Nach Brand-Katastrophe in London: Zwei Hochhäuser fallen durch

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 Aus den 1960er Jahren stammen diese Hochhäuser in Ulm-Böfingen. Insgesamt gibt es in der Stadt 30 Gebäude, die als Hochhaus def
Aus den 1960er Jahren stammen diese Hochhäuser in Ulm-Böfingen. Insgesamt gibt es in der Stadt 30 Gebäude, die als Hochhaus definiert sind. (Foto: Alexander Kaya / Symbol)
Oliver Helmstädter

Die Bilder haben sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt: Vor zwei Jahren brannte in London ein Hochhaus, 72 Menschen starben im „Grenfell Tower“. Die Fraktion der SPD im Ulmer Gemeinderat hat die Katastrophe im Juni 2017 zum Anlass genommen, die Ulmer Stadtverwaltung aufzufordern, den Brandschutz in Ulmer Hochhäusern unter die Lupe zu nehmen.

Aufgrund teilweise komplizierter Eigentumsverhältnisse, wie Peter Rimmele, der Abteilung Städtebau und Baurecht, erläuterte, habe es lange gedauert, sämtliche Informationen zu sammeln. Eigentümer von 21 Hochhäuser wurden angeschrieben und um Unterlagen sowie Aussagen zur Fassadenkonstruktion gebeten. Bei neun anderen war das nicht nötig: Die Stadt hatte bereits Erkenntnisse über deren Fassadenaufbau vorliegen.

Dringender Handlungsbedarf bei zwei Gebäuden

Das Ergebnis: Bei drei Gebäuden bestand Handlungsbedarf, bei zweien sogar dringender Handlungsbedarf. Bei diesen zwei Gebäuden sei die Fassade mit einer etwa fünf Zentimeter dicken Styropor-Dämmschicht bekleidet, auf der sich wiederum eine Putzschicht befindet. Der herausragende Gefahrenpunkt: Auch der Vorraum zum Treppenhaus sei damit verkleidet gewesen, was bedeute, dass im Brandfall der Fluchtweg Raub der Flammen hätte werden können.

Grün angestrahlter Grenfell Tower
Der ausgebrannte Grenfell Tower wird zur Erinnerung an die a72 Toten in Grün angestrahlt. Foto Jonathan Brady/PA Wire (Foto: Jonathan Brady / DPA)

Die Entfernung der Verkleidung sei angeordnet und ausgeführt worden. In einem nächsten Schritt werde die gesamte Fassadendämmung der beiden Gebäude durch eine nichtbrennbare Dämmung ersetzt. Wie Rimmele erläuterte, genießen die Gebäude aus den 1960ern zwar Bestandschutz. Doch wenn „Leib und Leben“ potenziell in Gefahr sei, könnte die Stadt derartige Eingriffe anordnen. Bei welchen Hochhäusern genau dringender Handlungsbedarf bestand, war am Mittwoch weder bei der Ulmer Stadtverwaltung noch bei der Feuerwehr zu erfahren.

Generell stehen in Ulm 30 Hochhäuser. Als Hochhaus gilt in Deutschland ein Gebäude, bei dem der Fußboden mindestens eines Aufenthaltsraumes mehr als 22 Meter über der festgelegten Geländoberfläche liegt. Für solche Gebäude sind besondere Brandschutzbestimmungen zu berücksichtigen. In der Hochhausverordnung werden weitere Aspekte sowohl an den Bau als auch an die Betreibung von Hochhäusern gestellt.

Das höchste Hochhaus in Ulm ist das mit einer brandsicheren Betonfassade versehene Universum Center mit einer Höhe von 81 Metern. Zusätzlich zur Fassadenproblematik liefen derzeit weitere brandschutztechnische Überprüfungen der Hochhäuser. Hierbei gehe es im Wesentlichen um die bauliche Ausbildung der Treppenräume und Rettungswege.

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