Eine Pionierin der Chirurgie geht in den Ruhestand

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Professorin Dr. Doris Henne-Bruns hatte 19 Jahre lang die Leitung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie inne. Zum 30.
Professorin Dr. Doris Henne-Bruns hatte 19 Jahre lang die Leitung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie inne. Zum 30. September verabschiedet sie sich in den Ruhestand. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)
Schwäbische Zeitung

Sie wurde als erste Frau in Deutschland auf einen chirurgischen Lehrstuhl berufen und gelte, so die Ulmer Uniklinik, als „Pionierin in der Chirurgie“. Nach 19 Jahren als Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm verabschiedet sich Professorin Doris Henne-Bruns zum 30. September in den Ruhestand. Dem Universitätsklinikum bleibe sie aber in einer besonderen Funktion erhalten.

Studium der Humanmedizin an der Universität Hamburg, Forschungsaufenthalt in den USA, Ernennung zur Professorin, Stellvertretende Direktorin der Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie der Universitätsklinik in Kiel, über 300 veröffentlichte Artikel, 570 Vorträge, zahlreiche Buchbeiträge, Herausgeberin eines studentischen Lehrbuchs und schließlich die Leitung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm. Der Lebenslauf von Professorin Doris Henne-Bruns spreche für sich, so die Ulmer Uniklinik.

Als die damals 46-Jährige 2001 als erste Frau in Deutschland den Ruf auf eine C-4-Professur für Chirurgie erhielt, sorgte das nicht nur in Ulm für Aufsehen – bis heute konnten nur wenige Kolleginnen ihrem Beispiel folgen. „Die Chirurgie war damals und ist auch heute noch eine Männerdomäne in der es Frauen häufig nicht leicht haben“, erklärt Professorin Doris Henne-Bruns. „Um dort anzukommen, wo ich heute bin, musste ich mir ein dickeres Fell zulegen und vor allem viel Durchhaltevermögen und Durchsetzungsfähigkeit zeigen.“

Männer operieren deutlich öfters

Obwohl heute mehr Frauen als Männer Medizin studieren, entscheiden sich Frauen immer noch seltener für die Chirurgie oder andere operative Fächer als ihre männlichen Kollegen. Professorin Doris Henne-Bruns – selbst Mutter eines 25-jährigen Sohnes und geübt im Spagat zwischen Beruf und Familie – ist es daher ein großes Anliegen, den weiblichen Nachwuchs zu fördern und sich aktiv für die Karrierechancen von Chirurginnen einzusetzen.

„Nach meiner Emeritierung möchte ich zwar keine beruflichen Verpflichtungen mehr eingehen, die jungen Kolleginnen will ich jedoch weiterhin in Form von Berufsberatung und Coachings auf ehrenamtlicher Basis unterstützen,“ sagt Professorin Doris Henne-Bruns.

Schwerpunkt: die Onkologische Chirurgie

Die gebürtige Hamburgerin, die vor ihrem Wechsel nach Ulm unter anderem an den Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Schleswig-Holstein tätig war, hat ihren klinischen Schwerpunkt auf die Onkologische Chirurgie gelegt. Bekannt ist sie dabei unter anderem für ihr gewebeschonendes und blutarmes Operieren. „Als Chirurgin muss man ein besonderes Gefühl für Gewebe entwickeln, denn jede Patientin und jeder Patient bringt unterschiedliche Voraussetzungen, zum Beispiel Vorerkrankungen mit, auf die man sich jedes Mal neu einstellen muss“, betont Professorin Doris Henne-Bruns.

Auch in ihrer Forschung beschäftigt sie sich seit vielen Jahren hauptsächlich mit der viszeral-chirurgischen Onkologie. „Professorin Henne-Bruns ist eine hoch angesehene Ärztin, Wissenschaftlerin und Universitätsprofessorin die sich um die Universitätsmedizin Ulm verdient gemacht hat“, hebt der Leitende Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Ulm, Professor Dr. Udo X. Kaisers, hervor. „Sie hat die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie 19 Jahre lang erfolgreich und mit hohem Engagement geleitet, wofür wir ihr sehr danken.“

Ombudsperson an der Klinik

Im Ruhestand möchte die Chirurgin nicht weiter operieren und sich nicht mehr beruflich verpflichten, sondern nur noch ehrenamtlich tätig sein. So hat sie bereits am 1. Januar dieses Jahres die Position der Ombudsperson am Universitätsklinikum Ulm übernommen. Patienten können sich im Fall von schwer lösbaren menschlichen Konflikten zwischen Arzt, Ärztin oder Pflegekraft an sie und ihren Kollegen, den ehemaligen Ärztlichen Direktor der Klinik für Augenheilkunde Professor Gerhard Lang wenden.

Professorin Henne-Bruns sei auch bekannt für ihre Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen und Stellungnahmen gegen die Kommerzialisierung der Medizin, ein Bereich, „in dem man sich unbegrenzt engagieren kann“.

Die Leitung der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Ulm übernimmt zum 1. Oktober Professor Christoph W. Michalski, der bisher als Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik und Poliklinik für Viszerale, Gefäß- und Endokrine Chirurgie (VGEC) des Universitätsklinikums Halle tätig war.

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