Fliegerbombe in Neu-Ulm erfolgreich entschärft

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Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Es regnet. Es donnert. Es knallt. Doch zum Glück: Es ist nicht die Zehn-Zentner-Bombe, die am Dienstag erneut auf einer Baustelle am Südstadtbogen in Neu-Ulm gefunden wurde. Es ist ein Gewitter, das pünktlich zum Beginn der Bombenentschärfung über die Donaustadt hereinbricht. 

Doch auf das Team vom Kampfmittelräumdienst hat das offenbar keine Auswirkungen. Sie ziehen ihren lebensgefährlichen Job eiskalt durch. Um 14.11 Uhr teilt das für Neu-Ulm zuständige Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auf Twitter mit: Die Fliegerbombe ist entschärft. Die Anwohner können wieder zurück in ihre Wohnungen.

Denn zuvor mussten mehr als 12 000 Neu-Ulmer zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen ihre Haushalte verlassen. Denn wie schon bei der erfolgreichen Entschärfung einer ebenfalls 500 Kilogramm schweren Bombe im März musste ein Gebiet im Radius von zirka 500 Metern rund um den Fundort in der Von-Hünefeld-Straße evakuiert werden.

Niemand durfte sich in der Sperrzone aufhalten, während der Kampfmittelräumdienst die Bombe unschädlich machte. Zwischenzeitlich flog ein Hubschrauber über der Donau-Doppelstadt, um den Einsatz zu überblicken.

Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen ist in Neu-Ulm ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden.

Mehr als 12 000 Neu-Ulmer haben also ihre Wohnungen verlassen müssen - sofern sie nicht schon bei der Arbeit waren oder einen anderen Unterschlupf gefunden haben. Helfer von Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz gingen von Haus zu Haus, um zu überprüfen, ob auch wirklich niemand mehr im Haus ist. Wollte jemand nicht gehen, musste er eine Erklärung unterschreiben. 

Die Geschäfte, die sich in der Sperrzone befinden, waren während der Evakuierung geschlossen. Auch das Einkaufscenter Glacis-Galerie in der Nähe vom Neu-Ulmer Bahnhof hatte teilweise zu.  

Indes wurden offenbar auch falsche Informationen gestreut. Die Polizei bat bei Twitter darum, dies zu unterlassen. 

Der Zeitplan der Evakuierung

Die Evakuierung hat gegen 8.20 Uhr begonnen. Bereits ab 7.30 Uhr wurden alle Straßen, die in den Sperrbereich hinein führen, dicht gemacht. Auch Busse fahren seither nicht mehr durch die Zone, sie verkehren drumherum. Lediglich die so genannten Evakuierungsbusse, die vom Busbahnhof ZUP in Neu-Ulm starten, dürfen noch fahren.

Die Züge der Deutschen Bahn halten ebenfalls nicht mehr im Neu-Ulmer Bahnhof, sondern rollen gleich weiter in Richtung Ulm. Während der Entschärfung fahren auf dem betroffenen Streckenabschnitt gar keine Züge mehr.

Für Personen, die Unterstützung beim Verlassen ihrer Häuser benötigten, hatte die Stadt einen Hol- und Bringdienst zur Verfügung gestellt.

Notunterkunft in der Weststadtschule

Wer nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen konnte oder nicht ohnehin auswärts arbeitet, konnte in der Turnhalle der Weststadtschule ausharren, teilte die Stadt mit. Dort waren nach Angaben der Schulleiterin Andrea Freier bereits am Vormittag rund 200 Menschen angekommen, gleichzeitig lief aber der Unterricht - so gut es ging - weiter. 

„Es ist natürlich nicht spaßig. Die Kinder bekommen das auch mit, sind aufgeregt“, erklärte Freier. 40 von insgesamt rund 300 Schülern seien deshalb auch erst gar nicht zum Unterricht erschienen. „Aber das ist eine besondere Situation. Es geht hier um das Leben“, so Freier weiter. Folgen für die Eltern werde dies deshalb nicht haben.

Auf Durchsagen hören

Die Stadtverwaltung bittet die Bürgerinnen und Bürger, auf Durchsagen zu achten, das Radio einzuschalten oder die Informationen der örtlichen Medien zu verfolgen. Bei Fragen gibt es auch dieses Mal wieder eine Bürgerhotline, die unter der Telefonnummer 0731/97441898 zu erreichen ist. 

Es war bereits die dritte Fliegerbombe, die binnen weniger Wochen auf der Großbaustelle gefunden wurde. Anfang März war dort zunächst eine 75 Kilo schwere US-amerikanische Bombe unschädlich gemacht worden. Da diese aber eine wesentlich geringere Sprengkraft hatte, waren die Sperrmaßnahmen dafür deutlich kleiner.

Noch weitere Bomben auf dem Gelände

Die heutige Evakuierung und anschließende Entschärfung ist im Vergleich zur Entschärfung Mitte März nochmal ein Kraftakt, da sie an einem Werktag und nicht am Sonntag stattfindet. Aber laut Andreas Heil, Chef der zuständigen Entschärfungsfirma, soll das nicht die letzte Bombe gewesen sein, die auf dem Arial entschärft werden muss. 

„Da kommt mit Sicherheit noch einiges. Das ist Grund genug, sich darüber Gedanken zu machen, wie man die weiteren Arbeiten koordiniert. Auch die Stadt Neu-Ulm ist da gefragt, dass man nicht noch fünf oder sechs Evakuierungen hat in kürzester Zeit“, sagte er im für die Entschärfung eingerichteten Presseraum im Neu-Ulmer Rathaus.

Deshalb soll das Baustellengebiet nun in drei Abschnitte unterteilt und Abschnitt für Abschnitt nach weiteren Blindgängern untersucht werden, um den Aufwand für die Stadt und den Steuerzahler so gering wie möglich zu halten. 

Am Mittwoch wurde auf dem Baustellengelände des Südstadbogens in der Neu-Ulmer Innenstadt erneut eine Fliegerbombe gefunden. Am kommenden Freitag wird die Bombe entschärft.
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