Nabada in Ulm: Die vogelwilde Sause auf der Donau

Lesedauer: 13 Min
Das Nabada im Zeitraffer
Zehntausende Besucher haben am Montag beim Ulmer Schwörmontag das „Nabada“ bejubelt. Schwäbische.de war mit der Kamera live dabei - das ganze Spektakel im Zeitraffervideo.
Alexander Rupflin

Delfine, Krokodile, Flamingos und Einhörner treiben an diesem Nachmittag die Donau hinunter. Dazwischen Flöße, auf denen Blaskapellen spielen und Ulmer Schachteln, von denen die Leute winken. Punkt 16 Uhr öffnet sich dann auch die Wolkendecke. Die Sonne blitzt hervor. Die tausenden Menschen, die auf ihren Gefährten den Fluss hinab treiben, jubeln. Es ist Nabada.

Besondere Aufmerksamkeit schenken die Bootsbauer dieses Jahr der mehrfachen Evakuierung Neu-Ulms wegen der zahlreichen Blindgänger: „Bombenstimmung in Neu-Ulm“ oder „Neu-Ulm Bombenstadt“ wird da etwa geätzt. Eine Gruppe Studenten hat auf ihrem Boot ein großes Schild, auf das sie ein Netz gemalt hat. Darin die Symbole der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram. Die jungen Leute fürchten, „im Netz gefangen“ zu sein. Daneben schwimmt schwarz-weiß gestreift eine Ulmer Schachtel, von welcher der Grünen-Politiker Cem Özdemir winkt.

Getümmel im Auge behalten

Während die Masse auf ihren Schlauchbooten jubelt, sich gegenseitig nass spritzt und der eine oder andere kräftig Bier trinkt, hat Tobias Thalhof die Aufgabe, das Getümmel auf der Wasseroberfläche im Auge zu behalten. Er ist von der Wasserwacht Neu-Ulm. Mit seinem Motorboot schlängelt er sich an den Feiernden vorbei und gibt zusammen mit seinen zwei Kollegen acht, dass niemandem etwas passiert. Insgesamt sind an diesem Tag über 20 Rettungsboote im Einsatz. Sie wollen für möglichst viel Sicherheit sorgen. Die Rettungskräfte sind ständig per Funkgerät in Kontakt und tauschen sich über die aktuelle Lage aus.

Risse in der Gesellschaft: Oberbürgermeister mahnt Zusammenhalt an
Alle Jahre wieder herrscht in Ulm am vorletzten Montag im Juli Ausnahmezustand. Bevor auf selbstgebauten Booten die Donau erobert oder in der Innenstadt gefeiert wird, steht der eigentliche Grund für den Trubel an: Der Schwur des Oberbürgermeisters, der Stadt und ihren Bürgern zu dienen. Ein Brauch, der bis in das 14. Jahrhundert zurückreicht, und der auch heute wieder zahlreiche Menschen anlockte.

Was die Situation auf der Donau gefährlich macht, ist vor allem, dass viele Teilnehmer, nicht nur mit Eimern und Wasserpistole bewaffnet sind, um die anderen Teilnehmer nass zu spritzen, sondern dass einige auch Proviant in Form eines Kasten Biers dabei haben. Und besoffen schwimmen zu gehen, ist nun mal eine äußerst schlechte Idee. Thalhof sagt, dass die Nabader in den vergangenen Jahren meist Glück gehabt haben, etwas Ernsthaftes sei zuletzt nicht vorgefallen. Nur Schürf- und Schnittwunden seien üblich, genauso wie Unterkühlungen. „Die haben wir hier wie Sand am Meer“, ruft Thalhof über das Brummen des Bootmotors und die kreischende Menge hinweg.

Akute Unterkühlungsgefahr

Das Wasser hat an diesem Tag 19 Grad. Akute Unterkühlungsgefahr besteht dieses Jahr also nicht. Darum haben die meisten Teilnehmer auch auf den Neoprenanzug verzichtet. Die Studenten Christoph, Mark und Andi haben sich stattdessen mit Sonnenbrillen und rotem Mottoshirt ausgestattet, darauf: „Nabada 2018“. „Wir waren schon die letzten beiden Male hier. Und fanden es einfach spitze“, ruft Marc am Ufer und hebt die Flasche, noch bevor er zu seinen Kumpels ins Schlauchboot steigt, dass mit dem Kasten Bier in der Mitte starken Tiefgang aufweist.

Gegen 17 Uhr treiben nur noch ein paar Nachzügler auf der Donau. Thalhof steuert sein Boot Richtung Ufer. Doch keine 50 Meter weiter oben wird kurz darauf ein Mann bewusstlos ans Ufer gezogen. Sofort sind Rettungskräfte bei ihm und leisten Erste-Hilfe.

Hinter den Kulissen: Das Läuten der Schwörglocke
Insgesamt 13 Glocken hängen im Ulmer Münster. Aber nicht alle sind immer zu hören. Die Schwörglocke ist nur am Schwörmontag zu hören. Um kurz vor zwölf. Pünktlich zum Schwur von Oberbürgermeister Gunter Czisch. Doch wie funktioniert es, dass die Glocke genau dann schlägt, wenn der Oberbürgermeister seine Hand zum Schwur hebt? Ein Blick hinter die Kulissen.
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