Fernbushalt in der Kritik: Ulm landet in Ranking auf dem letztem Platz

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Der Fernbus Bahnhof bleibt ein schwieriges Thema in Ulm.
Der Fernbus Bahnhof bleibt ein schwieriges Thema in Ulm. (Foto: Alexander Kaya)
Oliver Helmstädter

Ob es um Lebensqualität oder Zukunftsfähigkeit geht: In Ulm brüsten sich die Stadtoberen gerne mit Top-Ten-Platzierungen in allerlei Umfragen. Jetzt ist die Münsterstadt mal letzter. Derzeit stehe der Fernbushalt in Böfingen auf Rang 308 einer Kundenumfrage von Flixbus. Tiefer geht’s nicht. Dies hat Torben Otte, Stationsplaner von Flixbus für Süd- und Westdeutschland, bei einem Fachgespräch auf Einladung der Sozialdemokraten gesagt. Ursachen für das schlechte Abschneiden sah er nach Angaben der SPD nicht nur in der mangelhaften Ausstattung der Haltestelle. Trotz jüngster Verbesserungen bleibe der Fernbushalt unzulänglich.

Wie berichtet, wurde aus dem düsteren Parkplatz im Ulmer Nordosten eine richtige Haltestelle. Der Fernbusbahnhof wirkt freundlicher, seit die Stadt ihn im Sommer für viel Geld umgebaut hat. Kosten von 245 000 Euro waren ursprünglich veranschlagt gewesen – nun dürfte der Umbau rund 100 000 Euro teurer ausfallen als geplant. Doch noch immer fehlen Wartehallen, Sitzbänke und Mülleimer. Auch von den versprochenen Toilettenanlagen war jüngst an der Haltestelle an der Eberhard-Finck-Straße in Böfingen nichts zu sehen. Dixi-Klos warten stattdessen.

Schlechter Standort am Stadtrand

Auch der Standort am Stadtrand trage zu den schlechten Noten für Ulm bei. Der Flixbus-Mann habe anhand eines Beispiels betont, wie wichtig die Lage eines Halts sei: In Stuttgart wurde der Fernbushalt vom Zuffenhausener Bahnhof vor die Stadt an den Flughafen gelegt, seither würden die Nutzerzahlen schlechter, heißt es.

Unterstützung bekam Flixbus von Peter Beckmann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Denn auch für Radfahrer sei der Reisebus ein attraktives Verkehrsmittel geworden, die Organisation von gemeinsamen Reisen sei einfacher als mit der Bahn.

Dass der Bus zu einem modernen Verkehrsmittel geworden sei, betonte Andreas Schröder, Inhaber des gleichnamigen Langenauer Busunternehmens, das 2013 ins Fernbusgeschäft einstieg und seither fast vier mal so viele Busse wie zuvor fahren lässt. Der Reisebus habe das Schmuddelimage verloren, W-Lan und Steckdosen an jedem Sitzplatz seien mittlerweile Standard. Schröder würde seine Passagiere lieber in der Innenstadt aussteigen lassen, die hier auch die Umsteigezeit zur Anschlussfahrt angenehmer überbrücken könnten.

Fernbusse sind „Made in Neu-Ulm“

Der Unternehmer betonte zudem, die Bedeutung erfolgreicher Fernbusse für die regionale Industrie: Die Daimler-Tochter Evobus mit Sitz in Neu-Ulm baue insgesamt 40 Prozent der Reisebusse im Flixbus-Verbund. Die Verkehrsexperten der Ulmer Industrie- und Handelskammer betonen, dass Busreisende auch Kunden in der City sein könnten, die sich hier mit dem Reisebedarf versorgen.

Den Argumenten, die kurzen Wege von Böfingen zur Autobahn seien umweltfreundlicher, als die Reisebusse in die Innenstadt zu holen, begegneten die anwesenden Experten gemeinsam mit dem Zubringerverkehr: Wer mit seinem Gepäck mehrfach umsteigen müsse, lasse sich lieber direkt nach Böfingen bringen, als mit dem Zug zum Hauptbahnhof zu fahren und dann die Straßenbahn zum Fernbusbahnhof zu nehmen.

Dass die Stadt die Haltestelle bereithält und jetzt auch teuer saniert hat, ist, wie berichtet, eine freiwillige Leistung – der Halt wird schließlich von privatwirtschaftlichen Unternehmen genutzt. Doch wie die Stadtverantwortlichen immer wieder betonen, erkenne man im Rathaus das öffentliche Interesse der Bürger an einer solchen Station.

Stadträtin Dorothee Kühne forderte für die SPD-Fraktion als Fazit erneut, die Option für einen modernen Fernbushalt in der Innenstadt zu erhalten. „Zu einer Mobilitätsdrehscheibe gehört auch der Fernbus“, sagt Martin Rivoir. Ulm auf dem letzten Platz – das müsse die Stadt an der Ehre packen.

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