Nazi-Symbol in Imagefilm: Stadt Ulm lädt zu Podiumsdiskussion

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Schwäbische Zeitung

Der Kampagnen-Film der Stadt Ulm, der die Vielfalt und Menschlichkeit in der Münsterstadt darstellen soll, hat bundesweit vielfältige Reaktionen ausgelöst.

Im Fokus der Kritik steht vor allem eine Szene beziehungsweise eine Person: Ein Mann läuft mit strammem Schritt einen Gang entlang. In seinem Nacken sind zwei Tätowierungen zu erkennen, eine davon ist eine schwarze Sonne.

Die „Schwarze Sonne“ ist ein Symbol der SS und kann entweder als drei übereinander gelegte Hakenkreuze oder als Rad aus zwölf Sigrunen gedeutet werden.

Vielerorts regte sich Widerstand gegen das Video – im Netz, aber auch aus Fraktionen des Gemeinderats kamen kritische Stimmen.

Die Stadt reagierte auf die Vorwürfe, dass sie „Sympathie für Menschen mit rechtsextremen oder faschistischen Einstellungen“ zeige: „Die Stadt Ulm bedauert, dass dieser Eindruck bei einigen Betrachtern des Filmes entstanden ist, weist diese Unterstellungen aber gleichzeitig mit Hinweis auf ihre dauerhaften Bemühungen im Kampf gegen demokratiefeindliche Tendenzen und für ein respektvolles Miteinander aller in Ulm lebenden Menschen entschieden zurück“, lautete es in einer Stellungnahme.

Durch das Zeigen der „schwarzen Sonne“ sollte ein „künstlerischer Spannungsbogen“ geschaffen und deutlich gemacht werden, wie weit die beiden Protagonisten des Videos gesellschaftspolitisch voneinander entfernt sind. Die Kernaussage dieser Szene beinhalte laut der Stadt einen Umdenkprozess des Mannes mit rechtsradikalem Hintergrund.

Jetzt will die Stadt bei einer erst verschobenen Podiumsdiskussion die kontroversen, teils heftigen Diskussionen um den Kampagnenfilm der Stadt „Ulm – wir sind alle Vielfalt“ erneut aufgreifen.

Moderiert von Christoph Hantel, dem Leiter der Ulmer Volkshochschule diskutieren Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU), Nicola Wenge vom Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg, Sybille Thelen von der Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg, Frank Buchheit, Landeskriminalamt Stuttgart sowie der Regisseur des Kampagnenfilms, Hosam Sidou Abdulkader, am Samstag, 15. Februar, von 18.30 bis 20 Uhr im EinsteinHaus, Club Orange. Der Eintritt ist frei.

Rechtsradikal, rechtsextrem, rassistisch: Zwischen diesen und ähnlichen Begriffen gibt es feine, aber gewichtige Unterschiede. Dieses Video zeigt, welche Bezeichnung wann zutrifft.

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