Maschinenbauer Maka jetzt in chinesischer Hand

Lesedauer: 6 Min

 Die Firma Maka, Entwickler und Produzent von CNC-Spezialmaschinen für die Holz-, Aluminium-, Kunststoffbearbeitung, ist verkau
Die Firma Maka, Entwickler und Produzent von CNC-Spezialmaschinen für die Holz-, Aluminium-, Kunststoffbearbeitung, ist verkauft. Ruijun Yang (links), Präsident der CSG Group, besuchte jüngst das Werk. Rechts: Klaus Kern. (Foto: Oliver Helmstädter)
Oliver Helmstädter

Gerüchte kursieren schon länger in Nersingen. Jetzt ist es amtlich: Der Maschinenbauer Maka Systems wurde verkauft. Das Sagen im Betrieb mit 160 Mitarbeitern hat die chinesische Firma „CSG Smart Science & Technology“. Wie „President“ Ruijun Yang, so die Bezeichnung auf seiner Visitenkarte, bei einem Besuch in Nersingen erläuterte, werde sich am Sitz in Nersingen nichts ändern, die Arbeitsplätze seien sicher.

Im Bereich Forschung und Entwicklung suche CSG zusätzliches Personal für den Standort Nersingen, der weiter unter dem bisherigen Namen Maka firmieren werde. Der alte Geschäftsführer soll auch der neue sein. Klaus Kern werde weiter die Geschicke des Spezialisten für CNC-Systeme, also computergesteuerte Maschinen für die Holz-, Aluminium- und Kunststoffbearbeitung, leiten.

Nach Insolvenzverfahren zurück in Erfolgsspur

Kern hatte die Geschäftsführung im Mai 2012 in einer schwierigen Zeit nach überstandenem Insolvenzverfahren übernommen und das Unternehmen auf die Erfolgsspur gebracht. „Ich freue mich, gemeinsam mit der industriell ausgerichteten CSG Group die Zukunftsausrichtung des Unternehmens voran zu treiben“, so Kern. Wie Kern betont, sei die Idee über einen Einstieg von CSG bei Maka selbst und zwar in der chinesischen, vor drei Jahren gegründeten Maka-Tochter entstanden.

In den Verhandlungen habe sich CSG mit dem besten zukunftsorientierten Konzept gegenüber mehreren Mitanbietern durchgesetzt. Vor dem Hintergrund immer komplexer werdender Anforderungen im Zusammenhang mit Elektromobilität und Digitalisierung sei es sinnvoll, einen starken Partner an der Seite zu haben. Überhaupt hätte Maka durch die Elektromobilität große Zukunftschancen. Denn die Maschinen aus Nersingen kämen immer dann zum Einsatz, wenn es um Gewichtsreduktion geht – ein großer Faktor bei allen elektronisch angetriebenen Fahrzeugen. Egal ob es sich um Autos, Züge oder auch Flugzeuge handle.

Anfängliche Skepsis in der Belegschaft angesichts eines Investors aus dem Reich der Mitte sei längst Zuversicht gewichen, betont Kern. CSG habe überzeugend dargelegt, dass es nicht um den Abzug von Know-how gehe. Die Angst der Mitarbeiter sei schnell verflogen. „Jeder hat gesehen, dass die Arbeitsplätze sicherer werden.“

Chinesen auf Augenhöhe

CSG wolle durch Maka die Präsenz auf europäischen Märkten ausbauen. Chinesische Unternehmen wollen schon lange nicht mehr nur die verlängerte Werkbank Europas und der USA sein. Firmen wie Huawai (Handys), Lenovo (Computer) oder auch CSG zeigen: Es sind wettbewerbsfähige Marken entstanden, die einen Platz auf Augenhöhe mit der angestammten Konkurrenz fordern. Vor über zwei Jahren wurde der Augsburger Roboterbauer Kuka vom chinesischen Midea-Konzern übernommen. Dies war wohl der bis dato umstrittenste Einstieg von Chinesen in einer deutschen Firma. Die Einkaufstour setzen die Chinesen seitdem fort.

Berührungspunkte hatten die Chinesen mit Maka bereits vor dem Kauf: So werden beispielsweise Teile der AMG-Flitzer auf Maka Maschinen gefräst und CSG Schweiß Technologie wird im Stuttgarter Konzern eingesetzt.

Künftig kommen also mehr Arbeitsschritte im Automobilbau aus einer Hand. Nach den Worten von Fei Wang, dem Niederlassungsleiter des deutschen CSG-Sitzes in München, hält CSG in Deutschland große Marktanteile in Sachen Schweißanlagen: Allein die Hälfte der Anlagen bei VW-Schanghai komme aus der Fertigung der neuen Maka-Mutter. CSG ist sehr breit aufgestellt. So sei CSG beispielsweise auch Marktführer in China für fahrerlose Transportsysteme.

Maka hat über 60 Jahre Erfahrung und einen sehr hohen Technologie-Stand“

Wie CSG-Chef Yang bei seinem Besuch in Nersingen betonte, solle Maka die CSG-Abteilung für High-End-Maschinen werden. „Maka hat über 60 Jahre Erfahrung und einen sehr hohen Technologie-Stand“, so Yang in der Übersetzung seines fließend Deutsch sprechenden Kollegen Fei Wang.

Im Automotive-Bereich sei Maka sehr stark, wovon CSG proftieren werde. Über den Kaufpreis, den die Chinesen den beiden Maka-Anteilseignern Paul Lerbinger (München) und Thomas Rubbel (Stuttgart) überweisen, sei Stillschweigen vereinbart worden.

CSG hat sich die vier Betätigungsfelder Roboter, Smarte Logistik, Künstliche Intelligenz und Smarte Stromversorgung auf die Fahnen geschrieben und beschäftigt etwa 4000 Mitarbeiter. Maka setzte zuletzt 28 Millionen Euro um und wird so künftig sechs Prozent zum Gesamtumsatz von CSG beitragen.

Der Kaufvertrag wurde bereits am 23. August unterzeichnet und erst nach der Erfüllung von zahlreichen Bedingungen einschließlich dem Vorliegen der entsprechenden notwendigen Genehmigungen durch chinesische Behörden werde der Kaufvertrag rechtsgültig. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehen die Erwerber von einem „Closing“ der Transaktion spätestens zum 31. Oktober aus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen