Nato-TÜV für Ulmer Kommando: Fit für Kriseneinsätze

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Der stellvertretende Chef des Stabes des Ulmer Kommandos, Brigadegeneral Christian Platzer (rechts), im Joint Warfare Centre (J
Der stellvertretende Chef des Stabes des Ulmer Kommandos, Brigadegeneral Christian Platzer (rechts), im Joint Warfare Centre (JWC) der Nato in Stavanger im Gespräch mit ungarischen und österreichischen Offizieren. (Foto: Bundeswehr)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Das in Ulm stationierte Multinationale Kommando Operative Führung hat eine letzte Nato-Prüfung vor möglichen internationalen Kriseneinsätzen bestanden. „Wir haben die Evaluierung erfolgreich durchlaufen“, erklärte der Befehlshaber des Kommandos, Generalleutnant Jürgen Knappe (Foto: dpa), am Dienstag im norwegischen Stavanger. Alle vorgegebenen Ziele seien „in ausgezeichneter Weise erreicht“ worden, sagte er. Zudem rechnet Knappe damit, dass die Nato im Juni grünes Licht für die Einrichtung des geplanten neuen Kommandozentrums für schnelle Truppen- und Materialtransporte am Standort Ulm gibt.

Im Joint Warfare Centre (JWC) der Nato in Stavanger musste das Multinationale Kommando seit Anfang Mai bei der Übung „Trident Jaguar“ beweisen, dass es Einsätze Tausender Soldaten von Land-, See- und Luftstreitkräften sowie von Armeen mehrerer Länder in Krisengebieten rasch organisieren und stabsmäßig führen kann.

Dabei ging es neben der Abwehr militärischer Angriffe auch um die Reaktion auf Terroranschläge und Cyber-Angriffe sowie auf die massive Verbreitung von Falschmeldungen zur politischen Destabilisierung eines fiktiven Landes, das die Nato zur Hilfe gerufen hat.

Nahe an der Wirklichkeit

„Das Szenar, das wir hier geübt haben, ist sehr nahe an den Entwicklungen, wie sie sich auf der weltpolitischen Ebene in den letzten Jahren gezeigt haben und wahrscheinlich auch so in dieser Form an den unterschiedlichsten Brennpunkten dieser Welt weiterentwickeln werden“, beschrieb Knappe die gestellten Aufgaben.

Nachdem alle Prüfungen für den sogenannten Nato-TÜV absolviert wurden, werde sein Kommando der Nato ab Juli in einer einjährigen Phase ständiger Bereitschaft als „operatives Hauptquartier“ zur Verfügung stehen, erklärte Knappe. In dieser Zeit können die Ulmer jederzeit kurzfristig mit der Führung von Nato-Militäreinsätzen in Krisenregionen mit bis zu 60 000 Soldaten beauftragt werden. Weiter hat das Ulmer Kommando einen EU-Auftrag. Dem in der Ulmer Wilhelmsburgkaserne stationierten Kommando gehören Stabsoffiziere aus 17 Ländern sowie mehrere hundert Soldaten an.

Parallel dazu soll nach den Vorstellungen der Bundeswehr am Standort Ulm das neue Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte der Nato aufgebaut werden. Die Entscheidung darüber soll beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister im Juni 2018 gefällt werden.

Vom Standort Ulm erwartet die Bundeswehr Synergieeffekte zwischen dem bestehenden und dem geplanten Kommando unter einheitlicher Führung. Mit der Stärkung ihrer Kommando- und Streitkräftestruktur reagiert die Nato vor allem auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. Im Zuge der Entspannungspolitik waren die Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten enorm reduziert worden.

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Neues NATO-Kommando soll nach Ulm kommen: Die Bundeswehr will das neue NATO-Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte in Ulm ansiedeln, das teilte das Verteidigungsministerium mit. Es soll am Standort des Multinationalen Kommandos Operative Führung eingerichtet werden. Dort habe man bereits die nötige Erfahrung. Eine endgültige Entscheidung soll im Juni fallen. Das neue Kommando soll im Krisenfall bei der raschen Verlegung von Truppen und Material innerhalb Europas helfen.
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