Kitschig? So war der Auftritt von Chris de Burgh

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 Rund 40 Millionen Tonträger und etwa 200 Gold- und Platinplatten kann Chris de Burgh verzeichnen. In Ulm präsentierte der Künst
Rund 40 Millionen Tonträger und etwa 200 Gold- und Platinplatten kann Chris de Burgh verzeichnen. In Ulm präsentierte der Künstler seine großen Erfolge der Vergangenheit vor rund 1400 Fans. (Foto: Andreas Brücken)
Andreas Brücken

Eigentlich sind Chris de Burgh und seine Lieder gefühlt schon immer da gewesen: „The Lady In Red“, „Don’t Pay The Ferryman“ oder „Missing You“ sind die Songs, die jeder kennt und zumindest mitsummen könnte – ob gewollt oder nicht. Rund 1400 Fans sind in den Einstein-Saal des CCU gekommen, um diese Hits, aber auch Geschichten und Sagen live zu erleben.

Bei flackerndem Kerzenschein und diffusem Licht singt der Liedermacher vom gefährlichen Leben der Schmuggler („The Escape“), einem Geheimnis auf dem Boden des Schlossbrunnens („Secret Of The Locket“) und den vielen anderen mystischen Geschichten um „Moonfleet“, dem musikalischen Projekt aus der Feder de Burghs, das vor rund neun Jahren veröffentlicht wurde.

Aber auch eine Geschichte aus der Region hatte de Burgh für seine Ulmer Freunde mitgebracht: „Ich stieg die 768 Stufen des Münsters nach oben – und dann bin ich aufgewacht.“ Diese humorvolle Ehrlichkeit des 71-jährigen Musikers lieben offensichtlich die treuen Fans. Dann legt der Liedermacher nach: „Es ist schön, in einer so schönen Stadt aufzutreten.“

Die Lobhudelei tut den Fans gut, hat de Burgh doch für einige der (meist älteren) Anwesenden so etwas wie den Soundtrack des Lebens geschrieben. Auch die Liebeserklärung an seine Tochter Rosanna, die er zu deren Geburt 1984 komponierte, lässt jeden noch so hart gesottenen Pragmatiker ins Träumen kommen.

Bisweilen überschreitet de Burgh großzügig die Grenze zum Kitsch. Doch das nimmt ihm, zumindest an diesem Abend im CCU, keiner übel. Wer sollte schließlich sonst so hemmungslos „Where Peaceful Waters Flow“ schmachten dürfen oder die Sehnsucht schlicht mit „Missing You“ beschreiben? Selbstredend durften diese Hits auch beim Auftritt in Ulm nicht fehlen. Die großen Verkaufsschlager bekommen die Fans jedoch erst im zweiten Teil der rund dreistündigen Show geliefert.

Er posiert für Selfies

Rund 40 Millionen Tonträger hat der Musiker bisher verkauft. Etwa 200 Mal wurden seine Alben mit Gold oder Platin veredelt. Doch zeigt sich der Sänger auch nach allen Erfolgen bodenständig und nahbar, als er während des Konzertes von der Bühne steigt, um seinen Fans die Hände zu schütteln oder für Selfies zu posieren.

Mit den Hits der zweiten Konzerthälfte, wie „High On Emotion“, „Say Goodbye To It All“ oder „Fire On The Water“ wird dann auch das Bühnenlicht greller und der Sound lauter. Dabei greift der Sänger tief in sein musikalisches Archiv: Stammen die meisten Titel doch vom Erfolgsalbum „Into The Light“, das vor mehr als 30 Jahren erschienen ist.

Doch auch im Laufe der folgenden Jahrzehnte hat sich Chris de Burgh kaum von musikalischen Moden beeinflussen lassen. Stattdessen bleibt sein Werk schwer in eine Schublade zu stecken: nicht Rock, nicht Pop, nicht Folk, und doch vereint er in seiner Musik von allem etwas.

Auch lässt sich de Burghs Bandbreite nicht auf die leichte Muse reduzieren. So machte sich der Künstler bereits in den 1980er Jahren mit dem Song „The Leader“, in dem er über mächtigen Männer mit der Hand am Nuklearknopf singt, politische Gedanken. Ein Lied, das auch heute wieder aktuell sei, sagt der Musiker im CCU. Als emotionalen Höhepunkt setzt der Sänger „Borderline“ in Szene. Die Ballade, mit Streicher- und Bläserimitation aus dem Keyboard, quittieren die Fans mit tosendem Applaus.

Nach seiner Solo-Tour im vergangen Jahr hatte der Sänger bewährtes Personal für die Konzertreise verpflichtet. Neben Keyboarder Nigel Hopkins, Dave Levy am Bass und Schlagzeuger Phil Groyssboeck steht der Ex-Robbie-Williams-Gitarrist Neil Taylor mit auf der Bühne.

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