Ludwig-Erhard-Brücke ist noch kaputter als gedacht

Lesedauer: 4 Min
Arbeiter nehmen derzeit defekte Betonteile von der Ludwig-Erhard-Brücke ab und montieren provisorische Schutz-Verschalungen.  Fo
Arbeiter nehmen derzeit defekte Betonteile von der Ludwig-Erhard-Brücke ab und montieren provisorische Schutz-Verschalungen. (Foto: Kaya)
Sebastian Mayr

Seit Dienstag werden die absturzgefährdeten Beton-Fertigteile an der Ludwig-Erhard-Brücke abgenommen und provisorische Schutz-Verschalungen montiert. Nach kleinen Startschwierigkeiten erwartet Gerhard Fraidel, Leiter der städtischen Abteilung Verkehrsinfrastruktur, dass die Arbeiten nun gut voran gehen.

Die Montage sei zunächst schwierig gewesen und das Notstromaggregat dem Beheizen des Wassers, das für die Sägarbeiten nötig ist, nicht gewachsen gewesen, berichtete Fraidel im Bauausschuss.

Der Abteilungsleiter hatte eine Reihe schlechter Nachrichten im Gepäck. Die Sanierung der Ludwig-Erhard-Brücke wird deutlich teurer als gedacht. Ursprünglich war mit knapp einer Million Euro geplant worden. In der Sitzung sagte Fraidel: „Es wird eher Richtung 2,5 Millionen gehen – für jede Seite.“ Weil die Brücke über den Gleisen verläuft und eine Zustimmung der Bahn erforderlich ist, darf dort nicht jedes Unternehmen arbeiten. Nur zwei Firmen haben die nötige Genehmigung; für die Schutzmaßnahmen kam nur eine davon in Frage. Deren Kostenaufstellung sei zwar unerwartet teuer ausgefallen, aber angemessen, sagte Fraidel.

An der Brücke sind inzwischen noch weitere Mängel festgestellt worden. „Wir haben wieder einen kleinen Salzsee“, sagte der Abteilungsleiter. Auch im nördlichen Teil der Brücke ist Wasser in den Beton eingedrungen – aus diesem Grund wird das Bauwerk derzeit provisorisch gesichert (wir berichteten). Später soll die Brücke saniert werden. Im Nordteil, wo sich jetzt ebenfalls Beton löst, liegen Hauptspannglieder der Brücke. Kurz vor dem Einstürzen ist die Brücke aber nicht, versicherte Baubürgermeister Tim von Winning.

Mit einem Überwachungssystem will die Stadt die Brücke im Auge behalten. Das System misst automatisch, ob Wasser in Vertiefungen eintritt und sendet dann Warn-SMS an die zuständige Abteilung. Die hat noch ein weiteres Problem bemerkt: Der schützende Deckbelag, der vier Zentimeter hoch sein sollte, ist auf der Ludwig-Erhard-Brücke nur 2,5 Zentimeter hoch.

Stadtrat Siegfried Keppler (CDU) wollte in der Sitzung wissen, wer die Schuld an den Mängeln des 1989 errichteten Bauwerks trägt. Abteilungsleiter Gerhard Fraidel antwortete, die Bauteile seien auf einen Sondervorschlag der damals beauftragten Firma gefertigt worden – und anders eingebracht, als auf den Zeichnungen vorgesehen. Die Firma gibt es allerdings nicht mehr. „Wir haben da wohl keine Chance“, sagte Baubürgermeister von Winning zu den Aussichten auf eine Entschädigung.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen