Mehr Lohn? Südwestmetall-Chef fordert Zurückhaltung von Gewerkschaft

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 Götz Maier von Südwestmetall (Bezirk Ulm).
Götz Maier von Südwestmetall (Bezirk Ulm). (Foto: Südwestmetall)
Schwäbische Zeitung

Mehr Geld für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie? Zum Auftakt der anstehenden Tarifrunde (ab März) signalisieren die Arbeitgeber, dass sich die Verhandlungen an den derzeitigen Herausforderungen der Unternehmen orientieren müssten. Das heißt: sparen statt die Löhne weiter erhöhen. Dies bekräftigt auch der Chef des Metall- und Elektroverbandes für den Bereich Ulm und Biberach, Götz Maier.

Der Geschäftsführer der Bezirksgruppe Ulm von Südwestmetall stellt in einer Mitteilung fest, dass es in der Metall- und Elektroindustrie und für deren Beschäftigte „jahrelang“ fast stets nach oben gegangen sei. Jetzt allerdings stünden die Unternehmen „vor großen strukturellen und konjunkturellen Herausforderungen“. Diese seien zwar zu meistern, die Zukunft könne positiv gestaltet werden; aber, so Maier, nur, „wenn alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang und am selben Ende ziehen“.

Die IG Metall, mit der der Metallverband verhandeln wird, hat noch keine konkreten Forderungen gestellt. Südwestmetall geht trotzdem schon in die Offensive. „Insbesondere appellieren wir an die IG Metall, nicht mit einer überzogenen Forderung kaum erfüllbare Erwartungen bei den Beschäftigten zu schüren“, so Maier.

Die Ulmer Bezirksgruppe von Südwestmetall betreut in der Region Ulm, Biberach, Alb-Donau und im südöstlichen Teil Sigmaringens nach eigener Auskunft 131 Betriebe mit 57 662 Mitarbeitern. Maier wünscht sich von der IG Metall, dass diese keine „Forderungsdiskussion“, sondern eine „Zukunftsdiskussion“ führen werde.

Und warum?

Weil die aktuelle Lage der Metall- und Elektroindustrie (kurz M+E) von einem Abschwung gekennzeichnet sei. Hinzu kämen Unsicherheiten, wie der Handelsstreit zwischen den USA und China, die Drohung der Erhöhung von Zöllen auf (Auto-)Importe aus Europa/Deutschland oder auch die immer noch offenen Brexit-Fragen. Aber auch die „tiefgreifende Transformation“ in der Automobilindustrie stelle viele Unternehmen vor große Herausforderungen. „Diese Entwicklungen müssen in den Tarifverhandlungen stark berücksichtigt werden“, führt Maier weiter aus. Er stützt sich auf regionale M+E-Unternehmer. Diese brächten ihm gegenüber deutlich zum Ausdruck, dass es kein „weiter so“ geben könne.

Dies, so Maier, sei vor allem für die große Zahl der Unternehmen wichtig, die keineswegs so glänzend verdienten, wie vielfach behauptet werde. „Selbst in erfolgreichen Jahren schreibt gut ein Fünftel unserer Unternehmen nur eine ‚schwarze Null‘ oder sogar rote Zahlen. Im schon vom Abschwung gekennzeichneten Jahr 2019 lag deren Anteil sogar bei mehr als einem Viertel.“ Bereits jetzt sei Deutschland für die Metall- und Elektroindustrie einer der teuersten Standorte weltweit. Mit diesen hohen Kosten wettbewerbsfähig zu sein, sei eine „riesige Aufgabe“. Der Durchschnittsverdienst in diesem Industriezweig liege in Baden-Württemberg bei mittlerweile 65 000 Euro pro Jahr.

Seit 20 Jahren seien die M+E-Entgelte um fast 70 Prozent angestiegen. Wer im Jahr 2000 rund 3000 Euro/Monat verdiente, bekomme heute mehr als 5000 Euro/Monat. Auch bei Berücksichtigung der Inflation hätten die M+E-Beschäftigten ein Drittel mehr im Geldbeutel. Gleichzeitig lägen die tariflichen Arbeitszeiten in der M+E-Industrie in Deutschland auf einem internationalen Rekordtief. Mit durchschnittlich 35,4 Wochenstunden arbeiteten die Beschäftigten kürzer als ihre Kollegen in allen wichtigen europäischen Wettbewerbern.

Maier schließt mit einem Appell: „Unsere Unternehmen haben in der letzten Krise gezeigt, dass sie verantwortungsvoll handeln und um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Und das werden sie wieder tun. In Zeiten des Fachkräftemangels wären sie ja schlecht beraten, anders zu handeln. Manche Veränderung lässt sich jedoch nicht aufhalten. Alle Beteiligten müssen sich daher auf das Wesentliche konzentrieren: Unsere Unternehmen fit für die Zukunft und Jobs sicher zu machen – dazu muss nun auch die Tarifrunde beitragen.“

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