Häftlinge noch immer auf der Flucht – Polizei ist auf Hinweise angewiesen

Lesedauer: 6 Min
Diese Männer sind aus der Psychiatrie in Günzburg entflohen: Alexander G. (links) und Ruslan-Oleksandr Tsopa (rechts).
Diese Männer sind aus der Psychiatrie in Günzburg entflohen: Alexander G. (links) und Ruslan-Oleksandr Tsopa (rechts). (Foto: Polizei)
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Die Bevölkerung wird gebeten, bei direktem Kontakt nicht an die Entflohenen heranzutreten, sondern sofort die Notrufnummer 110 zu wählen.

Hinweise, insbesondere zum aktuellen Aufenthaltsort der beiden Männer, werden von der Polizeiinspektion Günzburg unter der Telefonnummer 08221/9190 entgegengenommen.

Von den beiden in der Nacht zum Montag aus dem Bezirkskrankenhaus Günzburg entflohenen Häftlingen fehlt weiterhin jede Spur.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben keinerlei Anhaltspunkte, wo sich die beiden Männer aufhalten könnten und ist auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

In der Nacht zum Freitag gingen etwaige Hinweise bei der Polizei ein. In Weißingen bei Leipheim sowie beinahe zeitgleich bei Günzburg wurde mit einem Großaufgebot gesucht – unter anderem mit einem Polizeihubschrauber.

„Aber alles ohne Erfolg“, sagt Johanna Graf, Pressesprecherin im Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten am Freitag. Auch Suchaktionen in Vöhringen (Landkreis Neu-Ulm) am Donnerstagmittag und am Montagnachmittag im Gewerbegebiet Scheppach Nord-West endeten ergebnislos.

Klinik-Mitarbeiterin als Geisel genommen

Die beiden Männer waren in der Nacht zum Montag getürmt. Unter einem Vorwand rief einer der Männer eine Mitarbeiterin des Krankenhauses zum gemeinsamen Zimmer.

Diese nahmen sie als Geisel und führten sie unter Vorhalt eines spitzen, selbstgebastelten Gegenstandes zur Sicherheitsschleuse, die mit einem weiteren Mitarbeiter besetzt war. Dieser erkannte die Bedrohung und entriegelte die Tür. Die Frau blieb unverletzt.

Es folgten umfangreiche Suchmaßnahmen: Kontrollen auf den Straßen, Kontrollen im Nahverkehr – unter Einsatz eines Polizeihubschraubers sowie Polizeihunden. Inzwische fehlt den Ermittler „der konkrete Fahndungsansatz“.

Für eine Flucht ins Ausland gebe es laut Graf bislang keinerlei Anhaltspunkte. Die Männer werden nicht mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. „Dafür liegen uns keine Kriterien vor“, erklärt Graf und ergänzt: Es gebe auch keine Hinweise auf eine Bewaffnung.

Von Häftlingen geht keine konkrete Gefahr aus

Nichtsdestotrotz werden Menschen gebeten, sofort die Polizei zu rufen, wenn sie einen der Männer sehen sollten. Immerhin seien diese auch unter Gewaltanwendung aus der Klinik geflüchtet. Eine konkrete Gefahr gehe von den geflohenen Häftlingen nicht aus, sagt sie.

Die Polizei veröffentlichte kurz nach der Flucht zwei Portraitfotos der beiden und später auch Aufnahmen, die die Männer in der Kleidung zeigen, wie diese das Bezirkskrankenhaus im Günzburg verlassen haben.

Einer der entflohenen Männer ist der 28-jährige deutsch-russische Staatsangehörige Alexander G..

Dieses Bild zeigt Alexander G. in der Bekleidung, in der er den Bereich des Maßregelvollzugs in Günzburg verlassen hat.
Dieses Bild zeigt Alexander G. in der Bekleidung, in der er den Bereich des Maßregelvollzugs in Günzburg verlassen hat. (Foto: Polizei)

Er hat laut Polizei eine normale Statur, hellbraune Haare und ist etwa 1,70 Meter groß. Er trug eine weiße Sportjacke und eine weiße Hose mit drei roten Streifen an der Seite.

Der zweite Mann ist der 23-jährige ukrainische Staatsangehörige Ruslan-Oleksandr Tsopa. Von ihm ist bekannt, dass er etwa 1,75 Meter groß und von dicklicher Statur ist. Er hat kurze dunkle Haare und ist komplett dunkel bekleidet.

Dieses Bild zeigt Ruslan-Oleksandr Tsopa in der Bekleidung, in der er den Bereich des Maßregelvollzugs in Günzburg verlassen hat
Dieses Bild zeigt Ruslan-Oleksandr Tsopa in der Bekleidung, in der er den Bereich des Maßregelvollzugs in Günzburg verlassen hat. (Foto: Polizei)

Die Männer trugen laut Polizei weiße Schuhe beziehungsweise schwarze Schuhe mit auffällig weißen Sohlen.

G. war im Zusammenhang mit räuberischen Diebstahls, Tsopa im Zusammenhang mit schweren Bandendiebstahls verurteilt worden.

Wegen Suchterkrankungen im Maßregelvollzug behandelt

Beide Patienten wurden wegen ihrer Suchterkrankungen seit Juni beziehungsweise Anfang Juli in der Klinik für Forensische Psychiatrie in Günzburg im Maßregelvollzug behandelt.

Wie Georg Schalk, Sprecher der Bezirkskliniken Schwaben, Mitte der Woche sagte, habe man „massive Zweifel gehabt, ob die Männer an einem Therapieerfolg interessiert waren“.

Bei beiden hätte in Kürze die Therapie abgebrochen und sie hätten wieder in ihre jeweiligen Justizvollzugsanstalten zurückgebracht werden sollen.

Sollten die zwei Männer gefasst werden, werden sie laut dem Sprecher keinesfalls mehr in der Günzburger Klinik untergebracht.

Die Bevölkerung wird gebeten, bei direktem Kontakt nicht an die Entflohenen heranzutreten, sondern sofort die Notrufnummer 110 zu wählen.

Hinweise, insbesondere zum aktuellen Aufenthaltsort der beiden Männer, werden von der Polizeiinspektion Günzburg unter der Telefonnummer 08221/9190 entgegengenommen.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen