Eine stehende Welle als neuer Hotspot: Das sind die Pläne in Ulm

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Ein Surfer auf einer Welle in einem Fluss
Direkt gegenüber des Kinos Xinedome in Ulm will ein neu gegründeter Surf-Verein eine stehende Welle installieren. (Foto: Surfrepair)
Oliver Helmstädter

Was in München seit 40 Jahren Touristen und Sportler anlockt, soll nach dem Willen eines neu gegründeten Vereins auch bald in Ulm installiert werden: Eine stehende Welle.

Die Eisbachwelle am Eingang zum Englischen Garten in der bayerischen Landeshauptstadt begeistert Surfer und Schaulustige aus aller Welt. „Das könnten wir auch in Ulm haben“, sagt Moritz Reulein bei der Vorstellung der Pläne des neu gegründeten Vereins „Ulm Surfing“.

Reulein und sein Bruder Linus bilden zusammen mit Gabriel Geiselhart und Roman Pfeifle den Vorstand. Am Dienstagabend stellten die Surfer ihre Pläne im Kulturzentrum Gleis 44 – das auch Standort der Brettwerkstatt „Surf Repair Ulm“ ist – vor. Und zeigten damit, dass sie es ernst meinen.

Sechs Kubikmeter Wasser pro Sekunden für die optimale Welle

Den idealen Standort haben sie schon auserkoren: Der Abschnitt der Blau hinter dem Kino Xinedome. Der Aufwand wäre nach Einschätzung von Moritz Reulein überschaubar. Eine natürliche Verengung des Flusses sorge schon jetzt für eine winzige Welle. Die Blau führe im Durchschnitt an dieser Stelle vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Für eine optimale Welle seien allerdings um die sechs Kubikmeter notwendig.

Doch auch dies ist nach Auffassung der Ulmer Surfer kein Problem. Die für die Blau in Ulm zuständigen Entsorgungsbetriebe müssten nur an den zahlreichen Stauanlagen etwas an den Knöpfen drehen. Eine Machbarkeitsstudie, die in Auftrag gegeben werden soll, müsse dann etwaige Bedenken in Sachen Hochwasserschutz ausräumen.

Die beiden Brüder aus Ulm haben vor Jahren nach einer Alternative zu den weiten Fahrten ans Meer gesucht – und sie sind zwischen Neu-Ulm und Wiblingen gefunden. „Das ist ganz nett hier“, sagt Moritz Reulein über den Surfspot. Doch mit dem großen Vorbild Eisbach könne ihre Bungeeseil-Konstruktion nicht mithalten. Ganz im Gegensatz zur geplanten Blauwelle.

Da könnte man richtig viel daraus machen

Gabriel Geiselhart, Vorstand von „Ulm Surfing“

Sich gänzlich bewusst, dass die Surfer viele Unterstützer auch im Rathaus brauchen, betonen sie die vielen Vorteile der Welle. Ein städtebaulich eher fragwürdiger Ort werde aufgewertet. „Da könnte man richtig viel daraus machen“, sagt Gabriel Geiselhart über den Bereich unter dem Deutschhaus-Turm der derzeit eher an eine öffentliche Toilette denn einen Ort zum Wohlfühlen erinnert. Einen gastronomischen Betrieb würden die Surfer hier am liebsten sehen.

Eine Surfwelle mitten in der Innenstadt wäre aus Sicht des Vereins eine Attraktion, von der die ganze Innenstadt profitieren würde.

Wie man so ein Projekt mit langem Atem durchboxt, kann in Hannover beobachtet werden. Die „Leinewelle“ gilt die erste genehmigte artifizielle Surfanlage Deutschlands in einem natürlichen Fließgewässer. Im kommenden Jahr soll dort fünf Jahre nach der ersten Anstrengung gesurft werden. Eine Kostenschätzung für die Leinwelle geht von knapp 1,2 Millionen Euro Kosten aus. Davon gehen allein 500.000 Euro für die Wellentechnik drauf, die den Fluss steuerbar aufstaut.

„Das ist eine High-End-Anlage“, sagt Roman Pfeifle. Für Ulm rechne er mit weit niedrigeren Kosten. „Unter einer Million.“ Pfeifle ist der einzige im Vorstand, der nicht surft. Das 34-jährige CDU-Mitglied will somit weniger sein sportliches Know-how denn kommunalpolitische Kontakte in die Waagschale werfen. Klar sei dem Verein, dass es ohne Geld und Okay der Stadt nicht geht. Auch Fragen des Betriebs und der Haftung müssen geklärt werden.

Verletzungsgefahr soll gering sein

Überzeugt sind die Ulmer Surfer jedoch, dass die Verletzungsgefahr auf einer künstlichen Welle in der Blau geringer sei, als in jedem Skaterpark. Und auch weit geringer als in München bei der Eisbachwelle: Denn wer hier abtreibt, der stößt auf Felsen. Wer künftig in Ulm auf der Blau die Kontrolle über sein Brett verliert, der „fällt“ weicher und kann gemütlich aus ruhigerem Fließgewässer aussteigen.

Die Initiatoren des Hashtags #ulmmachtwelle betonen, dass Surfsportler in Ulm mehr als kleines Grüppchen seien. Allein eine geschlossene Facebookgruppe habe 222 Mitglieder. Insgesamt seien es um die 500.

Sollte es aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, an der Blau am Lederhof die Welle zu installieren, haben die Surfer alternative Standorte im Kopf: Den Blaukanal am Tast- und Dichtergarten, den Illerkanal auf Höhe des Donaubads oder die Donau direkt unter der Eisenbahnbrücke.

Doch erste Priorität genieße die Blau beim Kino. Und das nicht nur, weil das Gefälle fast identisch mit dem Münchner Eisbach sei. Auch Steg zum Einstieg, Ausstieg, Fischtreppe, Aufenthaltsbereich und eine Beruhigungszone für die perfekte Welle seien schon vorhanden.

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