zwischen Augsburg und Ulm eine Bahn-Schnellstrecke entlang der Autobahn zu planieren, stoßen teilweise auf erbitterten Widerstand und schienen längst beerdigt. Doch wenige Wochen, bevor die Bahn offiziell in Augsburg den Eintritt in die Planungen für den Ausbau verkünden wird, haben sie wieder Konjunktur.

In der Region hat insbesondere der Ausbau des Teilstücks Ulm-Günzburg viele Befürworter. Denn: Ohne eine Ertüchtigung wird es keine „Regio-S-Bahn Donau-Iller“ geben. „Die Strecke ist am Anschlag“, sagt Oliver Dümmler, der Geschäftsführer des Regio-S-Bahn-Vereins. Auf je einem Gleis in jede Richtung würden sich hier ICEs, ICs, Regionalzüge und der Güterverkehr gegenseitig behindern. Die Bahnstrecke Ulm - Augsburg habe ohnehin ein unrühmliches Alleinstellungsmerkmal, als letztes fehlendes Teilstück: Während es von Frankfurt bis Ulm nach Fertigstellung der Neubaustrecke und „Stuttgart 21“ in in Hochgeschwindigkeit reisen lässt. Und ab Augsburg in Richtung München ebenso, sei Schwaben die letzte Lücke in Süddeutschland.

Es ist der richtige Ansatz, ergebnisoffen in die Diskussion zu gehen und sämtliche Varianten offen zu diskutieren.

Peter Saalfrank, Geschäftsführer der IHK

Aus regionaler Sicht ist es aus Sicht von Dümmler wünschenswert, dass zumindest bis Günzburg rasch etwas passiert, dass ein durchgehendes, halbstündiges Angebot in der Region verwirklicht werden kann. Ob zusätzliche Gleise neben den alten verlegt werden oder der überregionale Zugverkehr eine eigene Trasse bekomme, stehe auf einem anderen Blatt. „Es muss aber etwas geschehen.“

Einbindung in den Deutschland-Takt

„Es ist der richtige Ansatz, ergebnisoffen in die Diskussion zu gehen und sämtliche Varianten offen zu diskutieren“, sagt Peter Saalfrank, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Schwaben. Unterstützung erhalten sie dabei von der Augsburger Grünen-Bundestagsabgeordneten Claudia Roth. Sie sagt: „Ziel für die Region Schwaben muss die Einbindung in den Deutschland-Takt sein, um das Beste für die Bahnkunden zu erreichen.“

Dieser Deutschland-Takt sieht zwischen Augsburg und Ulm eine Fahrtzeit von 30 Minuten vor. Die Grüne fordert ein grundsätzliches Umdenken: Statt wie bei „Stuttgart 21“ erst milliardenteure Infrastruktur errichten, um danach zu schauen, was sich damit anfangen lässt, erst ein Zielfahrplan entwickelt und dann sehen, was an Infrastrukturausbau benötigt wird. Roth: „Der reine Ausbau der Bestandsstrecke wird aber eventuell nicht reichen.“ Es gehe letztlich darum, den Deutschland-Takt umzusetzen, der Millionen von Fahrgästen Vorteile beschere.Eine politische Debatte und Vorab-Festlegung zwischen einer Neubaustrecke und dem Ausbau der Bestandsstrecke hält Rott „zum aktuellen Zeitpunkt nicht für angebracht“.

Wir brauchen eine schnelle Einigung über die Parteigrenzen hinweg.

Winfried Karg vom Fahrgastverband

Die Gegner einer neuen Trasse halten diese für ein unrealistisches Megaprojekt, bei dem noch nicht mal ansatzweise die Trasse feststeht und das – wenn überhaupt – erst in einigen Jahrzehnten zu verwirklichen ist. Geschlossen hatten die Bürgermeister betroffener Kommunen im Augsburger Umland schon vor Jahren dagegen protestiert – daran erinnert der Neusässer Rathauschef Richard Greiner. Er hält die neu aufgeflammte Diskussion für „hochgradig kontraproduktiv“. Die Gemeinden hätten deutlich gemacht, warum das dritte Gleis so wichtig ist: Nicht nur wegen der dringend nötigen Gleiskapazitäten für Fern- und Nahverkehr, sondern auch im Hinblick auf Lärmschutz oder Erneuerung der Bahnhöfe. Befürchtung der Anrainer: Springen Bahn und Bund auf den Zug „Neubautrasse“ auf, landen die Verbesserungen an der bestehenden Strecke auf dem Abstellgleis.

Winfried Karg vom Fahrgastverband Pro Bahn Schwaben betont: „Wir brauchen eine schnelle Einigung über die Parteigrenzen hinweg.“ Wenn die Region nicht mit einer Stimme spreche, passiere gar nichts. Welche Lösung nun besser sei, könne er nicht beurteilen.

Noch in diesem Monat, am 28. Februar, wird die Bahn bei einem Termin in der Regierung von Schwaben den Auftakt für das Projekt „Augsburg–Ulm“ geben. Eine detaillierte Planung werde da noch nicht vorgestellt. Es soll ein Beirat gebildet werden, der das Projekt begleitet.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen