IHK-Präsident: Krise spaltet regionale Wirtschaft

Stefan Roell, Präsident der IHK Ulm.
Stefan Roell, Präsident der IHK Ulm. (Foto: Armin Buhl)
Schwäbische Zeitung

Die IHK Ulm ist unzufrieden mit der Politik. „Die Wirtschaft braucht eine Perspektive“, forderte am Dienstag Jan Stefan Roell, der Präsident der IHK Ulm, bei der Vorstellung des IHK-Konjunkturberichts zum Jahresbeginn. Roell hofft auf eine Öffnungsstrategie und Hilfen, „die wirklich helfen“. Hier sei die Politik noch eine passende Antwort schuldig.

Laut Konjunkturbericht ist die Stimmung der Unternehmen der Region „gedämpft und gespalten“. Einen Lichtblick liefert die Industrie. Der dortige Aufwärtstrend halte an, Geschäftslage und Umsätze machten weiter an Boden gut. Grund: Impulse aus dem europäischen, dem nordamerikanischen und dem asiatischen Raum. Von dort kommen vermehrt Aufträge. Bis zu den „herausragenden Werten“ aus der Vorkrisenzeit sei es aber noch ein weiter Weg.

Roell: Die Krise spalte die regionale Wirtschaft. Auf der einen Seite gebe es zehn Prozent Corona-Gewinner, 20 Prozent seien nicht von den Auswirkungen betroffen. Der große Rest habe mit teils erheblichen Umsatzrückgängen zu kämpfen.

Nach wie vor gebeutelt: der Einzelhandel. Der Lockdown setze vielen Händlern schwer zu. Vor allem der stationäre Einzelhandel (Mode, Sport, Schuhe) komme an seine finanziellen Grenzen. Die Umsatzrückgänge seien markant, wichtige Einnahmequellen wie das Weihnachtsgeschäft blieben aus. Auf der anderen Seite: der Lebensmittelhandel. Der stehe so gut da wie lange nicht. Insgesamt sei die Stimmung in der Branche aber „stark eingetrübt“. Deutlich besser gehe es dem Großhandel. Bis zum Vorkrisenniveau sei es jedoch auch im Großhandel noch ein weiter Weg.

Gemischt das Bild bei den Dienstleistern. Das Verkehrsgewerbe stehe „sehr ordentlich“ da, im Kreditgewerbe habe sich die Lage „zumindest nicht verschlechtert“. Dem stünden viele Serviceunternehmen gegenüber, die ihren Geschäften nicht oder nur eingeschränkt nachgehen können (Hotel- und Gaststättengewerbe, Messe- und Veranstaltungswesen, personenbezogene Dienste). Auf die kommenden Monate blicken die Dienstleister mit Skepsis.

Die Beschäftigungspläne seien weiterhin von Zurückhaltung geprägt. Das Gros der Betriebe plant, an dem derzeitigen Beschäfti-gungsstand festzuhalten und Entlassungen zu vermeiden. Hierfür nähmen viele Unternehmen Kurzarbeit in Anspruch.

Der IHK-Konjunkturklimaindex, ein gemeinsames Maß für die Lageurteile und Erwartungen, erreicht zum Jahresauftakt 104 Zähler und liege damit weiter deutlich unter dem Vorkrisenniveau. „Der zweite Lockdown ist in Dauer und Auswirkungen deutlich härter als der erste. Die Kluft zwischen den Betrieben, die geöffnet haben dürfen und denen, die geschlossen sind, wird immer größer“, so Jan Stefan Roell.

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