Hans Lebrecht mit 98 Jahren gestorben

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Schwäbische Zeitung

Hans Lebrecht, Spross einer jüdischen Ulmer Familie und Überlebender der NS-Verfolgung, ist tot. Der Journalist und Friedenskämpfer starb im Alter von 98 Jahren in einem Kibbuz im israelischen Karmel-Gebirge. Er war der Sohn des Ulmer Lederwarenfabrikanten Wilhelm Lebrecht und dessen Frau Rosa.

Der gelernte Journalist entkam dem Holocaust durch seine Auswanderung 1938 nach Palästina. Zeitlebens setzte sich der politisch links denkende Lebrecht für ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben von Juden und Palästinensern im Nahen Osten ein. Zu seiner Heimatstadt Ulm hielt er bis ins hohe Alter engen Kontakt. Zum letzten Mal war der damals 88-Jährige 2004 zu Besuch an der Donau. Vor allem die Arbeit des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg mit der KZ-Gedenkstätte verfolgte Lebrecht mit großem Interesse. Die Klinikschule der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Safranberg trägt seinen Namen.

Lebrecht war mit Tosca Loewy verheiratet, der Tochter des letzten jüdischen Ulmer Kantors vor der Vernichtung der Gemeinde durch die Nazis. Die 2001 verstorbene Ehefrau war die Schwester der in Deutschland politisch aktiven Sängerin Esther Bejarano, eine Überlebende des KZ Auschwitz. Lebrechts Lebenserinnerungen sind unter dem Titel „Gekrümmte Wege, doch ein Ziel“ vor einigen Jahren im Verlag Klemm&Oelschläger erschienen, herausgegeben vom Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg und von der Stadt Ulm finanziell unterstützt.

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