Museum öffnet nach Umbau wieder

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Um das Getreide geht es an einer Station im ersten Stock, auf dem Foto vorgestellt von Museumsleiterin Isabel Greschat.
Um das Getreide geht es an einer Station im ersten Stock, auf dem Foto vorgestellt von Museumsleiterin Isabel Greschat. (Foto: Alexander Kaya)
Marcus Golling

Es ist ein bisschen wie in einer Backstube, kurz bevor morgens die ersten Kunden die Tür öffnen. Dann wissen nur die Bäcker, was für Köstlichkeiten sie für diesen Tag vorbereitet haben – und haben das gute Gefühl, ihr Werk verrichtet zu haben. Ein bisschen so muss es Isabel Greschat, der Leiterin des bis 2018 „Museum der Brotkultur“ genannten Hauses gehen, wenn sie durch die Räume schreitet. Was sie und ihr Team sich für die Dauerausstellung ausgedacht haben, ist in neun Monaten Umbauzeit Realität geworden, und ab Freitag, 5. Juli, können sich alle davon überzeugen, dass es gut geworden ist: ein Museum, wie frisch gebacken.

Nach dem Umbau, der insgesamt rund 1,3 Millionen Euro kosten wird, wobei 300 000 Euro an Drittmitteln angeworben werden konnten, wirkt der Salzstadel in Inneren wie verwandelt. Die Stellwände, die früher die Außenwände verstellten, sind nun in die Mitte der Räume gewandert, so dass nun Tageslicht in das das Bauwerk aus dem 16. Jahrhundert dringt. „Wir wollten das Gebäude leben und atmen lassen“, sagt Direktorin Greschat, „und es nicht zustellen.“ Locker und offen wirkt die neue Ausstellungsarchitektur, wobei die nunmehr grün geölten Böden zusätzliche Freundlichkeit einbringen. Ein neuer Medienguide mit Musik von Niko Schabel und von Tatort-Kommissarin Eva Löbau gelesenen Texten dient der Orientierung und Vertiefung, eine als Schnitzeljagd konzipierte Version für Kinder soll im September folgen, dann soll auch die ersten Sonderausstellung eröffnen, mit Fotografien des US-Amerikaners Steve McCurry.

Das Museum der Brotkultur war ein faszinierender, aber in sich geschlossener Kosmos, das neue Museum Brot und Kunst öffnet sich nach außen. Es stellt auch dem Besucher frei, wie er sich durch die Dauerausstellung bewegen will. Es gibt keine strenge Erzählung, sondern einzelne Themeninseln rund um Brot, Landwirtschaft und Ernährung. Gleichzeitig wird die beachtliche Kunstsammlung, die von alten niederländischen Meistern wie Pieter Brueghel oder Frans Francken bis in die Gegenwartnun an den Stellwänden und in einem eigenen Kabinett im zweiten Stock präsentiert, die Werke, die zumeist einen direkten Bezug zu den erwähnten Großthemen haben, dienen nicht mehr nur der Illustration. Brot und Kunst, sie ergänzen sich, können aber auch ohne einander.

Das Spektrum der 19 Themeninseln ist groß. Natürlich werden auch grundlegende Informationen zum Thema Getreide oder Backprozess vermittelt, doch der Schau gelingt auch, auf ganz andere Themen neugierig zu machen. So zeigen im ersten Stock maßstabsgetreue Modelle von Getreidespeichern, unter anderem vom Salzstadel und der Schapfenmühle, wie wichtig das Thema Lagerung für die Sicherung der Ernährung ist. Der zweite Stock empfängt die Besucher eine Installation mit Erinnerungen an das durch den Ausbruch des im heutigen Indonesien gelegen Vulkan Tambora verursachte „Jahr ohne Sommer“ 1816/17, in dem Württemberg seine letzte große Hungersnot erlebte, die aber, so Greschat, wie ein „Modernisierungsbeschleuniger“ wirkte. Eine Audiocollage der Künstlerin Silke Schwarz, abgespielt in einer dunklen Kabine, verweist auf das Thema Hunger in der Gegenwart. Studenten der Hochschule Pforzheim haben sich für das Design-Projekt „Food-Topia“ damit beschäftigt, wie die Ernährung der Zukunft aussehen könnte; dabei entstandene Grafiken sind in der Ausstellung zu sehen.

Um diesen Themenbereich „Zukunft der Ernährung“ noch stärker in den Fokus zu nehmen, hat das Museum im obersten Stockwerk, unter dem Dach das „Forum Welternährung“ eingerichtet. Dort erwartet die Besucher eine aus acht kreisförmig aufgestellten Bildschirmen Medieninstallation, erstellt von Clemens Stachel und Wolfgang Konrad. An einem Touchscreen können die Besucher wählen, zu welchen Ernährungsthema sie mit einem Film informiert werden wollen. Aus dieser Ausstellung geht niemand heraus, ohne sich grundlegende Fragen zu stellen. Nicht schlecht für ein Haus, das sich einem Thema beschäftigt, das so alltäglich und schlicht ist wie das Brot.

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