Monika Stolz engagiert sich jetzt im Ehrenamt statt im Parlament

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Sogar eine Orchideen-Art wurde nach der langjährigen Ulmer Landtags-Abgeordneten Monika Stolz benannt: 2014 freute sich die Pol
Sogar eine Orchideen-Art wurde nach der langjährigen Ulmer Landtags-Abgeordneten Monika Stolz benannt: 2014 freute sich die Politikerin über diese ungewöhnliche Ehrung. (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

In Monika Stolz’ Terminkalender ist der Termin „Konstituierende Sitzung des Landtags“ noch eingetragen. Aber statt in Stuttgart sitzt die langjährige Ulmer Landtagsabgeordnete und Sozialministerin an diesem Mittwoch entspannt im Ulmer „Café Einstein“.

15 Jahre hat die 65-Jährige Ulm im Landtag vertreten, trat dann nicht wieder an. Bei der Landtagswahl am 13. März konnte Thomas Kienle kein Mandat für die CDU erringen. Stolz ärgert sich zwar über das miserable Abschneiden ihrer Partei und den Misserfolg ihres Parteifreundes, weiß aber: „Zum politischen Geschäft gehört auch, dass Mandate auf Zeit vergeben werden. Es gibt in der Politik keine Erbhöfe.“ Ganz bewusst habe sie nach 27 Jahren in der Politik einen Schlussstrich gezogen. Im Ehrenamt bleibt sie dagegen aktiv: „Ich bringe mich weiterhin an verschiedenen Stellen ein: beispielsweise in der Missbrauchskommision des Bistums Rottenburg-Stuttgart, im Caritas-Rat, in der Stiftung St. Elisabeth und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Zeitintensiv ist das Engagement im Rundfunkrat des Südwest-Rundfunks.“

Aufklärerin für Missbrauchsfälle

Rückblende. Neben den Aufgaben im Landtag und in der Regierung kommen in den vergangenen Jahren immer mehr Aufgaben auf die erfahrene Politikerin zu: Sie wird 2014 oberste Aufklärerin für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in Württemberg. Durch die bereits 2002 eingesetzte Kommission gilt die württembergische Diözese als Vorreiter bei der Aufklärung von sexuellem Kindesmissbrauch durch Geistliche. Opfer können sich an die Kommission wenden, die dann kircheninterne Ermittlungen aufnimmt. „Ich finde es sehr wichtig, dass die Kirche hier Aufklärungswillen und Transparenz zeigt“, sagt Stolz bei der Amtsübernahme. Dort wo Missbrauch stattgefunden habe, müsse Aufklärung wahrgenommen werden.

Diese Aufgabe wird die vierfache Mutter und auch vierfache Großmutter behalten: „So lange ich das Gefühl habe, dass ich in diesen Gremien gebraucht werde, bin ich dabei.“

Auch im Rundfunkrat des SWR, dessen stellvertretende Vorsitzende sie seit 2014 ist, will sie weiter mitgestalten. Der Rundfunkrat unterstützt derzeit die Pläne des SWR zum multimedialen Umbau des Senders: „Wenn eine der jetzigen Medienwelt angepasste Arbeitsorganisation dafür sorgt, dass der Programmoutput des SWR aktuellen Ansprüchen gerecht werden kann, dann ist das nur im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer“, umschreibt Rundfunkrats-Vorsitzender Gottfried Müller den Umbruch.

Zwei Büros sind aufzulösen – der Alltag beginnt

Bei allem Engagement im Ehrenamt: Der ganz normale Alltag ohne Büro und Angestellte beginnt in diesen Tagen für Monika Stolz. „Jetzt muss ich mich zunächst selbst organisieren“, berichtet die 65-Jährige: „Vieles, was bisher meine Mitarbeiter mir abgenommen haben, muss ich nun wieder selbst tun. Zwei Büros waren aufzulösen. Und ich erledige jetzt, wie alle Neu-Ruheständler, Dinge, die jahrelang liegengeblieben sind.“

Immer wieder kämen auch Anfragen, ob sie nicht wieder als Ärztin arbeiten wolle: „Aber nach zehn Jahren, in denen ich nicht praktiziert habe, dürfte der Wiedereinstieg einfach nicht praktikabel und im Sinne der Patienten sein.“ Auch werde sie gefragt, ob sie sich hier oder dort engagieren könnte: „Die Anfragen schaue ich mir jetzt an und entscheide später.“

Und wann ist Schluss im Ehrenamt? Stolz kann sich nicht vorstellen, monatelang im Wohnmobil Europa zu erkunden: „Ich bin kein Typ, der im Ruhestand die Füße hochlegt. Das liegt mir einfach nicht. Ich will weiterhin etwas bewegen.“ Wenn der Schlussstrich eines Tages komme, werde sie damit gut umgehen können: „Ich klebe nicht an den Tätigkeiten, Ämtern oder Funktionen.“

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