Mit dem Smartphone gegen Borkenkäfer

Lesedauer: 8 Min
Förster Josef Jäckle (von links), die Waldarbeiter Michael Mau und Jörg Bissinger sowie Forstbetriebsleiter Volker Fiedler gehen
Förster Josef Jäckle (von links), die Waldarbeiter Michael Mau und Jörg Bissinger sowie Forstbetriebsleiter Volker Fiedler gehen gegen den Borkenkäfer vor. (Foto: Rebecca Mayer)
Rebecca Mayer

Die saftig grüne Baumkrone verfärbt sich langsam rötlich. Ihre Nadeln hat die Fichte bereits verloren. Die Rindenstücke in der Krone lösen sich ab. Betrachtet man den Stamm des Baumes genauer, sieht es aus, als wäre braunes Kaffeepulver verstreut worden. „Es ist das Bohrmehl des Borkenkäfers“, erklärt Förster Josef Jäckle. Von Juli bis August ist der Schädling das Hauptthema im Wald. „In dieser Zeit müssen wir Obacht geben auf den Borkenkäfer“, sagt Volker Fiedler, Leiter des Forstbetriebs Weißenhorn, bei einem Rundgang durch den Staatswald bei Krumbach.

Fiedler und Jäckle blicken auf ihr Smartphone. „Sind die Anzeichen für einen Borkenkäferbefall da, schalten wir um auf die Digitalisierung“, sagt der Förster und öffnet die betriebsinterne App ZE-Insekt. „ZE-Insekt steht für zufällige Ergebnisse Insekten.“ Auf dem Display erscheint eine Landkarte. Inmitten der grün gekennzeichneten Flächen der Wälder sind vermehrt rote Punkte zu sehen. „Die roten Punkte zeigen die Bäume an, die vom Borkenkäfer befallen sind“, sagt Fiedler. Trockene Jahre und die milden Winter begünstigen den Zuwachs der kleinen Käfer.

Befallsmeldungen mehreren sich

Wenn sich heiße Tage häufen und kein Regen fällt, mehren sich die Befallsmeldungen. Dann herrschen ideale Bedingungen für den Käfer. Tatsächlich aber hält sich das Treiben des Schädlings im Landkreis Neu-Ulm Fiedler zufolge momentan noch in Grenzen. Nahe Filzingen bei Altenstadt und im Bereich Unterroth sei der Befall etwas stärker, sagt Fiedler, weil dort noch viele Holzvorräte im Wald liegen. Es sei aber alles noch im Rahmen.

Ähnlich äußert sich auf Nachfrage Bernd Karrer, Förster im Forstrevier Illertissen und zuständig für Privat- und Gemeindewälder. „Jetzt fliegt die zweite Generation Borkenkäfer aus“, sagt er. Da sei es wichtig, schnell zu handeln. Er appelliert deshalb an Privatwaldbesitzer, mehrmals in der Woche im Forst nach dem Rechten zu sehen. Wenn sie einen Befall entdecken, sollten sie entweder selbst tätig werden oder sich an den Förster oder ein spezialisiertes Unternehmen wenden. „Das betroffene Holz muss schnell raus aus dem Wald“, sagt Karrer.

Der rote Punkt markiert den Befall

Zurück zu Fiedler und seinen Kollegen vom Forstbetrieb Weißenhorn im Wald bei Krumbach. Sie zeigen auf einen roten Punkt auf der Karte in ihrer Handy-App: Baum 400. „Hier werden wir dem Borkenkäfer auf den Leib rücken. Diesen Baum werden wir fällen“, sagen sie.

Schon aus weiter Entfernung sieht man die rote Farbe in den Baumkronen leuchten. An einem gelben Wegweiserband bleibt die Gruppe stehen. „Der Weg zum befallenen Baum wurde von den Suchern bereits markiert“, sagt Jäckle. Von Förstern, Waldarbeitern oder auch Jägern würden die Wälder regelmäßig nach Borkenkäfern abgesucht. „Haben sie einen Befall entdeckt, setzen sie einen roten Punkt auf der Landkarte der App.“ Eine schlichte Landkarte ist für die genaue Standortbestimmung der Bäume zu ungenau. Jäckle schmunzelt: „Seit zwei Jahren arbeiten wir mit der App. Ich sage immer, die App ist die sinnvollste Verwendung des Smartphones.“

Am befallenen Baum angekommen, greifen die Waldarbeiter Michael Mau und Jörg Bissinger zur Motorsäge. Der Baum wird gefällt, der Punkt in der Landkarten-App auf Gelb gestellt. Das heißt: Die Fläche wird bearbeitet. Beim Abspalten der Rinde des gefällten Baums sind im Inneren braune Linien zu sehen. „Da war der Buchdrucker am Werk“, sagt Jäckle und schaut sich die Rinde genauer an. „Die beiden geradlinig verlaufenden Strecken sind die Muttergänge des Buchdruckers. Dort legt er seine Eier ab. Die geschwungenen Seiten sind die Larvengänge.“

Dann blickt der Förster auf die Larvengänge und zeigt auf einen weißen Punkt: „Da waren Feinde des Borkenkäfers wie Pilze oder Schlupfwespen am Werk.“ Doch selbst bei starkem Auftreten der natürlichen Feinde würden sie nicht gegen die Massenvermehrung des Borkenkäfers ankommen. Um die Ausbreitung des gefährlichen Baumkäfers zu stoppen, werden die Waldböden stark bewässert. Das hilft den Fichten nach Angaben von Jäckle aber nur bedingt. Fiedler zeigt auf einen kleinen, dunkelbraunen Punkt auf der Rinde. „Da ist er. Eigentlich sieht der kleine Käfer recht putzig aus. Nur bringt er unsere Fichten zum Absterben.“

Kupferstecher bereitet weniger Probleme

Neben dem Buchdrucker gibt es noch eine weitere Art des Borkenkäfers, den Kupferstecher. Fiedler berichtet: „Der Kupferstecher macht in unserer Region nicht die großen Probleme. Er ist etwas kleiner als der Buchdrucker und bringt nur die Kronenteile des Baums zum Absterben.“ Das Absterben des Baumes bedeutet aber nicht gleich einen Qualitätsverlust am Holz. „Der Borkenkäfer beschädigt nur die Rinde des Baums. Wenn der befallene Baum schnell verarbeitet wird, merkt man dem Holz keine Fehler an.“ Innerhalb von drei bis vier Tagen würde der gefällte Baum im Sägewerk landen. Wenn das Holz vom Wald abtransportiert wird, ändert der erstmals rote Punkt der App seine Farbe in Grau. „Dann ist der Borkenkäfer zwar nicht besiegt, aber die Gefahr zumindest eingedämmt“, sagt Fiedler.

Im Kampf gegen den Schädling werden alle Register gezogen. „Es wurden auch schon Hunde speziell für das Aufsuchen von Borkenkäfern ausgebildet“, sagt Fiedler. Er blickt zu Jäckle und den Hunden Axel und Ilvy. „Unsere zwei aber nicht. Die suchen noch nach Wildschweinen.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen