Mann soll Bekannte zur Prostitution gezwungen haben

Lesedauer: 5 Min

Wegen Menschenhandel steht ein Mann vor dem Amtsgericht in Ulm.
Wegen Menschenhandel steht ein Mann vor dem Amtsgericht in Ulm. (Foto: PR)
Schwäbische Zeitung
Michael Peter Bluhm

Wegen Menschenhandels, Freiheitsberaubung und sexueller Ausbeutung steht ein 34-Jähriger seit Donnerstag vor dem Schöffengericht Ulm. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, eine 37-jährige Mutter von zwei minderjährigen Kindern aus ihrem Heimatdorf in Südosteuropa nach Ulm gelockt zu haben, indem er ihr einen Job in der Gastronomie versprach, wo sie 1600 Euro im Monat verdiene. Stattdessen soll der Angeklagte die Landsfrau zur Prostitution gezwungen haben.

Bei der Polizeikontrolle in einem Bordell in der Ulmer Weststadt, nutzte die Frau die Gelegenheit, um ihre ausweglose Situation den Beamten zu schildern. Kurz danach wurde der Beschuldigte, der mit einer Prostituierten liiert ist und zusammenwohnt, festgenommen. Am ersten Verhandlungstag verwahrte er sich gegen die von der Frau erhobenen Vorwürfe, auf denen die Anklageschrift fußt.

Nach Aussagen der mutmaßlichen Zwangsprostituierten soll sie in mehreren Ulmer Etablissements bis zu 150 Euro pro Tag verdient haben, die sie vollständig abgeben musste. In ihrer freien Zeit sei sie in der Wohnung des Angeklagten und in einem Hotelzimmer eingesperrt worden. Wenn sie gegen diese Lebensumstände protestiert habe, sei sie – so die Anklage – in einen nahen Wald geschleppt und verprügelt worden. Außerdem habe der Angeklagte gedroht, ihre Kinder im Heimatland töten zu lassen, wenn sie nicht seinen Anweisungen Folge leiste.

Mit Fußfesseln und Handschellen wurde der schmächtige Inhaftierte in den Gerichtssaal des Ulmer Amtsgerichtes in Begleitung von zwei Justizbeamten hereingeführt, die den Angeklagten um einen Kopf überragten. Der Mann, der kein Wort Deutsch spricht, hat offensichtlich mit der Sexarbeit seiner Freundin so viel Geld verdient, dass er sich mehrere Autos leisten konnte, die er in seinem Heimatland auf einem Hof eines Hauses geparkt hatte, in der die Frau mit ihrer Familie lebte. Nein, er habe sie nicht zur Prostitution gezwungen, sondern der Frau auf deren Wunsch eine Arbeitsstelle als Putzfrau in einer Ulmer Pizzeria vermittelt, sagte er aus.

Der Angeklagte ließ in seinen Einlassungen vor Gericht kein gutes Haar an der Frau. So habe sie ihre Reise nach Deutschland mit Apothekendiebstählen in ihrem Heimatort finanziert und den Job als Reinigungsfrau bald hingeschmissen. In Ulm habe ihr das Geld für ein Hotelzimmer gefehlt, sodass sie notgedrungen in der winzigen Wohnung des Angeklagten und dessen Frau befristet aufgenommen worden sei. Zeitweise habe sie auch an ihren neuen Arbeitsstätten als Prostituierte schlafen können, aber dann Angst bekommen, dort über Nacht zu bleiben. Bei seinem Besuch im Heimatland habe er mit der Mutter von zwei Kindern sexuellen Kontakt gehabt, was er heute tief bereue, weil er ja in Ulm mit einer anderen Landsmännin liiert ist. „Danach hat sie mir über Facebook gestanden, dass sie mich liebt und deshalb nach Ulm kommen will“, so der 34-Jährige.

Zum Auftakt des Prozesses verstrickte sich der Angeklagte nach Auffassung des Gerichts in zahlreiche Widersprüche, die laut dem Vorsitzenden Richter bei der Bewertung der Beweisaufnahme eine wichtige Rolle spielen könnten. Er forderte den Verteidiger auf, sich mit dem Angeklagten ins Benehmen zu setzen, damit dieser die Karten auf den Tisch lege, statt sich weiterhin in Ungereimtheiten zu ergehen. Zum Prozess sind insgesamt neun Zeugen an drei Verhandlungstagen geladen. Am 12. Januar wird der Prozess um 13.30 Uhr im Ulmer Amtsgericht fortgesetzt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen