In Ulm: Bauhaus-Stil in Israel

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 Israel am Kuhberg: Martin Mäntele, Leiter des HfG-Archivs, in der aktuellen Ausstellung über den Bauhaus-Stil in Tel Aviv.
Israel am Kuhberg: Martin Mäntele, Leiter des HfG-Archivs, in der aktuellen Ausstellung über den Bauhaus-Stil in Tel Aviv. (Foto: Andreas Brücken)
mgo

Das Bauhaus hat in der Lehre der Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) tiefe Spuren hinterlassen. Noch deutlicher ist sein Erbe aber im Stadtbild der 1909 gegründeten israelischen Metropole Tel Aviv abzulesen: Dort entstanden in den 1930er-Jahren mehr als 4000 Gebäude im Internationalen Stil, entworfen vor allem von aus Deutschland ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina emigrierten jüdischen Architekten. 25 dieser Bauten präsentiert derzeit eine Ausstellung in der „Säge“, dem Treppenaufgang im oberen Bereich des HfG-Gebäudes am Hochsträß.

Die Schau „Erhalt und Erneuerung: Bauhaus und Internationaler Stil in Tel Aviv“ wurde vom Bauhaus Center Tel Aviv konzipiert und ist durch eine Kooperation mit dem Generalkonsulat des Staates Israel derzeit unterwegs durch verschiedene Städte. Die Mobilität merkt man der Präsentation an, abgesehen von den Schautafeln – für jedes Haus eine – gibt es in der HfG nichts zu sehen, dreidimensionale Modelle oder zusätzliche mediale Aufbereitung hätten den Stoff durchaus gutgetan.

Aber auch so ist die Ausstellung durchaus einen Besuch wert, weil die Architektur in der „Weißen Stadt“, die ihren Namen von der bevorzugten Fassadenfarbe hat, in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist. So nehmen die Gebäude nicht nur die Formensprache europäischer Vorreiter wie Bauhaus-Chef Walter Gropius oder dem Franzosen Le Corbusier auf, sondern verarbeiten durchaus auch nahöstliche Einflüsse. Zum anderen dokumentieren die Tafeln auch die Entwicklung der einzelne Häuser: Praktisch alle wurden in den vergangenen Jahrzehnten saniert und dabei aufgestockt. Ein Zugeständnis an den Wohnraumbedarf in der jungen Stadt Tel Aviv, das aber dennoch etwas verwundert: Schließlich gehört die „Weiße Stadt“ seit 2003 zum Unesco-Weltkulturerbe. Ein Prädikat, das anderswo praktisch keine Eingriffe in die Substanz mehr zulässt.

Vor dem Verfall gerettet

Das wirft natürlich Fragen danach auf, inwiefern die Bauten der Moderne noch für ihre Entstehungszeit sprechen können. Zumindest aber wurden durch diese Maßnahmen die Gebäude vor dem Verfall gerettet: Davor verfielen etliche der Bauten, vom progressiven Charme der „Weißen Stadt“ war in Tel Aviv lange nichts zu spüren. So zeigt die Ausstellung vor allem eines: dass es sich städtebaulich lohnt, der Architektur der klassischen Moderne etwas Liebe angedeihen zu lassen. „Erhalt und Erneuerung: Bauhaus und Internationaler Stil in Tel Aviv“ ist noch bis 24. November im HfG-Gebäude zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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