Schwäbische Zeitung

Die Polizei hat kürzlich sechs Männer ermittelt, die unter dem Verdacht stehen, Falschgeld selbst hergestellt und verbreitet zu haben. Das teilte das Landeskriminalamt Bayern am Montag in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Polizeipräsidium Stuttgart und der Polizeiinspektion Neu-Ulm mit. Alle Tatverdächtigen wurden nach Beendigung der polizeilichen Maßnahmen beziehungsweise unter Auflagen wieder aus dem Gewahrsam entlassen. Die Ermittlungen dauern aber weiter an.

Darauf aufmerksam wurde die Polizei bei einem Fall im März dieses Jahres in Stuttgart. Am Dienstag, 13. März, versuchte ein 19-Jähriger gegen 20 Uhr in einem Stuttgarter Bekleidungsgeschäft mit einer falschen 50-Euro-Note einzukaufen.

Die aufmerksame Kassiererin bemerkte dies aber und verständigte die Polizei. Damit starteten die umfangreichen Ermittlungen, die nun zu sechs Tatverdächtigen führten, denen vorgeworfen wird, Falschgeld selbst hergestellt und verbreitet zu haben.

Sechs falsche 50er in der Unterhose

Bei der körperlichen Durchsuchung des 19-Jährigen fanden die Stuttgarter Polizisten in der Unterhose weitere sechs falsche 50er. Der junge Mann war zusammen mit vier weiteren Männern in Stuttgart und hielt sich dort in einem Hotel auf.

Weitere 77 falsche Scheine

Als die Polizeibeamten drei Männer der Gruppe im Alter zwischen 18 und 23 Jahren am Hotel antrafen, kam der letzte, ein weiterer 19-Jähriger hinzu. Er hatte weitere 77 Stück der falschen 50 Euro Noten bei sich.

Außerdem hatte der im Geschäft festgenommene 19-Jährige auch noch eine Karte eines Hotels in Ulm dabei. Auch hier wurde die Polizei laut Mitteilung fündig. 29 falsche 50-Euro-Scheine und zirka 250 Gramm Marihuana konnten sichergestellt werden. Selbst zur Bezahlung dieses Hotelzimmers benutzte der 19-Jährige Falschgeld, das im Hotel sichergestellt wurde.

Scheine wurden in Ulm ausgegeben

Jetzt begannen weitere Ermittlungen: Woher stammen die Scheine? Gibt es mögliche weitere Täter? Wo wurden die falschen Geldscheine ausgegeben? Bei diesen weiterführenden Ermittlungen stellte sich heraus, dass einzelne Personen aus der Gruppe bereits wenige Tage vorher in Ulm und auf dem Weg von Ulm nach Stuttgart mit Falschgeld bezahlt hatten.

Durch die Stuttgarter Ermittler wurden im Verlaufe der nächsten Tage bei der noch zuständigen Staatsanwaltschaft Stuttgart Durchsuchungsbeschlüsse bei diesen Verdächtigen und einem weiteren bereits ermittelten Tatverdächtigen beantragt. Diese Durchsuchungen fanden am vergangenen Dienstag, 10. April, in Neu-Ulm durch Kräfte des Polizeipräsidiums Stuttgart, des Bayerischen Landeskriminalamtes und der Polizeiinspektion Neu-Ulm statt.

Falschgeldproduktion in Neu-Ulm

Dabei konnten in einer Wohnung in Neu-Ulm, die von einem 18-Jährigen, der schon in Stuttgart im Hotel dabei war, bewohnt wurde, insgesamt drei Drucker, diverse Speichermedien und zahlreiche Papierabschnitte aus der Falschgeldproduktion sichergestellt werden.

In einer weiteren Wohnung in Neu-Ulm, die ein 20-Jähriger bewohnte, fanden die die Ermittler neben acht falschen 50-Euro Noten auch noch weiteres Rauschgift.

Ermittelungen an das LKA Bayern übergeben

Aufgrund örtlicher Zuständigkeit wurden die Ermittlungen zur Geldfälschung dem Bayerischen Landeskriminalamt übertragen, das zusammen mit der Staatsanwaltschaft Memmingen nun das weitere Verfahren führt. Die 50-Euro-Fälschungen wurden bereits in Neu-Ulm und auch an anderen bayerischen und baden-württembergischen Orten herausgegeben.

Bemerkenswerter Zwischenfall

Ein bemerkenswerter Zwischenfall ereignete sich noch vor den Durchsuchungsmaßnahmen in Neu-Ulm. Wenige Tage davor fand ein 42-jähriger Mann, der mit einem Ruderboot auf der Donau bei Blaubeuren unterwegs war, einen Rucksack, der im Wasser trieb. Im Ruderclub öffnete er diesen. Darin fanden er und seine Vereinskollegen eine größere Menge Falschgeld – insgesamt 18 Scheine – und noch nicht zurechtgeschnittene Ausdrucke. Die auch noch aufgefunden privaten Unterlagen lassen den dringenden Schluss zu, dass dieser Rucksack dem 18-Jährigen aus Neu-Ulm gehört.

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