Handgemachtes in Hülle und Fülle beim Kreativmarkt

Lesedauer: 6 Min
 Am Stand von Claudia Scholz-Horvat finden Designfreunde selbstgestaltete Geschenkartikel.
Am Stand von Claudia Scholz-Horvat finden Designfreunde selbstgestaltete Geschenkartikel. (Foto: Annika Gonnermann)
Annika Gonnermann

Rosarote Flamingos, kunterbunte Monster, oder ganz schlichte Punkte: Am Stand von Frances Reinhardt stapeln sich die selbst gemachten Taschen im individuellen Design. Manche sind groß, andere klein, die nächsten haben eine eigene Halterung für das Handy, aber alle sind schmutz- und wasserfest und noch viel wichtiger: selbst gemacht mit eigenen Schnitten, eigenen Ideen und viel Liebe zum Detail. Das kommt an bei den Kunden: Die ältere Dame, die gerade die größte Tasche am Stand erworben hat, sagt erfreut: „Kuscheltiere, Sandelsachen, Spielzeug, da kann man alles reintun und es ist aufgeräumt.“

Es sind Rückmeldungen wie diese, die Frances Reinhardt dazu ermutigt haben, ihre selbst gemachten Taschen an diesem Wochenende auf dem „Handgemacht Kreativmarkt“ anzubieten. „Viele schätzen es, dass die Taschen Unikate sind und nicht 0815-Produkte von der Stange.“ Eigentlich ist Reinhardt mit ihrem Vollzeitjob als Grundschullehrerin ausgelastet. Auch deshalb verkauft sie die Produkte, die sie in Zusammenarbeit mit ihrer Frau herstellt, unter ihrem Label „herzgewuffel“ eigentlich nur online. Für den Kreativmarkt macht sie an diesem Wochenende eine Ausnahme: „Das ist erst der zweite Markt, auf dem wir überhaupt sind“, so die Lehrerin aus Neu-Ulm.

Etwas anders geht es am Stand nebenan zu. Claudia Scholz-Horvat bestreitet mit ihrem „Fraeulein Mueller Design“ seit drei Jahren ihren Lebensunterhalt und ist auf vielen Messen unterwegs. Zwar hat auch sie ein Online-Standbein, doch so zehn bis 15 Märkte und Messen dürfen es im Jahr schon sein, um ihre selbst gemachten Türschilder, Magneten, Haarklammern, Lesezeichen oder Schlüsselanhänger zu bewerben. Ihr Alleinstellungsmerkmal und Grundlage ihrer Arbeit sind kleine Tier-Aquarelle, so die Ehingerin, die sie zunächst per Hand vorzeichnet und dann digitalisiert. Vor allem ihre Schilder mit witzigen Sprüchen sprechen die Besucher an: „Zutritt nur für Elfen“ oder „Kaufen macht glücklich“ bringen die vorbeischlendernden Messebesucher zum Schmunzeln. Für Scholz-Horvat ist es Ehrensache, dass alles, was sie verkauft, aus eigener Produktion stammt. „Ich glaube schon, dass ich mich dadurch von anderen absetze.“ Die Inspiration für ihre Produkte kommt aus ihrem Alltag oder von den Kunden selbst.

Für den Veranstalter des Kreativmarktes sind es genau solche Händler, die es zu fördern gilt. Marktleiter Holger Diehnelt legt bei der Auswahl der Stände nämlich großen Wert auf Selbstgemachtes und Regionales. „Uns ist es wichtig, dass wir keine Massenartikel oder China-Importe haben, sondern den Klein- und Mittelstand hier vor Ort fördern.“ Von den rund 250 Ausstellern sind daher da auch circa 50 aus der Region, viele davon zum ersten Mal. Die anderen Händler reisen oft von Stadt zu Stadt und kommen nur einmal im Jahr in die Region. „So können wir den Wunsch nach Individualismus der Besucher befriedigen.“ Es sei wichtig, ein anderes Einkaufserlebnis zu bieten, als das, welches die Kunden ohnehin jederzeit in der örtlichen Fußgängerzone bekommen könnten. Mit einer Mischung aus Schmuck, Holzwaren, Deko-Artikeln, Kleidung für Kinder und Erwachsene, sowie Kulinarischem und Künstlerischem soll der Markt überzeugen: „Wir schauen schon, dass für jeden etwas dabei ist“, so Diehnelt.

Und das Konzept scheint aufzugehen: Mehrere Tausend Besucher bummeln durch die Messehallen in der Ulmer Friedrichsau. Neben Studierenden und vielen jungen Familien tummeln sich auch viele Rentner und auch einzelne Männer zwischen den Ständen – viele davon mit Tüten oder Paketen unterm Arm. Gerade die Regionalität und die individuellen Produkte überzeugen die Besucher. Viele sind auch aus Gründen der Nachhaltigkeit hier und wollen damit ein Zeichen gegen den Massenkonsum setzen: Gerade Upcycling-Stände, also Händler, die mit recycelten oder wiederverwerteten Materialien arbeiten, ziehen Besucher an. Außerdem wird die eigene Kreativität angeregt: „Hier bekommt man einfach auch Ideen, um Geschenke mal selbst zu machen“, so eine Besucherin.

Nachdem der Kreativmarkt bereits in Städten wie Augsburg zur festen Größe geworden ist, scheint er auch in Ulm Fuß zu fassen. Holger Diehnelt ist zufrieden: „Es wird sehr gut angenommen.“ Eine Wiederholung im nächsten Jahr ist deshalb bereits fest eingeplant.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen