Forschung: Wie berufsbedingter Stress besser vermieden werden kann

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Wie kann man betroffenen Polizisten helfen, traumatische Erlebnisse gesund zu verarbeiten? Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit die Uniklinik Ulm, die Deutsche Traumastiftung und das Polizeipräsidium Ulm. (Foto: Christian Charisius/DPA)
Schwäbische Zeitung

Deutsche Traumastiftung, Uniklinik und Polizeipräsidium Ulm starten jetzt ein einzigartiges Forschungsprojekt. Es geht unter anderem darum, die Entstehung von stressbedingten Belastungen durch den Polizeiberuf frühzeitig zu erkennen.

Wie und mit welchen Hinweisen können stressbedingte Belastungen frühzeitig erkannt werden? Wie kann man Betroffenen helfen, traumatische Erlebnisse gesund zu verarbeiten? Mit diesen Fragen beschäftigen sich derzeit die Uniklinik Ulm, die Deutsche Traumastiftung und das Polizeipräsidium Ulm in einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Ziel ist es, den Zusammenhang bisher erlebter beruflicher Belastungen, persönlicher Ressourcen wie Widerstandskraft, dem persönlichen Umgang mit Belastungen und physiologischen und biologischen Kennwerten zu untersuchen und eine individuelle Empfehlung für Teilnehmende abzuleiten.

120 Polizistinnen und Polizisten, vorwiegend aus Streifendienst, Kriminaldauerdienst und Verkehrsunfallaufnahmedienst, sollen sich dazu freiwillig untersuchen und befragen lassen. Die daraus und aus einer 24-Stunden-Puls-Messung gewonnenen Ergebnisse zum Zusammenspiel von Alltagssituationen und individueller stressbiologischer Reaktionen werden wissenschaftlich ausgewertet. Zusätzlich bietet die Uniklinik an, in einem anschließenden Beratungsgespräch die individuellen Ergebnisse zu visualisieren und zu besprechen. Am Ende sollen die Teilnehmenden ihre Belastungssituationen besser erkennen und die für sie wirksamen taktischen Gegenmaßnahmen anwenden können.

Gerade Polizistinnen und Polizisten seien aufgrund ihrer täglichen Begegnung mit gravierenden Ereignissen prädestiniert, sich an dieser Studie zu beteiligen.

Die Polizei Ulm hat sich am Sonntag wiederholt gegen Auto-Poser und die Einhaltung der Corona-Maßnahmen eingesetzt. Die Einsatzkräfte haben dafür unter anderem zwei Parkplätze in der Blaubeurer Straße, sowie zeitweise auch die Frauenstraße sperren müssen. Auf einem Parkplatz in der Wielandstraße und auf dem Altstadtring musste die Polizei ebenfalls gegen einige Poser Platzverweise aussprechen. Schon seit längerem beschweren sich Anwohner über die Lärmbelästigung, die von den Posern ausgeht.

„Wir sind froh, zusammen mit dem Polizeipräsidium Ulm und der Deutschen Traumastiftung diesen innovativen Ansatz beforschen zu können“, sagte Prof. Dr. med. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Denn das mit Mitteln des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg geförderte Forschungsprojekt habe großes Potenzial: Die allgemein geläufigen Maßnahmen gegen beruflichen Stress sind ja jedem mehr oder weniger gut bekannt. Doch hier kommt ein sehr individueller und früher Ansatz zum Tragen.

Die Ergebnisse könnten auf andere Polizeidienststellen, eventuell sogar auf Beschäftigte weiterer Behörden und Unternehmen übertragen werden. „Damit nimmt unsere Teilnahme an diesem Projekt für das Polizeipräsidium Ulm wie für die Polizei Baden-Württemberg insgesamt eine Leuchtturmfunktion ein“, erläutert Polizeipräsident Bernhard Weber, Leiter des Polizeipräsidiums Ulm.

„Denn die einzelnen Studienteilnehmenden wie auch die Polizei als Behörde zeigen, dass sie neben dem Bekenntnis zur Gesundheit auch soziale Verantwortung übernehmen. Für die Kolleginnen und Kollegen, damit auch für die Sicherheit der Menschen in ihrem Bereich, aber auch für die Gesundheit aller anderen Betroffenen traumatischer Belastungen“, so Weber weiter.

Warum die Forschungen so wichtig sind

„Der Deutschen Traumastiftung ist eine rechtzeitige Erkennung und Intervention wichtig, um die Menschen vor den möglichen schwerwiegenden Folgen bewahren zu können“, sagte Michael Drechsler, Geschäftsführer der Deutschen Traumastiftung. Diese setze sich für die Verbesserung der Traumaversorgung durch Bildung und Forschung sowie den Erfahrungsaustausch der Akteure im Bereich der Prävention und Behandlung psychischer und physischer Traumafolgestörungen ein.

Wie die Kooperation entstand

Die Grundidee zur psychologischen Unterstützung für Polizeidienstleistende stammt vom Präsidiumsmitglied der Deutschen Traumastiftung, Altoberbürgermeister Ivo Gönner.

Prof. Dr. Harald Gündel, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und ebenfalls Präsidiumsmitglied, Prof. Dr. Christiane Waller, ehemalige Leitende Oberärztin, und Projektleiter Dr. Marc N. Jarczok von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und deren Team haben im Namen des Universitätsklinikums das Projekt „Möglichkeiten der Prävention von traumabedingten Belastungen im Polizeidienst“ am Trauma-forschungsstandort Ulm entwickelt und auf Vermittlung beziehungsweise mit vorbereitender Unterstützung der Deutschen Traumastiftung und des damaligen Ulmer Polizeipräsidenten Christian Nill dem Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg vorgestellt.

Das Forschungsprojekt wird mit Fördermitteln des Ministeriums für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg unterstützt. Nach Einschätzung der Deutschen Traumastiftung kann das Pilotprojekt nach erfolgreichem Abschluss die Polizeibeamtinnen und -beamten in Baden-Württemberg, gegebenenfalls aber auch in anderen Bundesländern, unterstützen.

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