IHK will junge Flüchtlinge in Ausbildung bringen

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Eine gemischte Klasse, bestehend aus aus Zuwanderern, Flüchtlingen und ehemaligen Flüchtlingen. Ihr Ziel ist das Erreichen des
Eine gemischte Klasse, bestehend aus aus Zuwanderern, Flüchtlingen und ehemaligen Flüchtlingen. Ihr Ziel ist das Erreichen des (Foto: dpa)
Chefreporter Ulm und Alb-Donau

Mit einem Aktionsprogramm will die Industrie- und Handelskammer Ulm (IHK) jungen Flüchtlingen den Weg auf den Arbeitsmarkt ermöglichen. Das Ziel: Vermittlung und Begleitung von 75 jungen Menschen pro Jahr. Seit einigen Wochen arbeitet eine Koordinierungsstelle, die Flüchtlingen mit Bleibeperspektive Ausbildungs- und Arbeitsplätze vermitteln soll.

„Unser Kerngeschäft ist doch die Ausbildung“, begründet IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle, „daher wollen wir auch die Integration der Flüchtlinge systematisch angehen und haben so genannte Kümmerer eingestellt.“ Diese Kümmerer sind mehr als Jobvermittler: Sie sollen sich im IHK-Bezirk Ulm für junge Flüchtlinge stark machen. Das Land Baden-Württemberg finanziert das Programm mit mehr als 260000 Euro. Zielgruppe sind demnach junge Flüchtlinge mit geringem Förderbedarf. Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD) hatte erklärt: „Flüchtlinge sind künftige Fachkräfte.“

Die neuen Jobvermittler haben die Aufgabe, für eine Ausbildung geeignete junge Flüchtlinge zu finden, sie zu betreuen und in einen Praktikums- bzw. Ausbildungsplatz zu vermitteln. Gleichzeitig sollen sie die Firmen unterstützen, die Flüchtlinge ausbilden.

Im ersten Schritt geht es darum, die Flüchtlinge zu erfassen, die überhaupt für eine Ausbildung in Frage kommen. Daher gehen die neuen Mitarbeiter in die VABO-Schulklassen (VABO = Vorbereitung Arbeit und Beruf für Schüler ohne Deutschkenntnisse), in denen junge Flüchtlinge unterrichtet werden und vor allem Deutsch lernen. Dort führen sie erste Interviews. 13 solcher Klassen gibt es in Ulm und den Landkreisen Alb-Donau sowie Biberach. Dort lernen derzeit 230 Schüler in Ulm, 105 im Landkreis Biberach sowie 45 im Alb-Donau-Kreis. Nach dem ersten Vorbereitungsjahr seien aber nur 30 bis 50 Prozent junger Flüchtlinge ausbildungsfähig, heißt es bei der IHK: Vor allem Sprachkenntnisse fehlen. Nicht nur die Sprache, sondern die Schrift müssen die Flüchtlinge beim Umstieg vom Arabischen ganz neu lernen.

Bei der IHK ist Armin Speidel (27) für das Aktionsprogramm verantwortlich: „Dort, wo die Flüchtinge heute leben, wollen wir zu Lösungen kommen.“ Speidel hat im Laupheimer Netzwerk, das unter anderem Nachhilfeunterricht für Flüchtlinge durch Gymnasiasten organisiert hat, Erfahrungen gesammelt. Er strebt an, Netzwerke aufzubauen und Strukturen einzuziehen: „Beispielsweise mit den örtlichen Handels- und Gewerbevereinen.“ Aber auch die Helferkreise, in denen sich ehrenamtlich Engagierte um die Flüchtlinge kümmern, will Speidel ansprechen: „Wir werden von Ort zu Ort gehen, denn heute wissen wir definitiv zu wenig über die jeweilige Situation.“

Syrer, aber auch Iraker und Iraner haben eine hohe Bleibeperspektive, wissen die IHK-Experten. Doch es gelte, sie zu überzeugen, dass eine gute Ausbildung sich langfristig auszahlen. Schnelles Geld für die Familien stehe häufig im Vordergrund.

Konkret wird es für die „Kümmerer“ und Speidel schon bald: „Wir wollen nächste Woche mit jungen Flüchtlingen, die derzeit in die VABO-Klassen gehen, die Ulmer Bildungsmesse besuchen.“ Ausbildungsbotschafter, das sind Auszubildende, die bereits in der Ausbildung sind, werden die jungen Flüchtlinge über die Messe begleiten. Speidel beschreibt: „Ziel ist es, den geflüchteten Menschen die Vielfalt der Ausbildungsberufe in unserer Region näher zu bringen.“ Seine Hoffnung: „Vielleicht gelingt es auch, den Kontakt zu potenziellen Ausbildungsunternehmen herzustellen.“

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