Hunderte Künstler bereichern Ulmer Stadtleben

Lesedauer: 5 Min
„Schienengesänge“: Corina Wagner sang am Ulmer Donauufer unter der Eisenbahnbrücke, Jörg Neugebauer (sitzend) las Gedichte.
„Schienengesänge“: Corina Wagner sang am Ulmer Donauufer unter der Eisenbahnbrücke, Jörg Neugebauer (sitzend) las Gedichte. (Foto: sz- Petra Vögele)
Schwäbische Zeitung
Petra Vögele

Veranstaltungsreicher Samstag in Ulm: Zum einen konnten Personen am Aktionstag „Ohne Auto mobil“ kostenlose Fahrten im ganzen DING-Gebiet nutzen, zum anderen hat in Ulm und Neu-Ulm die jährliche Kulturnacht stattgefunden. Rund 500 Künstler haben an mehr als 85 Orten ihre Vorstellung gezeigt: Musik, Bildende Kunst/Installation, Film/Medien, Darstellende Kunst oder Literatur waren geboten.

Dabei hat es in Ulm mindestens zwei musikalische Premieren gegeben. „Schöfisch & Rueß" spielten erstmals neue Songs, sowie Titel ihrer vorigen Band Pelz. Die beiden erfahrenen Ulmer Musiker Simon Schöfisch (Gitarre, Gesang) und Daniel Rueß (Schlagzeug) zeigten ihr Können in Form von Deutschsprachiger Rockmusik von 19 Uhr an im Café Stella in der Dreikönigsgasse. Für rund 40 Gäste im vorderen und hinteren Bereich, sowie draußen vor dem großen Fenster war es eine tolle Atmosphäre. „Eigentlich wollten wir draußen spielen, aber das Wetter. Drinnen ist es halt ein bisschen enger“, sagten die beiden vor den ersten 45 Minuten ihrer „Welt-Premiere“.

Die Songs klingen mal nach Grunge mit deutschen Texten, mal nach Rock’n’Roll wie bei der einzigen (englischen) Coverversion von Bo Diddley „You can’t judge a book by the cover“. Sie nennen es auch Sixties-Garagenrock oder schmutzige Popsongs. Die Besucher riefen nach dem ersten Set „Zugabe“ und mit ihrer Version des Pelz-Songs „Feierabendbier“ verabschiedeten sie sich in die Pause, bevor es um 20 Uhr zur zweiten Runde weiter ging.

Wer es etwas ruhiger mochte, der konnte im nicht weit entfernten Café Gustaff den Herren von „Staub“ lauschen. Englische Cover und eigene Songs spielten Gerhard Kutter (Gesang, Gitarre) und Henrik von Holtum (Gesang, Kontrabass) von 20 Uhr an in vier Runden á 35 Minuten. Das Café war voll besetzt, auch am Tresen standen die Gäste.

Ins gedruckte Programmheft hatte es die „Sixturntablinische Kapelle“ aus Zeitgründen nicht geschafft. Dennoch war am Ulmer Marktplatz 12 bei ihrem Premierenabend einiges los. Überwiegend Besucher zwischen 25 und 40 Jahren bewegten sich zu HipHop und Rap. Sechs Ulmer DJs, sechs Plattenspieler, dazu mehrere Computer – „exklusiv für die Kulturnacht“, sagte Udo Trappe alias DJ Under Ground. „Ich wollte Hip-Hop-Kultur und DJ-Kunst dem Kunstinteressierten Publikum schmackhaft machen“, sagte er.

Im Service Center Neue Mitte spielten die Cover-Rockband „Jesus George“ und „Liffey Looms“ stündlich im Wechsel. Léon Rudolph und seine Bandkollegin Eena May überzeugten dabei mit vielen neuen Songs und Covern wie „Calm after the storm“ von The Common Linnets. Am 23.September feiern die beiden als „Liffey Looms“ die Erscheinung ihrer ersten CD im Alten Theater Ulm von 20 Uhr an.

Außergewöhnliches gab es am Ulmer Donauufer unter der Eisenbahnbrücke. Dort sang Corina Wagner Klassisches, aber auch spanische neuere Musik wie „Besame mucho“ und Jörg Neugebauer las Gedichte von Rilke oder Hölderlin – beides im minütigen Wechsel. Sehr abwechslungsreich und an einem Ort, an dem Jugendliche mehr störten als der hin und wieder vorüberfahrende Zug. Berieselnd war das Regenwasser und das Rauschen der Donau als Neugebauer eines der Gedichte vortrug. Für Sitzgelegenheiten hatten sie gesorgt.

Walter Spira spielt im Grünen Hof

Viele Besucher zog der Liedermacher Walter Spira in den Grünen Hof. Er begeisterte das Publikum bis zum letzten Wort – und bei „Gute Nacht Freunde“ (im Original von Reinhard Mey) sangen die Zuhörer mit und Spira überraschte mit Textänderungen – wegen des Nichtrauchergesetztes – er sang „yogurette“ statt Zigarette und für „ne Stange „Marlboro“ gibt‘s zwei CDs - das Publikum lachte und klatschte lange Beifall. Auf Neu-Ulmer Seite konnte die Band „SüdWind“ im Café Josi die Besucher mit ihren Coversongs überzeugen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen