Kulturzentrum Roxy will sich nun auch im Sommer als Treffpunkt etablieren

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 Probesitzen im Biergarten: Geschäftsführer Christian Grupp (rechts) und Pressesprecher Henning Reinholz probieren die Liegestüh
Probesitzen im Biergarten: Geschäftsführer Christian Grupp (rechts) und Pressesprecher Henning Reinholz probieren die Liegestühle vor dem Roxy aus. Der Biergarten hat ab sofort immer von Donnerstag bis Sonntag geöffnet – bei schönem Wetter. (Foto: Alexander Kaya)
Marcus Golling

Ein guter Start in die Biergartensaison sieht anders aus. Kaum hatten die ersten Gäste an den Tischen am Roxy Platz genommen, tröpfelten ihnen auch schon Regen ins Bierglas. Doch Christian Grupp, seit 2018 Geschäftsführer des Ulmer Kulturzentrums, lässt sich davon die Laune nicht verderben. Denn der Biergarten, der ab sofort immer von Donnerstag bis Sonntag geöffnet ist, spielt eine wichtige Rolle in seinen Plänen: Denn erstmals seit vielen Jahren legt das Roxy 2019 keine Sommerpause ein, sondern will auch in Juli und August Besucher anlocken, mit Gastronomie und kostenlosem Kulturprogramm anlocken. „Wir wollen uns als Treffpunkt etablieren, auch abseits des Veranstaltungsbetriebs“, erklärt Grupp.

Wir wollen uns als Treffpunkt etablieren, auch abseits des Veranstaltungsbetriebs.

Christian Grupp

Der Kulturbiergarten ist ein Geschenk, dass das Roxy-Team sich und den Besuchern zum Geburtstag macht: Das soziokulturelle Zentrum an der Oberen Donaubastion wird 30 Jahre alt – und hat in seiner Geschichte schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Die aktuelle Situation ist durchaus erfreulich, wie Geschäftsführer Grupp und Pressesprecher Henning Reinholz bei einem Pressegespräch erläuterten. 2018 schloss das Haus bilanziell mit einer schwarzen Null ab, insgesamt besuchten rund 75 000 Menschen die 246 Veranstaltungen im Roxy.

Gute Zahlen, interessanter sind aber noch die Details. So sind 22 Prozent der Veranstaltungen mittlerweile Eigenproduktionen, dazu kommen 18 Prozent Kooperationen: Das Roxy ist nicht nur eine Spielstätte für durchreisende Künstler, sondern eine Kulturinstitution, die selbst kreativ und erfolgreich Programm macht. Trotz weiterhin verhältnismäßig geringer Förderung durch Stadt Ulm (380 000 Euro) und Land Baden-Württemberg (180 000 Euro): Die Zuschüsse decken nicht ansatzweise die Fixkosten von rund 900 000 Euro für Personal und Raum.

Das Programm im Sommer

Trotzdem gibt es mittlerweile viele nicht kommerzielle Veranstaltungen: Ein wichtiger Baustein ist das im vergangenen Jahr eröffnete kleine „Labor 1/12“, das sich laut Reinholz beim Publikum und bei der freien Szene, für die es gedacht ist, etabliert hat. Vonseiten der Kulturschaffenden sei das Interesse sogar so groß, dass man die Hälfte der Anfragen für die Location, die das Roxy kostenlos für Proben und Vorstellungen zur Verfügung stellt, ablehnen musste. Das Labor hat auch seinen Anteil daran, dass das Musikprofil inzwischen breiter geworden ist: Neben Pop und Rock gibt inzwischen auch öfter experimentelle und improvisierte Musik. Und auch Tanz und Literatur haben einen festen Platz im Programm.

Der erwähnte Kulturbiergarten, der am Samstag, 13. Juli, mit dem Musikfestival „Eine Million gegen Rechts!“ eröffnet, ist nur ein Beitrag zum Jubiläumsjahr. Zur Feier des 30. Geburtstags will das Roxy im Juni seine ganze Bandbreite zeigen – und es ein bisschen krachen lassen. Drei Veranstaltungen sind geplant: eine große Party, bei der zwei DJs der „Tanzfabrik“ aus alten Roxy-Zeiten reaktiviert wurden (Freitag, 21. Juni, 22 Uhr), einen großen Jubiläumstag mit freiem Eintritt, Konzerten, Comedy, Theater und Führungen (Samstag, 22. Juni, ab 16 Uhr) und ein Konzert des derzeit überaus gefragten Deutsch-Pop-Rockers Bosse (Donnerstag, 27. Juni, 20 Uhr). Für Letzteres sind bereits rund 600 Tickets verkauft.

Wir wollen auch wieder größere Konzerte.

Christian Grupp

Hinter den Kulissen im Roxy gehen die Planungen natürlich schon weiter in die Zukunft. „Wir wollen auch wieder größere Konzerte“, sagt Geschäftsführer Grupp, wohl wissend, dass dieser Bereich zuletzt wenig zum Roxy-Erfolg beitrug. Fürs Erste wäre ein bisschen Sonnenschein für die Biergarten-Saison wahrscheinlich noch wichtiger.

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