Münster-Sanierung geht weiter: Bauverein auf Spenden angewiesen

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Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, Münsterbaumeister Michael Hilbert und der Vorsitzende des Münsterbauvereins, Eduard Schleicher (von li
Dekan Ernst-Wilhelm Gohl, Münsterbaumeister Michael Hilbert und der Vorsitzende des Münsterbauvereins, Eduard Schleicher (von links), bitten um Spenden für die Sanierung des Chorraums. (Foto: Ludger Möllers)
Oliver Helmstädter

Normalerweise werden Großprojekte immer teurer als ursprünglich geplant. Im Fall der Sanierung des Chorraums des Ulmer Münsters ist das nun anders. Münsterbaumeister Michael Hilbert kalkulierte anfangs mit 460 000 Euro. Dass es nun wohl billiger geht, liegt auch an einer Firma aus Weißenhorn: Peri, einer der weltweit größten Hersteller und Anbieter von Schalungs- und Gerüstsystemen, bietet sein Material deutlich günstiger an.

Statt um die 180 000 Euro wie marktüblich für das Gerüst im Chorraum verlangt werde, berechne Peri nur 55 000 Euro. Hilbert sieht das als Teil einer Partnerschaft, die Ulmer Münsterbauhütte werde komplett auf Peri-Systeme umstellen. Ein 71 Meter hohes Arbeits- und Schutzgerüst sowie eine Schwerlastplattform am Hauptturm wurden bereits realisiert.

Spendenpaten gesucht

Trotz derartiger Unterstützung ist das Ulmer Münster als Bürgerkirche – einst ausschließlich von Ulmer Bürgern und nicht einer Konfession finanziert – auf Spender angewiesen. Der Münsterbauverein um seinen Vorsitzenden Eduard Schleicher sucht deswegen Spenden-Paten für die Erhaltung des Chorraums.

Wie berichtet, stürzte jüngst Putz aus 26 Metern Höhe von der Decke. Der warme und trockene Sommer mit einer sehr geringen Luftfeuchtigkeit habe den Prozess beschleunigt, sodass mehrere große Putzstücke sich aus der Decke gelöst hatten und auf den Kirchenboden gestürzt sind.

Chot Decke - kaputte Chordecke Ulmer Münster - Bessererkapelle - Chorraum
Chot Decke - kaputte Chordecke Ulmer Münster - Bessererkapelle - Chorraum (Foto: Alexander Kaya)

Der Chorraum – 29 Meter lang und 15 Meter breit – gehört zu den sehr alten Abschnitten des Münsters. Er wurde größtenteils aus Backstein errichtet und im Jahr 1449 fertiggestellt. Nun muss der Chor voraussichtlich für ein Jahr komplett eingerüstet und gesperrt werden.

Die Ulmer Bürgerschaft hat sich immer um das Münster gesorgt. Es ist meine Aufgabe, dass das so bleibt. Eduard Schleicher, Münsterbauverein

Beseitigt werden letztlich Folgeschäden einer 500-Kilo-Bombe, die 1945 das Münster traf: Beschädigte Rippenbögen wurden nicht durch Naturstein, sondern in Eisenbeton sowie Kalkzementputz erneuert, was sich als nicht sehr haltbar erwies.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Münsterbauverein Erfolg mit Spendenpatenschaften für die Restaurierung der mittelalterlichen Glasmalereien in der Bessererkapelle. 40 000 Euro kamen so zusammen. „Die Ulmer Bürgerschaft hat sich immer um das Münster gesorgt. Es ist meine Aufgabe, dass das so bleibt“, sagt Schleicher, der sich des Danks des Dekans sicher sein kann.

Chemisches Schutzschild aus Ulm für den Denkmalschutz
Es ist nicht der erste Versuch, das Ulmer Münster vor Verwitterung zu Schützen. Fachzeitschriften sprechen aber schon von einem Meilenstein im Denkmalschutz.

Mit 500 000 Euro im Jahr als Förderbetrag vom Land muss der höchste Kirchturm der Welt in Stand gehalten werden. Bei „außergewöhnlichen Ereignissen“, wenn etwa Putz von der Decke fällt, können 100 000 Euro zusätzlich beantragt werden. Und wenn das Geld inklusive der Zuschüsse der Stadt nicht langt und weitere Förderer wie etwa der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nicht zahlen können, springt der Münsterbauverein ein.

„Das ist eine tolle und unbürokratische Hilfe“, so Ernst-Wilhelm Gohl. Wenn sich eine Lücke auftue, öffne der Münsterbauverein seine Kasse.

Sperrungen sind nötig

Die frisch sanierte Besserer-Kapelle wird in den kommenden Monaten aufgrund der Arbeiten im Chor nur schwer bis gar nicht erreichbar sein. Denn vermutlich, so Hilbert, müsse während der elf bis zwölf Monate andauernden Sanierungsarbeiten der Durchgang zur Kapelle gesperrt werden. Parallel zur Sanierung der Decke wird der Dreisitz und das Chorgestühl, mit Hunderten aus Eichenholz geschnitzten Figuren, saniert und gesäubert. Den zwischen 1469 und 1474 geschnitzten Kostbarkeiten stehe eine aufwendige, zeitintensive Reinigung und anschließende Konservierung bevor, die den verblassten Glanz zurückholen solle.

Außerdem werden die Totenschilde geputzt. Staub und Ablagerungen der vergangenen Jahrzehnte haben an den Gedenktafeln für Mitglieder aus dem Adel und dem ratsfähigen Bürgertum deutlich sichtbare Spuren hinterlassen und die ehemals farbenprächtigen Schilde mit einem grauen und unansehnlichen Schmutzfilm überzogen.

Und während das Gerüst im Chor noch in Planung ist, denkt Hilbert darüber nach, ob der Mittfünfziger die anstehenden Arbeiten noch vor seiner Pensionierung schafft: Keine Frage ist dies bei der Sanierung des 161,53 Meter hohen Turms, die wohl 2025 abgeschlossen sein dürfte und insgesamt etwa 25 Millionen Euro kostet.

Fraglicher ist dies beim Nordturm. Dieses Bauwerk ist als nächstes an der Reihe nachdem das Projekt Südturm vor acht Jahren erfolgreich abgeschlossen wurde – nach zwölf Jahren Arbeit.

Großputz im Münster
Seit Dienstag werden die Innenwände des Ulmer Münsters von Staub, Ruß und Spinnweben befreit. Schwindelfrei muss man für diese Arbeit sein. Der Schmutz hängt in bis zu 28 Metern Höhe.
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