Kaya Yanar rastet aus – und nimmt doch alles locker

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 Kaya Yanars Programm heißt zwar „Ausrasten für Anfänger“. Doch der Humor des Comedians hilft eher beim Entspannen.
Kaya Yanars Programm heißt zwar „Ausrasten für Anfänger“. Doch der Humor des Comedians hilft eher beim Entspannen. (Foto: Andreas Brücken)
Andreas Brücken

Als muskulöser Superheld, der an den grünen Hulk erinnert – so ist Comedian Kaya Yanar auf dem übergroßes Bild zu sehen, das über der Bühne des Ulmer Kongresszentrums CCU hängt. Die Kaya-Yanar-Comicfigur durchbricht mit Fäusten und wütendem Blick eine Mauer – ganz im Sinne der aktuellen Tournee „Ausrasten für Anfänger“, mit der gebürtige Frankfurter derzeit unterwegs ist.

Rund 1400 Fans empfangen ihren türkischstämmigen Helden im CCU. Gewaltig wie der Empfang sind auch die Herausforderungen des Alltages, über die sich Yanar, wie er sagt, mit zunehmendem Alter immer mehr aufregt. Dazu gehört das ungeklärte Rätsel, warum Frauen so lange im Bad brauchen oder die Frage, weshalb ein Fernseher so kompliziert zu bedienen ist. Selbst die penible Altpapierentsorgung, wie sie in der Schweiz gefordert ist, findet in Yanars Programm Platz: „Da werden die Zeitungen gebügelt zu einem Stapeli gebündelt“, berichtet der in Deutschland aufgewachsene Comedian aus dem Land, in dem er lebt. Der große Durchbruch Yanars liegt schon fast 20 Jahren zurück: die Spaßsendung „Was guckst du?“. Unter zahlreichen Auszeichnung durfte der gebürtige Frankfurter den Deutschen Comedypreis gleich drei Mal in Empfang nehmen. Seit 2012 ist Yanar Pate für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Ganz entspannt nimmt der „Ausraster“-Komiker im CCU die zahlreichen Handys wahr, mit den er von seinen Fans während der Show abgelichtet wird: „Foto ist okay, Filmen nicht!“ Schließlich habe er das Showprogramm an die Privatsender RTL, Sat 1 und Pro 7 verkauft. „Jetzt fehlen nur noch ARD und ZDF, dann bin ich auf allen Kanälen gleichzeitig zu sehen“, albert Yanar und fügt hinzu: „Das ist wie Erdogan im türkischen Fernsehen.“

Das Fernsehprogramm sorgt jedoch auch im Hause Yanar für gelegentliche Ausraster, wie der Komiker beschreibt: „Ich mochte die alten Actionfilme, bei denen Indianer und Cowboys ohne Blutvergießen heldenhaft zu Boden gegangen sind, nachdem auf sie geschossen wurde.“ Dagegen erlebe man heute den Schuss aus der Perspektive der Patrone, die den Gewehrlauf verlässt und dann durch ein Gehirn schießt. „Da glaubst du, du schaust einen medizinischen Lehrfilm an.“

Zur Pause fordert der Comedian seine Besucher dazu auf, ihm via Facebook mitzuteilen, welche Umstände in Ulm und Umgebung für Ausraster sorgen. Wenig überraschend lassen sich die meisten Besucher über unfähige Verkehrsteilnehmer und Vordrängler an der Kasse aus. Etwas Trost gibt es derweil vom Komiker für alle, die sich auf der Autobahn über zu langsam fahrenden Mitmenschen aufregen: „In der Schweiz darf man nur 120 Stundenkilometer schnell fahren – das hat man in Deutschland schon beim rückwärts Einparken drauf.“

Rund zwei Stunden dauert der Kurs für „Ausraster“. Doch statt auszurasten, erlebten die Besucher einen amüsanten Abend über die Tücken des Alltags. So dürfte die eigentliche Botschaft der Show sein, dass sich die meisten Probleme als lächerlich erweisen, wenn man sie mit dem Humor Kaya Yanars betrachtet.

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