Galeria Kaufhof im bestreikten Ausnahmezustand – Mitarbeiter haben Existenzängste

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Das Logo von Galeria Kaufhof an einer Außenfassade
Das größte Geschäft weit und breit: Auf 15.000 Quadratmeter betreibt Kaufhof Galeria in Ulm ein Warenhaus. Verdi fordert für die Beschäftigten in Ulm primär die Rückkehr zum Tarifvertrag. (Foto: Alexander Kaya)
Oliver Helmstädter

Galeria Kaufhof ist eine deutsche Warenhauskette. Sie ist seit 2018 Teil der österreichischen Signa Holding. Seit dem 25. März diesen Jahres treten Kaufhof und Karstadt unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Der vergangenes Jahr vollzogene Zusammenschluss von Galeria Kaufhof, Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports und weiteren Unternehmen durch die Eigentümer Signa Retail und Hudson‘s Bay Company wird von Arbeitnehmern als Herausforderung für die Sicherheit der Arbeitsplätze und eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung bewertet.

Kaufhof Galerie in der Ulmer Hirschstraße am Freitagmorgen: Gähnende Leere. Die wenigen Kunden übertreffen zahlenmäßig die Mitarbeiter. Und Filialleiter Kevin Manski kassiert persönlich an der Hauptkasse. Das Gros der insgesamt 148 Beschäftigten ist im Streik.

Die Betriebsratsvorsitzende Claudia Bender schätzt, dass 75 Prozent der Belegschaft aus Protest die Arbeit niederlegt haben. Aus Protest gegen einen Sparkurs, der nach Überzeugung von Bender existenzgefährdend ist. Sowohl für die Mitarbeiter als auch den Standort an sich. „Wir sind alle frustriert“, sagt sie.

24 Beschäftigte verlieren ihre Stelle

Im Zuge eines „Restrukturierungsprogramms“ der Eigentümer sei jüngst auf einer Mitarbeiterversammlung verkündet worden, dass 24 der 148 Beschäftigten ihre Stelle verlieren werden. Bis Ende des Monats könnten sich noch Freiwillige melden, denen das Aus noch mit einer Abfindung versüßt werde. Am 15. Juli sollen dann die betriebsbedingten Kündigungen anstehen. Hinzu komme eine Spaltung der verbleibenden Belegschaft.

In jenem Restrukturierungsprogramm sei die Rede von der Bildung von verschiedenen „Teams“ – von Kasse bis Wareneingang. Davon sollen einzelne Gruppen „abgruppiert“ – also schlechter bezahlt werden. Grundsätzlich habe auch Bender erkannt, dass der gesamte stationäre Handel vor großen Herausforderungen stehe.

 Sie sorgen sich um die Zukunft der Galeria Kaufhof: Die Betriebsratsvorsitzende Claudia Bender und ihr Stellvertreter Denis Len
Sie sorgen sich um die Zukunft der Galeria Kaufhof: Die Betriebsratsvorsitzende Claudia Bender und ihr Stellvertreter Denis Lenjer. (Foto: Oliver Helmstädter)

Doch nach dem Zusammenschluss von Galeria Kaufhof, Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports und weiteren Unternehmen durch die jeweiligen Eigentümer Signa Retail und Hudson’s Bay Company seien es keinerlei Konzepte vorgelegt worden, wie man den Magnet der Ulmer Innenstadt wieder attraktiveren könne. Mit weniger Mitarbeitern werde der Service schlechter, was wiederum mehr Kunden zu den Konkurrenten – nicht zuletzt im Internet – treibe.

Von „katastrophalem Missmanagement“ spricht Rainer Dacke, der Handels-Fachbereichssekretär bei der Gewerkschaft Verdi, der selbst einst bei Karstadt in die Lehre ging. Anhand dieses skandalösen Verhaltens der Manager dränge sich der Verdacht auf, dass die Investoren gar kein Interesse daran hätten, die Warenhäuser zu erhalten. So habe er Informationen, dass innerhalb der verschachtelten Eigentümerkonstellation Kaufhof quasi an sich selbst immer höhere Mieten zahlen müsse. Dieses Spiel werde solange getrieben, bis quasi eine gesteuerte Pleite eintrete. Und plötzlich habe der Investor freien Zugriff auf attraktive Immobilien wie Galeria Kaufhof in Ulm.

Dieser „Eingang zur Stadt“, so Dacke, lasse sich immer zu Geld machen. Der neue Eigentümer Signa Holding habe ganz offensichtlich kein Interesse daran, Galerie Kaufhof zu einer florierenden Warenhauskette umzubauen. Denn dann würde die österreichische Gruppe ihre Vorteile gegenüber Amazon und Co ausbauen, anstatt sich kaputt zu sparen.

Wie Betriebsratschefin Bender sagt, stießen die Vorschläge aus der Belegschaft auf taube Ohren. Beispielsweise funktionieren das Warenmanagement nicht reibungslos. „Wir müssen leere Regale verkaufen.“ Wie ohnmächtig und voller Existenzängste fühle sich so die Belegschaft, unter der es viele alleinstehende Frauen und auch alleinerziehende Mütter gebe, die nun vor dem Ungewissen stehen.

Worthülsen aus der Pressestelle

Filialleiter Kevin Manski, der an diesem Freitagmorgen höchstpersönlich den Dienst an der Kasse schiebt, darf dazu nichts sagen und verweist bei Nachfragen auf die Pressestelle in Köln.

Die schweigt sich aus. Im Internet sind Worthülsen zu finden: Durch den Kostendruck seien die Überprüfung und Reduktion von Aufgaben und damit einhergehende Einsparungen auch auf der Personalseite sind daher unumgänglich. Beim Personalabbau setze das Unternehmen auf sozialverträgliche Lösungen.

Galeria Kaufhof ist eine deutsche Warenhauskette. Sie ist seit 2018 Teil der österreichischen Signa Holding. Seit dem 25. März diesen Jahres treten Kaufhof und Karstadt unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof auf. Der vergangenes Jahr vollzogene Zusammenschluss von Galeria Kaufhof, Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports und weiteren Unternehmen durch die Eigentümer Signa Retail und Hudson‘s Bay Company wird von Arbeitnehmern als Herausforderung für die Sicherheit der Arbeitsplätze und eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung bewertet.

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