Kaum Waffen, Drogen oder Schmuggelgut – aber ein Linienbus geht dem Zoll ins Netz

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 Die Fahrgäste mussten in einen Ersatzbus umsteigen.
Die Fahrgäste mussten in einen Ersatzbus umsteigen. (Foto: Thomas Heckmann)
Schwäbische Zeitung

Ein gemeinsame Kontrollaktion mit baden-württembergischer und bayerischer Polizei sowie dem Zoll fand am Dienstagabend an der Bundesstraße 10 bei Dornstadt statt. Dabei hatte die Polizei wenig Fahndungserfolg – der Zoll dafür umso mehr.

Rund 50 Beamte von verschiedenen Dienststellen hatten sich am Nachmittag an der ehemaligen Tankstelle an der B10 versammelt. Das Polizeipräsidium Einsatz aus Göppingen brachte mit Lastwagen Zelte, die als Vernehmungsraum und Kontrollraum für Urinkontrollen dienten. Ein Lastwagen mit Lichtmast beleuchtete den Kontrollplatz hell wie einen Fußballplatz. Zahlreiche Kleinbusse von Polizei und Zoll mit Büroausstattung dienten dazu, die Daten von Ausweisen und Führerschein zu überprüfen, um Fälschungen zu erkennen oder offene Haftbefehle zu erkennen.

Die bayerische Polizei hatte drei zivile Fahrzeuge mitgebracht, die auf die Autobahn ausschwärmten und aus dem fließenden Verkehr von Elchingen kommend Fahrzeuge herauszuholen und zum Kontrollplatz zu bringen. Die württembergische Polizei hatte ebenso drei Fahrzeuge im Einsatz, die unauffällig auf der Autobahn zwischen Tomerdingen und Dornstadt pendelten und von dort Richtung Bayern fahrende Fahrzeuge nach Dornstadt umleiteten. Zwei Wagen des Hauptzollamts Ulm waren zusätzlich im Dornstadter Umkreis unterwegs.

Am Kontrollplatz warteten dann die Kollegen und überprüften die Papiere aller Fahrzeuginsassen und der Fahrzeuge. Zöllner durchsuchten verdächtige Fahrzeuge auf Schmuggelgut, Polizisten suchten gleichzeitig nach Drogen oder Waffen. Auch die Ladungssicherung in den Transportern wurde überprüft.

Einige Autofahrer wurden wegen Anzeichen auf Drogenkonsum in ein separates Zelt geführt, in dem sie unter Aufsicht ihren Urin auf Teststreifen geben mussten. Zweimal zeigten die Teststreifen vorangegangenen Drogenkonsum an, das Auto musste stehenbleiben und es ging zur Blutentnahme zum Arzt. Auch ein verbotenes Messer fanden die Polizisten. Das im Herbst zusätzlich wichtige Kontrollthema Einbrecher war äußerst positiv, denn es konnten bei allen Kontrollen keinerlei Diebesgut oder Einbruchswerkzeug gefunden werden.

Ebenfalls erfolgreich war der Zoll. Neben den üblichen Funden von zu vielen Zigaretten, die über die Grenze in die EU gebracht wurden und nun nachversteuert werden mussten, fiel ein Reisebus auf. Nachdem ein Polizeihund das Gepäck erfolglos nach Drogen durchschnüffelt hatte, widmeten sich die Zöllner noch dem Reisebus an sich. Der ausländische Busbesitzer hatte Steuerschulden im fünfstelligen Eurobereich, deswegen untersagten die Zöllner vor Ort die Weiterfahrt des Busses.

Eine Sicherstellung des Busses war unmöglich, da es ein Leasingfahrzeug ist. Die Fahrgäste im Bus mussten aussteigen, ihre Linienfahrt ging vorerst nicht mehr weiter, die der Busunternehmen als Subunternehmer eines großen Betreibers durchführte. Andere Busse wurden dann nach Dornstadt umdirigiert, um die gestrandeten Fahrgäste nach Stuttgart oder Karlsruhe weiter zu transportieren. Ein Steuerberater zahlte noch in der Nacht einen fünfstelligen Betrag beim Zoll ein, damit der nun leere Bus vom Zoll wieder freigegeben wurde. Weitere Ermittlungen folgen hier noch wie auch bei einigen anderen kleineren Ungereimtheiten bei den Kontrollierten.

Zoll und Polizei setzen ihre Kontrollen weiter fort, teilweise separat und auch wieder in solchen gemeinsamen großen Kontrollaktionen.

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