Macher der Regio-S-Bahn hoffen auf den Freistaat

Lesedauer: 7 Min
Wollen den Ausbau: Staatssekretär Josef Zellmaier (Mitte), der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger und die Abgeordneten Bea
Wollen den Ausbau: Staatssekretär Josef Zellmaier (Mitte), der Neu-Ulmer Landrat Thorsten Freudenberger und die Abgeordneten Beate Merk und Klaus Holetschek. (Foto: Jens Carsten)
Jens Carsten

Wenn es um den Ausbau von Bahnstrecken geht, hat der Freistaat die Region Donau-Iller im Blick: Dieses Signal hat Josef Zellmeier, der Staatssekretär im bayerischen Verkehrsministerium, am Montagabend bei einem Besuch in Illertissen gegeben. Demnächst werde Ministerin Ilse Aigner einen Kooperationsvertrag mit den kommunalen Vertretern unterzeichnen.

Die Regio-S-Bahn Donau-Iller soll die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, sechs Landkreise und drei Städte enger verbinden. Die Kreise Neu-Ulm, Günzburg, Unterallgäu, Heidenheim, Biberach und Alb-Donau sowie die Städte Ulm, Neu-Ulm und Memmingen haben sich im Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller zusammengeschlossen.

„Bayern macht nicht nur Sprüche“

„Bayern macht nicht nur Sprüche, wir machen auch mit“, sagte Zellmeier. Das Konzept der Regio-S-Bahn passe zu den Zielen der bayerischen Verkehrspolitik. Stichworte seien unter anderen energiesparende Züge und bessere Vernetzung. Teil des angekündigten Ausbaus soll die Illertalbahn zwischen Neu-Ulm und Memmingen sein: Losgehen könnte es mit dem Umbau des Sendener Bahnhofs und der Einrichtung von sechs neuen Haltestellen bei Memmingen, hieß es.

Die Vertreter von Landkreis und Kommunen nahmen die Münchner Botschaft in Illertissen mit Wohlgefallen auf. Sie setzen sich seit Jahren für einen Ausbau ein – aus ihrer Sicht drängt die Zeit.

Mehrere Tausend Fahrgäste

Immer mehr Menschen steigen in die Illertalbahn: 116 Personenzüge mit mehreren Tausend Fahrgästen sind jeden Tag unterwegs – das sind so viele, dass die Strecke zu den am stärksten befahrenen, eingleisigen und nicht elektrifizierten in Bayern gehört.

Nach Ansicht von Experten sind die Kapazitäten ausgereizt, die bestehenden Gleisanlagen ließen keine Ausweitungen mehr zu: „Wir sind am Anschlag“, sagte Oliver Dümler, der Geschäftsführer des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller in Illertissen. Das soll sich durch einen angestrebten Ausbau ändern.

Der Plan: Die Züge in den Ballungsräumen sollen häufiger fahren, mindestens im Halbstundentakt, mitunter sogar alle 20 Minuten. Sechs weitere Haltestellen bei Memmingen sind vorgesehen – und dazu der Umbau des Sendener Bahnhofs, der dadurch noch mehr zum Knotenpunkt wird.

Zweigleisige Abschnitte sollen entstehen

Zweigleisige Abschnitte (sogenannte Begegnungspunkte) sollen entstehen, außerdem eine Stromversorgung. Das alles steht auf dem Wunschzettel der Anlieger der Illertalbahn, die seit längerer Zeit auf den Ausbau pochen. Bei Zellmeiers Besuch warben sie erneut dafür – und schienen damit offene Türen einzurennen.

Demnächst soll eine Kooperationsvereinbarung zwischen Freistaat und kommunalen Interessenvertretern unterschrieben werden. Dabei geht es insgesamt um ein besseres Bahnangebot für die Region Donau-Iller. Ein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit könnte bis Mitte 2019 vorliegen. „Wir müssen feststellen, was machbar ist und was nicht“, sagte Zellmeier. Der Freistaat wolle Gelder aus der sogenannten Länderquote bereitstellen.

Aber auch der Bund müsse ins Boot geholt werden: Immerhin sei der eigentlich für Schienen, Bahnhöfe und Barrierefreiheit zuständig. Ihm soll das Vorhaben als länderübergreifendes Projekt mit Baden-Württemberg „schmackhaft“ gemacht werden, so der Staatssekretär. Man habe gute Karten, auch weil die ganze Region dahinterstehe.

Ein wichtiger Aspekt sei der Anschluss der Illertalbahn an das Stromnetz. Er sei zwar gegen Fahrverbote für Dieselautos, sagte der Staatssekretär. Bei der Bahn sei der Umstieg auf elektrische Antriebsenergie aber sinnvoll, gerade weil oft ältere Fahrzeuge und ältere Loks im Einsatz seien.

Landrat freut sich über klares Bekenntnis zum Projekt

Das Gehörte schien den Anwesenden in Illertissen zu gefallen: „Das war das klarste Bekenntnis, das ich zu dem Projekt jemals gehört habe“, sagte Landrat Thorsten Freudenberger. Die Planungen würden in der Region seit Jahren vorangetrieben. Es komme die Zeit, die viel zitierten Nägel mit Köpfen zu machen.

Die angekündigte Kooperation könne ein „entscheidender Ruck“ sein, sagte Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg. In vielen Gesprächen habe man immer wieder auf ihr Anliegen hingewiesen: „Man hatte nicht immer das Gefühl, dass das ankommt.“ Ein Beispiel sei die Verlegung des Bahnhofs in Gerlenhofen. Nun gebe es positive Signale, auch wenn „man sicher nicht morgen mit dem Bauen anfängt.“

Bürgermeister Jürgen Schalk aus Heimertingen sah eine „neue Glaubwürdigkeit“. Die sechs Haltestellen um Memmingen (Berufsbildungszentrum Memmingen, Amendingen, Buxheim, Heimertingen, Fellheim und Pleß) seien wichtig für die Kommunen. Sie hätten mit Vertretern der Bahn diesbezüglich schon viel durchgemacht. Das Statement Zellmaiers sei daher positiv.

Landtagsabgeordnete Beate Merk betonte, dass immer noch viele Pendler alleine im Auto unterwegs seien. Dem müsse durch den Ausbau der Zuglinien eine Alternative entgegen gesetzt werden. Dann nähmen die Menschen das Angebot auch an. Ihr Kollege Klaus Holetschek betonte, die Bürgermeister der Kommunen seien bei früheren Sitzungen zu dem Thema bereits verzweifelt. Nicht so bei der am Montag: „Heute ist ein guter Tag für die Region.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen