Fasan und Rebhuhn in Gefahr

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Der Kindergarten Spatzennest aus Offenhausen ließ sich von Jägern die Dioramenlandschaft zeigen. Die Messe ist bis einschließlic
Der Kindergarten Spatzennest aus Offenhausen ließ sich von Jägern die Dioramenlandschaft zeigen. Die Messe ist bis einschließlich Sonntag von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet. (Foto: Andreas Brücken)
Oliver Helmstädter

Auf der Jagd- und Fischereimesse in Ulm werden kleine Tütchen verteilt. „Blühbrache Vielfalt“ steht darauf. Darin sind Samen, die die Basis für einen Lebensraum von Rebhuhn, Fasan, Feldhase und Co schaffen sollen. Von einem „dramatischen Einbruch“ dieser Niederwildarten spricht nämlich Jürgen Vocke, der Präsident des bayerischen Jagdverbands bei der Eröffnung der Veranstaltung.

Die Situation im Landkreis Neu-Ulm ist nicht anders, wie Christian Liebsch, Kreisjägermeister, schildert. Fasane etwa, gebe es nur noch in zwei bis drei der gut 100 Jagdreviere im Kreis Neu-Ulm. Das letzte Rückzugsgebiet des farbenfrohen Bewohner der landwirtschaftlichen Kulturlandschaft sei das Obenhauser Ried bei Illertissen. Auch Rebhühner und Feldhasen seien im Vergleich zu früher äußerst selten. Grund für den Rückgang sei das Auslaufen geförderter Blühflächenprogramme. Eine „Allianz für Niederwild“ in der sich verschiedene Akteure wie der Bund Naturschutz und der baden-württembergische Landesjagdverband zusammengeschlossen haben, will das ändern: Landwirte sollen gefördert werden, um auf Brachflächen für mehrere Jahre durch spezielle Aussaat wieder Lebensräume für Niederwild zu schaffen.

Mehr als genug Lebensraum hat hingegen das Schwarzwild. Kreisjägermeister Liebsch schätzt, dass die Anzahl der einzelnen Wildschweine, die nur die Wälder im Landkreis Neu-Ulm streifen um die 1500 Exemplare schwankt. Würden die bis zu 200 Kilo schweren Tiere nicht bejagt, würde sich die Zahl jedes Jahr verdreifachen. Der Grund: Mittlerweile paarten sich Wildschweine fast das ganze Jahr. Durch die milden Winter und das verbesserte Nahrungsangebot durch ein Mehr an Eichen, Buchen und Mais seien weibliche Frischlinge bereits nach wenigen Monaten selbst geschlechtsreif.

Eine Zahl macht klar, wie sehr sich die Bedingungen für Schwarzwildrotten verbessert haben: In den 80er Jahren wurden im Kreis Neu-Ulm jährlich um die zehn bis 15 Wildschweine erlegt. In der vergangenen Jagdsaison seien es 525 Exemplare gewesen. In der noch bis März dauernden aktuellen Jagdperiode werden es noch mehr, so Liebsch. Und trotzdem steige die Anzahl der Tiere immer mehr.

Vor dem Hintergrund der auf dem Vormarsch befindlichen Afrikanischen Schweinepest betont der bayerische Landesjägermeister Vocke, dass die derzeit diskutierten Maßnahmen im Falle eines Ausbrechens der (für Menschen ungefährlichen) Krankheit nichts mehr mit Jagd im klassischen Sinne zu tun hätte.

Die Tiere in ein Gatter zu treiben, um sie dort zu erschießen, sei eine Bekämpfung. Sein Kollege aus Baden-Württemberg, Landesjägermeister Jörg Friedmann, kritisiert, dass Wildschweine bereits jetzt auf ihre Funktion als Seuchenträger reduziert würden. Friedmann rechnet mit Hysterie, wenn die Schweinepest auftritt und fragt sich, was wohl mit mit dem dann im Übermaß erhältlichen Wildbret geschehen soll. Denn selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt nach Aussage des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit kein gesundheitliches Risiko.

Jäger können sich auf der Messe nicht nur mit Gewehren sondern auch mit bisher nicht zugelassener Nachtzieltechnik ausstatten. Sollten die Schwarzkittel wegen der Pest in großem Ziel gejagt werden müssen, sind die Jäger damit nicht mehr auf helle Vollmondnächte angewiesen.

Noch bis einschließlich Sonntag dauert die Messe in der Ulmer Friedrichsaus, mit mit 5 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und etwa 250 Ausstellern als die größte und bedeutendste Jagd- und Fischereimesse im Land gilt.Der Landesjagdverband Baden-Württemberg zeigt eine großflächige Dioramenlandschaft inklusive Tierpräparate. Mehr über den richtigen vierbeinigen Jagdbegleiter erfahren Interessierte bei der täglichen Jagdhundepräsentation und neben der Bogensport Sonderschau „Schwaben-Bow“ nimmt das Thema Fischen großen Raum ein: Der Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm organisiert ein Fischereiforum. Es gibt viele Schauaquarien und ein Vortragsprogramm.

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