Kita-Offensive in Neu-Ulm: Firmen sollen ihren Beitrag leisten

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 Die Stadt Neu-Ulm kommt kaum hinterher mit dem Bau neuer Kitas. Bislang haben nur wenige Unternehmen Interesse an eigenen Einri
Die Stadt Neu-Ulm kommt kaum hinterher mit dem Bau neuer Kitas. Bislang haben nur wenige Unternehmen Interesse an eigenen Einrichtungen. (Foto: dpa / Jan-Philipp Strobel)
Michael Ruddigkeit

Die Stadt Neu-Ulm kommt kaum hinterher mit dem Bau neuer Kitas. Der Bedarf an Betreuungsplätzen wächst kontinuierlich.

Deshalb stellte die SPD-Fraktion den Antrag, die Stadt möge Verhandlungen mit der Firma Continental und der Donauklinik aufnehmen, mit dem Ziel, Betriebskindergärten für beide Arbeitgeber anzubieten. Im Ausschuss für Bildung, Familie und Kultur berichtete der zuständige Fachbereichsleiter Ralph Seiffert nun über den aktuellen Stand.

Er verdeutlichte, dass reine Betriebskindergärten die Ausnahme seien. Darunter versteht man Betreuungseinrichtungen, die von den Unternehmen selbst betrieben werden, und in erster Linie für die Kinder der eigenen Mitarbeiter zur Verfügung stehen.

In der Region gibt es laut Seiffert nur eine Handvoll solcher Betriebs-Kitas, beispielsweise bei Ratiopharm, am Bundeswehrkrankenhaus oder an der Hochschule Neu-Ulm. Manche Unternehmen sichern sich lieber ein bestimmtes Kontingent an Plätzen in städtischen Kitas und zahlen dafür einen Betriebskostenbeitrag, etwa die Firma Evobus.

Ähnliches plant der Automobilzulieferer Conti, der von Ulm nach Neu-Ulm zieht und im geplanten Gewerbe-Campus seinen Geschäftsbereich Fahrerassistenzsysteme mit bis zu 700 Beschäftigen konzentriert.

„Für Unternehmen ist es sicherlich der komfortablere Weg, Belegrechte einzukaufen, anstatt einen eigenen Kindergarten zu betreiben“, sagte Seiffert. Doch selbst wenn das Interesse der Wirtschaft größer wäre, würde dies seiner Ansicht nach das Kita-Problem der Stadt nicht lösen: „Das ist ein Standortfaktor für die Unternehmen, aber es bringt uns in unserer Versorgung wenig bis nichts.“ Denn reine Betriebs-Kitas sind nun mal für die Kinder der Beschäftigten da – auch wenn diese von außerhalb kommen, etwa aus dem Alb-Donau-Kreis. Der Bedarf für die Neu-Ulmer Eltern werde dadurch nicht kleiner.

Mehrere Stadträte vertraten dennoch die Auffassung, dass die Unternehmen ihren Beitrag leisten sollen. „Es ist schon wichtig, die Firmen mit ins Boot zu holen“, sagte Katrin Albsteiger (CSU). „Jeder muss seinen Teil tragen, damit das ganze System funktioniert“, forderte auch Christa Wanke (FDP). Deshalb solle die Stadt weitere Gespräche über die Einrichtung von Betriebs-Kitas führen.

Christina Richtmann (FWG) sieht die Wirtschaft ebenfalls in der Pflicht: „Wir rollen da wirklich den roten Teppich aus“, meinte sie mit Blick auf den künftigen Gewerbe-Campus im Süden der Stadt, der eine Art Vorzeige-Quartier werden soll. Mechthild Destruelle (Grüne) regte an, vor allem mit Firmen zu sprechen, die Schichtdienste haben.

Die Verwaltung sei seit Monaten mit der Firma Conti im Gespräch, erläuterte Ralph Seiffert. Dabei geht es bislang aber um Belegplätze, nicht um einen eigenen Kindergarten. Die Frage einer möglichen Betriebs-Kita für die Donauklinik sei an die Stiftungskliniken abgegeben worden, da diese dafür zuständig seien. Oberbürgermeister Gerold Noerenberg dämpfte die Erwartungen der Räte an Unternehmen: „Es gibt doch keine rechtliche Handhabe, die Firmen zu zwingen, einen Betriebskindergarten zu bauen.“

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