Neue Runde im Kampf um Kunden

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Am heutigen Samstag wird in der Glacis-Galerie die „CWS Fight Night“ ausgetragen. Der neue Centermanager Torsten Keller stieg fü
Am heutigen Samstag wird in der Glacis-Galerie die „CWS Fight Night“ ausgetragen. Der neue Centermanager Torsten Keller stieg fürs Foto schon mal in den Ring. (Foto: Alexander Kaya)
Oliver Helmstädter

Die 80 Geschäfte mit 600 Arbeitsplätzen auf 27 800 Quadratmeter in dem 2015 eröffneten, 500 Meter langem Einkaufstempel sind bekanntes Terrain für Torsten Keller. Als der 47-Jährige noch Centermanager der Augsburger City-Galerie war, beriet er nebenbei den Glacis-Galerie Investor im Auftrag von ECE, dem Marktführer in Europa für Einkaufszentren. „Leider haben sie nicht immer auf mich gehört“, sagt Keller, der nun Tim Mayer als Centermanager in Neu-Ulm ablöst.

Keller habe etwa nie verstanden, warum der Investor Procom den Haupteingang partout in der Verlängerung der Maximilianstraße und nicht am Bahnhof Neu-Ulm plante. Zudem gehört zu den Rätseln der Erst-Vermietung auch die Frage, warum der Blumenladen nicht am Bahnhof ist.

Ein Grundkonflikt stehe am Anfang: Procom habe eine möglichst schnell vollvermietete Immobilie als Ziel gehabt, die bei Investoren einen guten Eindruck macht und man möglichst gewinnbringend verkaufen kann. Auf die Funktionalität eines Einkaufszentrums habe Procom wenig Wert gelegt.

Trotz Startschwierigkeiten sieht Keller, der ab kommenden Montag der neue Centermanager der Glacis-Galerie sein wird, den Einkaufskoloss auf einem guten Weg. Im vergangenen Jahr seien 16,2 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr durch die Glacis-Galerie flaniert, wie sein Vorgänger verrät. Die stündlich etwa 17 500 Menschen ließen den Umsatz um etwa zehn Prozent ansteigen. Genaue Zahlen lässt ECE allerdings nicht heraus.

Starke Konkurrenz für die Einkaufstempel

Aus privaten Gründen wechselte Keller vom Ludwigsburger Einkaufszentrum Breuningerland an die Donau. Seine Familie wohnt in Obermeitingen bei Landsberg. In pendelbarer Distanz zur Familie lässt der Centermanager Ludwigsburg hinter sich, wird aber mit ähnlichen Herausforderungen an seinem neuen Arbeitsplatz zu kämpfen haben. „Die Konkurrenz ist hier wie da immens“, sagt Keller. Während das Breuningerland zuletzt durch neue Mitbewerber wie das Einkaufszentrum Milaneo in Stuttgart bis zu zehn Prozent der Kunden verloren habe, steht die Glacis-Galerie den gewachsenen Einkaufsstädten Ulm und Senden gegenüber. Grundsätzlich sieht Keller großen Bedarf an einem Einkaufszentrum im an jeder Ecke aufstrebenden Neu-Ulm. Leider sei der Start der noch jungen Einkaufs-Adresse durch ein viel zu niedriges Werbebudget versemmelt worden. „Sie können so ein Center nicht von heute auf morgen bekannt machen“, sagt Keller. Die Quittung sei flugs in Form schlechter Umfrageergebnisse und eines daraus folgendem schlechten Images gekommen.

Nun habe sich das Blatt gewendet. Keller: „Es läuft. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen.“ Die elf Lehrstände entsprächen einer Quote von unter fünf Prozent, was im Vergleich zu ähnlichen Centern sehr wenig sei. Aber im Zuge des nachwirkenden Rumpelstarts würden sich viele der Top-Mieter zieren, nach Neu-Ulm zu kommen. „Noch.“ Denn durch zahlreiche Veranstaltungen und Konzerte, sei es gelungen, mehr Menschen in die Glacis-Galerie zu locken.

Hinter den Kulissen werde längst daran gearbeitet, neben dem spanischen Textil-Filialisten Zara ein weiteres Alleinstellungsmerkmal anzusiedeln. Als Keller noch der Chef der Augsburger City-Galerie war, habe er gemerkt, was die Präsenz einer einzigen Marke für einen Ansturm auslösen könne: Die Eröffnung des in weitem Umkreis einzigartigen Apple-Shops etwa. Als Wunschkandidaten im Kopf hat Keller freilich jene Marken, die anderswo die Center füllen – von Primark über Pull & Bear bis Bershka oder Uniqlo. „Der Kunde ist heute sehr gut informiert“, sagt Keller.

Umso wichtiger sei es, neben bekannten und neuen Marken, auch beste Serviceleistungen anzubieten. Dass dazu Toiletten, die einen Euro pro Besuch kosten, nicht passen, weiß Keller. „Aber wir arbeiten daran.“ Leider gebe es einen langfristigen Mietvertrag mit dem WC-Betreiber, der nicht so einfach aufgelöst werden könne.

Schneller wird es wohl gehen, den kulinarischen Wunschzettel des Centermanagers für den zentralen Essensbereich zu erfüllen: Ein Anbieter, der den Fokus auf Salat und Gesundes legt. „Das fehlt noch.“

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