Fernöstliche Verrenkungen: Artisten des Chinesischen Nationalcircus beweisen ihre Kunst

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 Sie kommen aus dem Land des Lächelns und sie lächeln wirklich viel: die Mitglieder des chinesischen Nationalcirkus, die am Donn
Sie kommen aus dem Land des Lächelns und sie lächeln wirklich viel: die Mitglieder des chinesischen Nationalcirkus, die am Donnerstagabend im Ulmer Congress-Centrum (CCU) aufgetreten sind. (Foto: Stefan Kuemmritz)
Stefan Kümmritz

Sie kommen aus dem Land des Lächelns und sie lächeln wirklich viel: die Mitglieder des chinesischen Nationalcirkus, die am Donnerstagabend im allerdings recht schwach besuchten Ulmer Congress-Centrum (CCU) – vielleicht lag es an den doch happigen Eintrittspreisen – das Publikum begeisterten. Nur bei höchst anstrengenden akrobatischen Vorführungen ging das Lächeln der Akteure in eine angespannte Miene rund um die Mundwinkel über.

Wenn der chinesische Nationalcirkus ein Gastspiel gibt, hat das nur bedingt etwas mit Aufführungen hiesiger Zirkusunternehmen zu tun, selbst wenn es auch bei diesen akrobatische Attraktionen zu sehen gibt. Bei den Chinesen gibt es verschiedene Einzelauftritte, aber alle zusammen wirken sie wie ein Gesamtkunstwerk, ein Genuss für alle Sinne – besonders für die Augen wegen der spektakulären Darbietungen und für die Ohren wegen der fernöstlichen musikalischen Klänge. Passend dazu ein riesiges Hintergrundbild mit der chinesischen Mauer im Zentrum. Man fühlt sich nach Fernost versetzt und genießt die zwei Stunden, die sich der seit rund 30 Jahren weltweit erfolgreiche Nationalzirkus für sein Neujahrsprogramm „Happy Chinese New Year 2020“ Zeit nimmt.

Bei Auftritten dieser Künstler geht es immer um eine Geschichte. Beim aktuellen Programm geht es darum, dass die Mitglieder einer chinesischen Circus-Akademie wegen eines Bergrutsches, der die einzige Straße unpassierbar macht, nicht zu ihren Familien fahren können, um mit diesen das Neujahrsfest zu feiern. Dieses ist das wichtigste Fest der Chinesen, im Gegensatz zu den westlichen Ländern, bei denen Weihnachten an erster Stelle steht. So müssen die jungen Akademiker in der Schule bleiben. Aber sie sind nicht untätig, sondern präsentieren, was sie zuletzt gelernt und drauf haben – und das bildet das Programm der Show. Am Ende wird die Straße aber doch noch befahrbar und alle Schüler kommen rechtzeitig zu ihren Angehörigen. Ende gut, alles gut.

Bei den Darbietungen der chinesischen Artisten geht es um die Einheit von Körper, Geist und Seele. Die 25 jungen Männer und Frauen aus dem Reich der Mitte sind bei ihren Auftritten selbst die Mitte. Wie sie im CCU zum Teil waghalsige Akrobatik – einmal kletterte ein Chinese auf einer Stuhlpyramide so hoch, dass er schon halb hinter den Scheinwerfern an der Decke verschwand, ohne dass der Turm umgefallen wäre – mit tänzerischen Elementen, bei denen auch ein Drachentanz nicht fehlen durfte, mit Grazie und dann wieder mit atemberaubenden Sprüngen verschmelzen ließen, ließ die Besucher staunen. Ein paar kleine Haker gab es auch, okay, aber diese störten nicht das Gesamtbild. Das Bild einer fernöstlichen Harmonie, ausgedrückt auch durch Jonglagen mit Tellern, Schirmen und großen quadratischen Geschenkkartons, war eine Augenweide, die einem die Kultur der Asiaten auf farbenprächtigste Weise bildhaft vor Augen führte.

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