Mahnwache wünscht sich ein offenes, buntes und friedliches Europa

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Symbolische Menschenkette in Ulm: Am Rathaus völlig geschlossen.
Symbolische Menschenkette in Ulm: Am Rathaus völlig geschlossen. (Foto: Stefan Kuemmritz)
Schwäbische Zeitung

Fahnen und Spruchbänder, die für Frieden, Menschenrechte und Menschlichkeit warben, prägten am Samstagmittag einen Teil der Ulmer Innenstadt. 14 Organisationen unter der Federführung der Ulmer Ärzteinitiative IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in Sozialer Verantwortung) beteiligten sich an der symbolischen Menschenkette mit Mahnwache, die von der Herdbrücke durch die Herdbruckerstraße bis zur Neuen Mitte führte.

Bevor die Menschenkette gebildet wurde, war an der Herdbrücke ein Seil mit 15 „Pace“-Fahnen von der Ulmer Seite über die Donau nach Neu-Ulm gespannt worden, um die Nachbarstadt und damit auch Bayern in die Aktion mit einzubeziehen. Außerdem wollten die Organisationen des Bündnisses „Rettungskette Ulm/Neu-Ulm“ damit ein Signal setzen, „dass wir auch in der Corona-Krise für ein offenes, buntes und friedliches Europa stehen“, wie sie verlautbarten.

Eigentlich Rettungskette geplant

Eigentlich war die Aktion „Rettungskette“, mit der man sich auch gegen „das Sterben im Mittelmeer, verursacht durch die europäische Abschottungspolitik“ verwahren wollte, ganz anders geplant, doch die Corona-Pandemie hat eine Aktion im großen Maße nicht zugelassen. Wie berichtet, hätte die Kette am Samstag von Hamburg aus auf einer Linie durch ganz Deutschland und durch Österreich bis ans Mittelmeer in Italien in allen anliegenden größeren Städten erfolgen sollen.

Nun musste man sich auf einzelne Aktionen beschränken, die aber den gleichen Stellenwert hätten, wie Mitorganisator Reinhold Thiel erklärte. „Der 16. Mai 2020 wäre zum historischen Datum geworden“, bedauerte er ein wenig, „aber nun wollen wir das Großprojekt im April kommenden Jahres nachholen.

Bis dahin ruht unsere Organisation.“ Wäre die Menschenkette von Hamburg bis an die Adria zustande gekommen, wäre der Ulmer Teil von der Ulmer Wengenkirche durch die City bis zur Neu-Ulmer Petruskirche geplant gewesen, so Thiel. „Jetzt haben wir eine kleinere Kette, die wir bewusst Mahnwache nennen und die von 150 Menschen gebildet wird.“

Hoffen auf politisches Gehör

Auch wenn das Großprojekt ausgefallen ist, hoffen die in Ulm teilnehmenden Organisationen, dass die politische Ebene aufmerksam und erreicht wird. In einer schriftlichen Erklärung des Bündnisses „Rettungskette Ulm/Neu-Ulm“ mit seinem Sprecher Dietmar Oppermann vom Evangelischen Flüchtlingsdiakonat Prälatur Ulm heißt es unter anderem: „In den Lagern innerhalb und außerhalb Europas leben Menschen unter unwürdigen und unmenschlichen Bedingungen. Wir fordern ein Europa, das keine Festung baut, sondern alle Menschen als das behandelt, was sie sind: gleich und frei in Würde und Rechten. Zusammen stehen wir für solidarische Städte, sichere Häfen und humane Flüchtlingspolitik.“

Oppermann denkt da insbesondere an die „überfüllten Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln“ und an der griechisch-türkischen Grenze: „Ein Corona-Ausbruch dort wäre eine Katastrophe. Die Aufnahme von 50 Kindern von dort ist bei uns in Deutschland viel zu wenig. Das steht im Vergleich zu den 80 000 hierher gekommenen Erntehelfern oder der Rückführung von 200 000 Menschen aus dem Ausland in keinem Verhältnis.“

Viele Organisationen vertreten

Mitglieder von Amnesty International Ulm/Neu-Ulm, dem Evangelischen Diakonieverband Ulm/Alb-Donau, dem Evangelischen Flüchtlingsdiakonat Prälatur Ulm, dem Flüchtlingsrat Ulm/Alb-Donau-Kreis, dem Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm, dem Freundeskreis Asyl Elchingen, den Naturfreunden Ulm, der Seebrücke Ulm, der Terre des Hommes AG Ulm/Neu-Ulm, der Ulmer Ärzteinitiative IPPNW, dem Verein Freundschaft Kultur und Jugend, dem Verein für Friedensarbeit, dem Verein Menschlichkeit Ulm und dem Verein Ulmer Weltladen bildeten schließlich die Mahnwache, die vor der Kunsthalle Weishaupt endete.

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