Mega Hype und Wirbel um Netflix-Serie „1899“ und mittendrin ein Schauspieler aus der Region

 Isaak Dentler bei einer Vorführung von „1899“.
Isaak Dentler bei einer Vorführung von „1899“. (Foto: pr)
Regionalreporter Ulm/Alb-Donau
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Isaak Dentler (42) meldet sich mit dem Handy vom Flughafen. Sein Flug hat Verspätung, was dem Ulmer aber Zeit gibt, über die derzeit angesagteste Serie auf Netflix zu plaudern – und seinen nicht geringen Anteil daran. Dentler ist viel unterwegs, nicht zuletzt wegen des großen Erfolgs der neuen Mystery-Serie „1899“. Zwar war er schon zuvor ein markant-bekanntes Gesicht im Fernsehen, zum Beispiel als Polizist „Jonas“ im „Tatort“ aus Frankfurt.

Doch das, was Isaak Dentler aktuell erlebt rund um „1899“, ist auch für ihn ungewohnt. Es riecht nach einem neuen Hype, aber worum geht es?

Um die Besatzung und die Passagiere eines Dampfschiffes, denen im ausgehenden 19. Jahrhundert auf dem Weg nach Amerika auf hoher See merkwürdige Dinge widerfahren. Vieles liegt im Dunkeln, der Nebel lichtet sich erst nach und nach. Und das auch nur für findige Zuschauer. Und selbst die dürften Probleme haben, alle aufgeworfenen Fragen nach dem Streaming-Vergnügen vollends beantworten zu können.

Schon in „Dark“ einen Gastauftritt

Die achtteilige Thriller-Serie ist erst seit wenigen Tagen abrufbar, doch schon jetzt ist klar: „1899“ hat eingeschlagen und das weltweit. In mehr als 50 Ländern steht die Serie auf Platz eins. Sie stammt aus der Feder von Jantje Friese und Baran bo Odar, die bereits mit „Dark“ einen Netflix-Hit landeten, worin auch Dentler einen kurzen Gastauftritt hat.

 Wo und wie sind wir nur da hinein geraten? Emily Beecham (Maura Franklin), Isaak Dentler, Andreas Pietschmann (als Kapitän Eyk
Wo und wie sind wir nur da hinein geraten? Emily Beecham (Maura Franklin), Isaak Dentler, Andreas Pietschmann (als Kapitän Eyk Larsen) und Niklas Maienschein in einer Szene der Mystery-Serie „1899“. (Foto: Netflix/dpa)

Nun wollen Millionen Zuschauer sehen, wie sich Dentler und seine Mitstreiter durch die nicht gerade nervenschonenden Vorgänge an Bord der „Kerberos“ schlagen. Mit knapp 50 Millionen Euro soll es die teuerste deutsche Serie aller Zeiten sein.

Was ihn am meisten beeindruckt, sagt Dentler „schwäbische.de“, sei die enorme Reichweite, die „1899“ erziele. Der halbe Globus, so scheint es, kann sich derzeit nicht sattsehen an den immer neuen Rätseln und Mysterien, die in „1899“ aufgeworfen werden. Dentler sagt, er bleibe trotzdem auf dem Boden. Abstand sei das Zauberwort. Würde er sich alle Kritik und Lobeshymnen ständig zu Herzen nehmen, „wäre ich irgendwann in der Klapse“.

Seine Figur wandelt sich extrem

In „1899“ agiert Dentler in einer Reihe mit den Hauptdarstellern: Er spielt „Franz“, ein bulliges und und eher in sich gekehrtes Crew-Mitglied – und ein die Serie tragender Protagonist, zu dem der Spruch gut passt: Stille Wasser sind tief. Was ihn an der Rolle gereizt hat? Zu untersuchen, welche erstaunliche Entwicklung der Charakter nimmt, „ohne schauspielerisch zu überdrehen“, sagt Dentler. Ein Drahtseilakt, den er ziemlich gut meistert. Die Figur des „Franz“ ist tatsächlich eine, die sich am meisten wandelt im Verlauf von „1899“.

 Isaak Dentler (l.) mit Fflyn Edwards, Rosalie Craig und Jose Pimentao bei der Premiere von „1899“ im Funkhaus Berlin.
Isaak Dentler (l.) mit Fflyn Edwards, Rosalie Craig und Jose Pimentao bei der Premiere von „1899“ im Funkhaus Berlin. (Foto: Annette Riedl)

Das Schauspiel wurde Dentler, wie man so schön sagt, in die Wiege gelegt. Sein Opa gründete das Ulmer „Theater in der Westentasche“. Dentlers Vater leitet heute ein Theater in Kiel. Trotzdem entschied sich Isaak Dentler zunächst für eine grundsolide schwäbische Ausbildung: Bankkaufmann bei der Ulmer Volksbank. Um direkt danach aufzubrechen in die große weite Schauspielwelt.

Heute lebt Dentler, der sich auch als Regisseur, Theaterschauspieler und Synchronsprecher betätigt, in Hessen. Der Dreh zu „1899“ war jedoch auch für ihn als Profi etwas völlig Neues. Nicht nur wegen der internationalen Besetzung, wobei alle Darsteller in „1899“ in ihrer Muttersprache kommunizieren. Sondern vor allem aufgrund einer neuartigen Technik, die bislang, weil horrend teuer, erst bei der Disney-Produktion „The Mandalorian“ zum Einsatz kam.

 Schauspieler Isaak Dentler.
Schauspieler Isaak Dentler. (Foto: Ben Knabe)

Statt vor einer grünen Wand als Platzhalter für nachträglich eingebaute Effekte („Greenscreen“) bewegten sich die „1899“-Schauspieler inmitten einer volldigitalen 360-Grad-LED-Wand, die die Umgebung bereits beim Dreh sichtbar machte.

Es gibt Plagiatsvorwürfe

Für Schlagzeilen sorgt aktuell aber noch etwas anders: Plagiatsvorwürfe. Eine südamerikanische Comiczeichnerin wirft den „1899“-Machern vor, sich bei einem ihrer Werke bedient zu haben. Wie in diesem spielt auch in „1899“ zum Beispiel das Dreiecks-Symbol einer Pyramide eine große Rolle. Dentler sagt, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern werde, aber er glaube voll an die Integrität und Glaubwürdigkeit von Jantje Friese und Baran Bo Odar. Auch die meisten seriösen Kommentatoren bewerten den Klau-Vorwurf – einigen optischen Parallelen zum Trotz – als abwegig.

An alle „1899“-Fans, die die Serie schon geschaut haben und nun auf dem Trockendock sitzen: Es gibt gute Nachrichten, eine zweite Staffel soll folgen. Und wer die Serie noch gar nicht geschaut hat, dem sei sie wärmstens ans Herz gelegt, allein schon wegen Isaak Dentler. Das erste Mal am Stück hat er den Stoff erst vor wenigen Tagen geguckt, gemeinsam mit seiner Familie. Flankiert von Pizza haben sie „1899“ in einem Rutsch „durchgebinged“. So wie die vielen unzähligen anderen Fans des Mystery-Spektakels.

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