Götzis-Veranstalter blickt neidisch nach Ulm

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 Kurze Anreise von Ulm nach Götzis (von links): Zehnkampf-Bundestrainer Christopher Hallmann, Tim Nowak, Athletenbetreuer Walter
Kurze Anreise von Ulm nach Götzis (von links): Zehnkampf-Bundestrainer Christopher Hallmann, Tim Nowak, Athletenbetreuer Walter Weber, Manuel Eitel und Mathias Brugger. (Foto: Jochen Dedeleit)
Jochen Dedeleit

Walter Weber, der beim 45. Hypo-Mehrkampf-Meeting am 25. und 26. Mai in Götzis für die Athletenbetreuung zuständig ist, war es auf der Pressekonferenz in Bregenz anzusehen, wie neidisch er in Richtung des SSV Ulm 1846 blickt – und sprach’s auch aus: „Der SSV ist 150 Kilometer weg und weiß fünf 8000er-Athleten in seinen Reihen. Es ist erstaunlich, was ein Verein ganz in der Nähe auf die Beine stellen kann.“

Neidisch blicken wiederum andere Veranstalter nach Götzis. Stand diese Woche kommen am letzten Mai-Wochenende 32 Zehnkämpfer und 32 Siebenkämpferinnen nach Götzis. Große Abwesende sind nur der französische Weltrekordler Kevin Mayer, der verletzte deutsche Europameister Arthur Abele (von eben jenem SSV Ulm) und die belgische Olympiasiegerin Nafissatou Thiam. Der Kanadier Damian Warner kann sich das fünfte Mal in die Siegerliste eintragen und würde damit mit dem ehemaligen Weltrekordler Roman Sebrle aus Tschechien gleichziehen.

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF setzt für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio erstmals bei einer Olympiaqualifikation hauptsächlich auf eine neue Weltrangliste. Demnach entscheidet über die Olympiateilnahme zunächst der Weltranglistenplatz des jeweiligen Sportlers in seiner Disziplin. Für den Ulmer Tim Nowak kein Problem: „Deswegen lege ich die Vorbereitung nicht anders an. Wir sind auf die maximale Punktezahl aus. Zudem denke ich, dass dies kein großer Einfluss auf die Startliste in Tokio haben wird.“ Auch der deutsche Bundestrainer Christopher Hallmann sieht dies so: „Das Punktesystem ist sekundär, wir versuchen, die maximale Leistung herauszuholen. Ich bin guter Dinge, dass wir drei Athleten über das Olympialimit von 8350 bekommen. Da ist Deutschland – zugegeben – in einer Luxussituation.“

Hallmann vertraut in Götzis neben dem Trio Mathias Brugger (persönliche Bestleistung 8304 Punkte), Tim Nowak (8229) und Manuel Eitel (8121), der Abeles Startplatz einnimmt, vom SSV Ulm auf Kai Kazmirek (8580), Rico Freimuth (8663) und Ex-Junioren-Weltmeister Niklas Kaul (8220). Eitel und Kaul sollen in Vorarlberg die 7600 Punkte für die U23-EM in Schweden übertreffen. „Was beim SSV für ein Potenzial da ist, zeigt die Tatsache, dass in Götzis trotz des Ausfalls von Arthur drei Zehnkämpfer am Start stehen“, sagt Mathias Brugger. „Natürlich haben wir in Ulm Fußball und Basketball als Konkurrenz, da ist es nicht so, dass die Leichtathleten als die Stars durch die Fußgängerzone laufen.“

Kai Kazmirek musste verletzungsbedingt sowohl auf den Start bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin als auch auf die Hallen-Europameisterschaften im März verzichten. Der Trainingsaufbau ist jedoch gut verlaufen und der WM-Dritte von London überquerte in der Vorbereitung auf die WM-Saison bereits 5,30 Meter im Stabhochsprung. „Er war 2015 der letzte deutsche Sieger in Götzis, über die Hürden zeigte er vor wenigen Tagen beim Deichmeeting in Neuwied eine einwandfreie Technik“, sagt Hallmann, der ehemalige 8000-Punkte-Athlet und Leichtathletiktrainer des Jahres 2018.

Vizeweltmeister kehrt zurück

Nach seiner freiwilligen einjährigen Wettkampfpause wird auch das Comeback des Silbermedaillengewinners der WM von London, Rico Freimuth, mit Spannung erwartet. „So hört ein Vizeweltmeister nicht auf, er ist auch mit dem Kopf voll da“, sagt der Ulmer Stützpunkttrainer zur schöpferischen Pause Freimuths nach seinem Ausstieg aus dem Götzner Zehnkampf 2018. Im Rahmen der mitteldeutschen Mehrkampfmeisterschaften in Halle/Saale wollte der Sohn des zweifachen Götzis-Siegers Uwe Freimuth eigentlich seinen Saisoneinstand geben, verzichtete aber aufgrund eines Hexenschusses.

Deutschlands Siebenkämpferinnen in Götzis sind Carolin Schäfer (persönliche Bestleistung 6836), die das erforderliche Limit von 6300 Punkten für die Weltmeisterschaften in Doha (27. September bis 6. Oktober) schon erbracht hat, Mareike Arndt (6169), Sophie Weißenberg (6165) und Anna Maiwald (6116). Der Sieg im Zehnkampf des Mehrkampf-Mekkas wird mit 15 000 Euro entlohnt, der im Siebenkampf mit 11 000 Euro. Das Gesamtbudget in Götzis beläuft sich auf 633 700 Euro und liegt damit um 6,5 Prozent über dem von 2018.

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