Hakenkreuze und rechte Parolen im Ulmer Münster entdeckt

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Ulmer Münster
Der Innenraum des Ulmer Münsters (Baden-Württemberg). (Foto: Bernd Weißbrod/Archiv / DPA)
Sebastian Mayr

Hakenkreuze prangen auf drei Kirchenbänken im nördlichen Seitenschiff des Ulmer Münsters. Am Reformationsportal im Windfang befinden sich weitere Schmierereien. Dort wird die AfD als „Chance“ bezeichnet, daneben steht „Merkel, Söder usw. muß weg!“. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl hat am Samstag von den rechten Symbolen und Parolen erfahren, als er aus dem Urlaub zurückkehrte.

„Ich fand es entsetzlich“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es zeigt, wie sich die Atmosphäre inzwischen verändert hat. Die Leute trauen sich Dinge, die sie sich früher nicht getraut hätten: Kirchen mit Hakenkreuzen zu beschmieren.“

Verrohung der Gesellschaft

Gohl hat sich in einer Botschaft auf Facebook scharf gegen die Täter gewandt – und gegen die AfD. Er zitiert ihren Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier und ihren Bundesvorsitzenden Alexander Gauland, die Verständnis für die von Attacken auf Ausländer begleiteten Demonstration von Rechtsextremen in Chemnitz geäußert hatten. Gohl wirft den AfD-Politikern vor, mit ihren Äußerungen auch für die Verrohung der Gesellschaft und für die Hakenkreuz-Schmierereien im Münster verantwortlich zu sein.

„Wenn diese/r Rechtsradikale schreibt „Hakenkreuz statt Kreuz“, hat er zumindest eines verstanden: Rassismus und Hass (Hakenkreuz) sind mit dem Evangelium (Kreuz) unvereinbar. Statt Wut und Spaltung brauchen wir Mut und Haltung!“, schreibt der Geistliche in seiner Facebook-Botschaft.

AfD verdächtigt Antifa

Der AfD-Kreisverband Ulm/Alb-Donau antwortet auf der gleichen Plattform, Gohl beschwere sich zu Recht über die Schmierereien. Die Vorwürfe gegen die Partei werden dort aber zurückgewiesen „Werter Herr Gohl, solche Dinge sind beliebte Mittel der Antifa, um den Gegner zu diskreditieren. Wussten Sie das nicht?“, heißt es wörtlich.

Anzeige bereits erstattet

Gohl hat nach eigenen Angaben wegen der Schmierereien Anzeige bei der Polizei erstattet. Er hoffe darauf, dass der Täter gefunden wird, sagte er unserer Redaktion: „Wegen so etwas haben wir einen Rechtsstaat.“ Viel Hoffnung auf die Einsicht des Schuldigen habe er aber nicht. Die Reaktion des AfD-Kreisverbands bezeichnet er als „übliche Verschwörungstheorien und Ausflüchte“.

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