Eros Ramazzotti: Viel Amore in der Arena

Lesedauer: 5 Min
 Neu-Ulm feierte am Freitagabend Eros Ramazzotti Erfolge mit seiner „Perfetto“-Tour 2.
Neu-Ulm feierte am Freitagabend Eros Ramazzotti Erfolge mit seiner „Perfetto“-Tour 2. (Foto: Alexander Kaya)
Sabrina Schatz

Schweigen sollte ein Sänger nicht, wenn er auf der Bühne steht. Eros Ramazzotti macht eine Ausnahme und ist sekundenlang still. Denn der Italo-Sänger und das Publikum haben kurzerhand die Rollen getauscht. Rund 4000 Menschen singen für ihn a cappella „L’Aurora“, eine Ballade, die Ramazzotti seiner Tochter gewidmet hat. Er hält das Mikrofon in die Menge, schüttelt ungläubig den Kopf. Mit so ausgeprägten Italienisch-Kenntnissen hat er in Neu-Ulm wohl nicht gerechnet.

Das Publikum an diesem Freitagabend ist textsicher. Das mag daran liegen, dass der Anteil an Deutsch-Italienern selten höher gewesen sein dürfte in der Arena. Vielleicht hat auch der ein oder andere Schwabe im Volkshochschulkurs oder Toskana-Urlaub geübt. Ramazzotti jedenfalls freut sich darüber. Er lässt sein einstudiertes „Dankeschön“ im Laufe des Abends bleiben und wechselt zum vertrauten „Grazie“. Die vielen, die des Italienischen mächtig zu sein scheinen, lachen über seine Scherze zwischen den Liedern. Die, die nur Bahnhof verstehen, lachen auch – weil es gar so schön nach Urlaub klingt, was der kleine Italiener auf der Bühne von sich gibt. Ist sicher was über die Liebe. Amore und so.

Dabei versucht Ramazzotti sein Schmusesänger-Image eigentlich abzulegen. Das sagt zumindest sein Äußeres aus: Als der transparent-weiße Vorhang hochgeht, steht er mit Nietengürtel und Totenkopf auf dem T-Shirt auf der Bühne. Ein futuristisches Konterfei flimmert über die Leinwand. Blitzlicht zuckt durch die nicht ausverkaufte Halle, zu laute Beats dröhnen in den Ohren. Ramazzotti singt einige rockige Lieder von seinem aktuellen Album „Perfetto“, spielt Luftgitarre, als wäre er der 53 fern. Das Publikum, das sich darauf eingestellt hat, die Arme elegant zu schwenken, weiß nicht so recht, wie es sich bewegen soll.

Tatsächlich beginnt kurz darauf die Leuchtstab-Zeit. Ramazzotti singt mit zart-rauchiger Stimme seinen Hit „Se batasse una canzone“ und wirft Kusshände. Die Fans gehen sofort mit. Sie sind wegen jener Klassiker gekommen, die in der Pizzeria ums Eck rauf und runter laufen. Auch bei der „Perfetto“-Tour nehmen diese den Großteil des Programms ein.

Und nicht zuletzt zieht Ramazzotti selbst die Menschen an. Der gebürtige Römer hat trotz grauer Schläfen nichts von seiner spitzbübischen Art verloren, die ihn zu Beginn der 1980er Jahre zum Publikumsliebling auch fernab des italienischen Stiefels gemacht hat. Damals gewann er bei dem Musikwettbewerb „Voci nuove“ (zu Deutsch: Neue Stimmen) einen Plattenvertrag. Auf den darauf folgenden 15 Alben finden sich sowohl kraftvolle als auch ruhige Nummern.

Der Saxofon-Spieler als Star

Dass er sich nicht ganz für einen Stil entscheiden kann, verbildlichen in der Arena die Videos und Animationen im Hintergrund. Mal prasselt Regen oder fliegen Herzchen, dann ist ein düsterer Zauberwald zu sehen. Dazu gibt Ramazzotti weitere Evergreens zum Besten, etwa das italienisch-englische Duett „Cose della vita“. Eine der beiden Backgroundsängerinnen versucht, in die zu großen Fußstapfen der Tina Turner zu schlüpfen, die das Lied 1993 mit Ramazzotti veröffentlicht hat. Heimlicher Star auf der Bühne ist dagegen der Saxofon-Spieler: Dessen Soli machen jeder kreischenden E-Gitarre Konkurrenz.

Auch Ramazotti selbst zeigt, dass er nicht nur singen und tanzen kann, sondern an den Instrumenten etwas zu bieten hat. Bei einer Handvoll Liedern spielt er Piano, Akustik- oder E-Gitarre. Als Abschied wählt der Sänger „Più bella cosa“. Die Schwaben beweisen noch einmal, dass südländisches Temperament in ihnen steckt und hüpfen mit. Ramazzotti springt ein letztes Mal auf die Box am Bühnenrand, wackelt mit dem Po und ruft: „Ciao!“ Das dürfte jeder in der Halle verstanden haben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen