Neu-Ulm früher und heute: Glacis-Galerie zeigt Foto-Ausstellung

Lesedauer: 5 Min
 Blick entlang der Marienstraße nach Norden im Jahre 1905: links steht Löwenbrauerei (heute Donaucenter), rechts ist die Einfahr
Blick entlang der Marienstraße nach Norden im Jahre 1905: links steht Löwenbrauerei (heute Donaucenter), rechts ist die Einfahrt in die Straße „An der kleinen Donau“ zu sehen. In der Bildmitte die alte Brücke, die im Krieg zerstört wurde. Beim Wiederaufbau wurde der Straßenverlauf auf der Insel begradigt. (Foto: Stadtarchiv Neu-Ulm, Sammlung M)
Michael Ruddigkeit

So unterschiedlich kann der Blick von der Ludwigstraße sein – auch wenn die Fotos nahezu von der gleichen Stelle aus aufgenommen wurden: Auf dem einen ist im Hintergrund ein stattliches Bahnhofsgebäude zu sehen, davor ein Straßenbahnwagen auf einer eingleisigen Strecke. Auf dem anderen ragt die Glacis-Galerie in die Höhe, statt einer Tram fährt ein Bus in Richtung des Betrachters.

Zwei Aufnahmen, die exemplarisch sind für den rasanten Wandel der jungen Stadt Neu-Ulm, die in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiert. Viele weitere Stadtansichten aus der Vergangenheit und Gegenwart Neu-Ulms sind noch bis Montag, 26. August, in der Ausstellung „Früher und heute“ in der Glacis-Galerie zu sehen.

Die Aufnahmen stammen aus dem Stadtarchiv Neu-Ulm, der privaten Sammlung von Ulrich Seitz und dem Grafikdesignbüro Spieszdesign, das die Gestaltung der Ausstellung übernahm. Initiator ist der Verein „Wir in Neu-Ulm“ (Win). Die Fotos und Postkarten sind auf 13 Stelen im Erdgeschoss des Einkaufszentrums (Eingang an der Grünen Brücke/Verlängerung der Maximilianstraße) thematisch zusammengefasst.

Blick zurück auf Menschen und Gebäude

Eine Tafel zeigt beispielsweise unter der Überschrift „Achtung Schießhaus“ die Entwicklung der Schützenstraße. Auf einer Postkarte von 1903 ist das Amtsgericht abgebildet, Passanten mit Zylinder und Stock sind zu sehen, Kutschen, das Restaurant Luitpold. Heute: Autos, viele Verkehrsschilder, das Donau-Center. Nicht weit davon entfernt ist die Marienstraße mit dem Blick aufs Ulmer Münster abgebildet. In der Mitte die alte Brücke über die Donau, davor fährt eine Straßenbahn.

Dort, wo heute das Donau-Center steht, befand sich früher die Löwenbrauerei. Ein Foto von 1955 zeigt die dieselbe Szenerie, dazu im Vordergrund ein Gebäude mit der Aufschrift: „Betten Renftle“ – heute eine Ruine. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann sich auf den Bildern in Details vertiefen: Wie es auf den Straßen damals aussah, wie die Menschen gekleidet waren, wie sich die Häuser verändert haben.

Die Fotos machen deutlich, dass Neu-Ulm eine rasante Entwicklung durchgemacht hat

Antje Esser, Neu-Ulms Zweite Bürgermeisterin

„Wir wollten einen Ort schaffen, wo sich Neu-Ulmer und Ulmer treffen, wo man etwas lernen und einen gewissen Aha-Effekt daraus ziehen kann“, erläuterte City-Manager Florian Fuchs die Intention der Ausstellung. „Die Fotos machen deutlich, dass Neu-Ulm eine rasante Entwicklung durchgemacht hat“, ergänzte Zweite Bürgermeisterin Antje Esser und fügte hinzu: „Oft muss man genau hinschauen.“

Es ist auf jeden Fall eine interessante und an vielen Stellen charmante Entdeckungsreise, auf die einen die Ausstellung mitnimmt – teilweise unter dem Motto „Weißt du noch?“ Etwa bei Bildern vom alten Konzertsaal, vom früheren Bahnhof oder der ehemaligen Eisdiele „Habu“ in der Kasernstraße, wo die Kugel Eis noch zehn Pfennig kostete (zumindest der Erinnerung nach).

Natürlich ist der 1898 erbaute Wasserturm zu sehen, das Wahrzeichen der Stadt, der die Neu-Ulmer erstmals mit fließendem Wasser versorgte. Es werden aber nicht nur idyllische und nostalgische Szenen abgebildet, sondern beispielsweise auch das Iller-Hochwasser von 1910 und das Pfingsthochwasser von 1999. Etwa eine Aufnahme aus der Krankenhausstraße/Schützenstraße mit Autos, die zur Hälfte in den Fluten stehen. Im Vordergrund ist eine Wand aus Sandsäcken aufgebaut. Dahinter: Land unter.

Hässliche Seiten werden nicht ausgespart

Auch hässliche Seiten der Neu-Ulmer Vergangenheit werden gezeigt, zum Beispiel die völlig verstopfte Unterführung an der Herrmann-Köhl-Straße. An manchen Stellen wären ein paar zusätzliche Erläuterungen auf jeden Fall wünschenswert, denn Ulrich Seitz, der zu jedem der Bilder etwas zu sagen hat, kann natürlich nicht während der gesamten Ausstellung den Besuchern mit Erklärungen zur Seite stehen.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen