Knifflige Baustelle: So könnte der Ausbau der A7 laufen

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 Die Brücke der A7 steht zwischen Witzighausen und Wullenstetten. Das Bauwerk ist in die Jahre gekommen und muss bald erneuert w
Die Brücke der A7 steht zwischen Witzighausen und Wullenstetten. Das Bauwerk ist in die Jahre gekommen und muss bald erneuert werden. Im Rahmen des A7-Ausbaus soll dies passieren – die Planung ist komplex. (Foto: Alexander Kaya)
Carolin Lindner

Die A7 ist die wichtigste Verkehrsader im Landkreis – Tausende nutzen sie auf dem Weg zur Arbeit, in den Urlaub oder um schnell zum Einkaufen zu fahren. Das zeigt sich auch an den Zahlen: Täglich rollen bis zu 65.000 Fahrzeuge alleine auf dem Teilstück zwischen Illertissen und dem Autobahndreieck Hittistetten.

In diesem Bereich soll die A7 deswegen wie berichtet von bisher vier auf künftig sechs Fahrstreifen erweitert werden. Der Teilausbau wurde im aktuellen Bundesverkehrswegeplan als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Damit ist gesetzlich festgehalten, dass der Ausbau mit höchster Dringlichkeitsstufe ansteht.

Da die Brücke direkt am Autobahndreieck liegt, ist es am besten, alles gemeinsam auszubauen.

Olaf Weller, Autobahndirektion Südbayern

Eile ist auch bei einem anderen Bauwerk geboten. Die Talbrücke bei Witzighausen sei „am Ende ihrer Lebensdauer angekommen“ und halte höchstens noch zehn Jahre, sagt Olaf Weller, Leiter der Kemptener Dienststelle der Autobahndirektion Südbayern. Eventuell müsse das Bauwerk noch vor dem sechsspurigen Ausbau saniert werden. Doch das Ziel sei ein Neubau im Zuge der Erweiterung. „Da die Brücke direkt am Autobahndreieck liegt, ist es am besten, alles gemeinsam auszubauen“, so Weller.

Deswegen werde sich die Linienführung wohl auch nicht groß ändern – ein kräftiger Schlenker über die Brücke zum Dreieck Hittistetten wäre nicht gut machbar. Die Bürger aus Wullenstetten wird das freuen, sie waren besorgt, dass das Bauwerk näher an den Ort rücken könnte.

Durch die Lage von Brücke und Autobahndreieck muss der Ausbau an dieser Stelle wohl bedacht sein. Es braucht nicht nur drei Fahrspuren und einen Standstreifen in jede Richtung, sondern auch eine breitere Schutzplanke und einen Notgehweg. Vermutlich wird eine sogenannte Addition der Streifen gemacht: Die Fahrspur, die von der B28 aus Richtung Ulm kommend und gen Süden führt, bleibt bestehen und andersrum. Die Autobahn wird von einer Bankettseite zur anderen ungefähr 36 Meter breit sein. Alleine die drei Fahrspuren machen pro Richtung fast elf Meter aus.

Größe der Brücke noch unklar

Wie die Großbrücke neu gebaut wird, ist noch unklar. Auch das bestehende Bauwerk besteht aus zwei Teilen, jede Fahrtrichtung verläuft also auf einer Brücke. Entweder wird der Verkehr auf eine Seite geleitet, während die andere Brücke abgerissen und neu aufgebaut wird. Oder man baut daneben eine neue Brücke und schiebt sie nach dem Abriss der alten in zwei Teilen ein.

Dies alles seien grundsätzliche Überlegungen, die derzeit in der Vorentwurfsplanung gemacht werden. Für den rund 12,4 Kilometer langen und geschätzt 120 Millionen Euro teuren Abschnitt zwischen Hittistetter Dreieck und Illertissen dauere diese bis Ende 2020, so Weller. „Darin plant man alles technisch durch.“ Das heißt, neben der Linienführung, dem Spurkonzept und der Brücke kommt der mögliche Anschluss bei Bellenberg hinein, die Auswirkungen auf die Umwelt werden bedacht und Ausgleichskonzepte erarbeitet.

Die A7 könnte zudem dort tiefergelegt werden, wo sie direkt neben Orten verläuft, etwa bei Tiefenbach und Illertissen. Dadurch verbessere sich der Lärmschutz. Generell ist dieser ein großes Thema. Weller erklärt, dass die Richtwerte bei einem Ausbau deutlich strenger angesetzt werden als bei einer Bestandsautobahn. „Die Bevölkerung bekommt per Gesetz einen hohen Schutz und wir halten die Richtlinien ein.“

Wenn die Planung mal konkret ist, werden wir auch Bürgerversammlungen machen.

Olaf Weller, Autobahndirektion Südbayern

Im Rahmen des Vorentwurfs gibt es eine vorgezogene Öffentlichkeitsbeteiligung. Wenn der Bund den Entwurf genehmigt hat, geht es ins Planfeststellungsverfahren. Dort werden alle Belange abgeklopft, auch im privaten rechtlichen Bereich. Bis die Bagger rollen, werden also noch ein paar Jahre vergehen. Weller schätzt den Baubeginn auf 2025, doch das wisse man nie. Im A7-Bereich bei Nesselwang habe alleine das Rechtsverfahren viele Jahre gedauert. „Wenn die Planung mal konkret ist, werden wir auch Bürgerversammlungen machen.“

Nach dem nördlichen Teil komme der Ausbau zwischen Illertissen und dem Kreuz Memmingen an die Reihe. Dieser wurde im Bundesverkehrswegeplan eine Kategorie weniger dringlich eingestuft, dort müsse die Straße auch weniger Verkehr verkraften. Beides gemeinsam lasse sich unmöglich planen, denn ein Großprojekt mit einem Gesamtvolumen von geschätzt 400 Millionen Euro sei sehr komplex, sagt Weller.

Mit dem A8-Ausbau bei Elchingen liegt ein weiteres Großprojekt im Zuständigkeitsbereich der Autobahndirektion. Man bearbeite derzeit die „Hausaufgaben“ aus dem Erörterungstermin in Elchingen. Den von Bürgern gewünschten Wall-Wand-Lärmschutz habe der Bund jedoch nicht genehmigt, mit der Begründung, ein Zehn-Meter-Wall sei ausreichend, so Weller.

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