Metzgerei Geydan-Gnamm feiert: Hier geht's seit 50 Jahren um die Wurst

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Petra Gnamm, Chefin der Metzgerei Geydan-Gnamm freut sich über den 50. Jahrestag der Metzgerei.
Petra Gnamm, Chefin der Metzgerei Geydan-Gnamm freut sich über den 50. Jahrestag der Metzgerei. (Foto: Andreas Brücken)
Michael Ruddigkeit

Die Metzgerei Geydan-Gnamm lebt zum großen Teil von Stammkunden, sagt die Inhaberin und Geschäftsführerin Petra Gnamm. Das ist nicht zu übersehen. Wenn die Chefin auf der Bank vor dem Gebäude in der Ludwigstraße 25 sitzt, kommt ständig jemand vorbei, der winkt oder kurz stehen bleibt, um ein Schwätzchen zu halten. Das Geschäft ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen, doch „das Herz unseres Betriebs ist hiergeblieben, das war uns wichtig“, sagt Gnamm. In diesen Tagen feiert die Metzgerei ihr 50-jähriges Bestehen. „Wir sind zufrieden und blicken optimistisch in die Zukunft“, freut sich die Geschäftsführerin.

Am 1. Oktober 1968 übernahm ihr Vater Klaus Geydan die frühere Metzgerei Bühler in Neu-Ulm. „Das war für ihn ein großer Schritt“, sagt Petra Gnamm. Damals war das Team zu fünft, und es gab weder einen Imbiss noch Salate oder eine Käsetheke – nur Wurst und Fleisch. Im Gegensatz zu heute sei damals noch jeden Tag daheim gekocht worden. Und es sei viel Stückware über die Theke gegangen, wie etwa Fleischwurst – „aus wenig ist viel gemacht worden“. Bis in die 80er-Jahre stieg der Fleischkonsum dann stark an. Die in Neu-Ulm stationierten US-Soldaten hatten einen gehörigen Anteil daran. „Als die Amerikaner noch hier waren, haben die GIs jeden Tag kistenweise die Spareribs herausgetragen“, berichtet Petra Gnamm, die mit ihrem Mann Ralf Gnamm seit fast 25 Jahren das Geschäft führt. Mit den Ansprüchen der Kunden wurde auch der Betrieb größer.

Nachwuchs zu finden ist nicht leicht

Anfang der 80er-Jahre wurde die Zunftstube neben der Metzgerei in der Ludwigstraße eröffnet, wo es seitdem jeden Tag einen Mittagstisch gibt. Von 1992 an war Geydan-Gnamm am Ulmer Hauptbahnhof vertreten, fünf Jahre später auch im Blautal-Center. Diese Niederlassungen wurden wieder aufgegeben, dafür wurde 2007 die Filiale in der Platzgasse in Ulm eröffnet. Die läuft bis heute gut. Zeitgleich wurde das Stammhaus in Neu-Ulm umgebaut und die Produktion in ein Gebäude am Lise-Meitner-Ring ausgelagert. Dort werden auch heute noch das Fleisch zerlegt und die Wurst gemacht. Fünf Millionen Euro investierte das Unternehmen damals. „So sind wir peu à peu, langsam, aber gesund gewachsen“, sagt Petra Gnamm.

Derzeit arbeiten etwa 80 Beschäftigte für Geydan-Gnamm, darunter neun Metzger. Das Küchenteam und eine Häppchen-Manufaktur gehören dazu. Größer werden soll der Betrieb nun nicht mehr: „Wir sind stolz darauf, dass wir ein Team von Mitarbeitern haben, die seit vielen Jahren dabei sind“, erläutert die Chefin. „Das ist der Grund, warum wir keine weiteren Filialen wollen, weil wir individuell bleiben möchten.“ Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit bei Geydan-Gnamm betrage elf Jahre. Ein alter Weggefährte von Klaus Geydan ist sogar schon seit 53 Jahren dem Haus verbunden – selbst jetzt noch als Rentner. Geeigneten Nachwuchs zu finden, sei jedoch nicht leicht. Der Fachkräftemangel in der Branche sei spürbar.

Konkurrenz macht sich bemerkbar

Auch die wachsende Konkurrenz macht sich bemerkbar – Wurst und Fleisch sind in jedem Supermarkt und Discounter billig zu haben. Die Essgewohnheiten haben sich zum Teil geändert, viele Leute ernähren sich vegetarisch oder vegan. „Trotz allem gibt es immer noch genügend Kunden, die ein gutes Stück Fleisch zu schätzen wissen“, sagt Petra Gnamm. „Wir haben uns immer gut behaupten können.“ Dazu entwickle sich der Betrieb weiter und nehme Trends auf – Dry Aged Beef etwa, das wochenlang reift und für Fleischliebhaber ein besonderer – und nicht ganz billiger – Leckerbissen ist. Und was die Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft angeht: Die Glacis-Galerie habe man nie als Bedrohung gesehen, eher im Gegenteil: „Wir haben dadurch mehr Laufkundschaft.“

Das 50-jährige Bestehen feiert Geydan-Gnamm mit einer Festwoche von 18. bis 22. September. Dabei geht es natürlich um die Wurst, aber nicht nur.

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