E-Sports in Gefahr? So ist Lage in Ulm

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 So sieht es aus, wenn die Ulmer E-Sportler vor Publikum spielen. Das war auf der Videospielmesse EGX im vergangenen Jahr in Ber
So sieht es aus, wenn die Ulmer E-Sportler vor Publikum spielen. Das war auf der Videospielmesse EGX im vergangenen Jahr in Berlin. Meistens spielen die Zocker aber von zuhause aus über das Internet mit- und gegeneinander. (Foto: Nick Hausner, BBU)
Gideon Ötinger

Dass sich der E-Sports, also der organisierte Sport an der Videospielkonsole, langsam aus der Nische bewegt, war in der vergangenen Woche gut zu beobachten. Da hatte die E-Sports-Abteilung der Frankfurter Basketballer bekannt gegeben, sich aus der Szene zurückzuziehen. Viele große Medien berichteten darüber. Frankfurt war der erste Basketball-Standort, an dem ein E-Sports-Team an einen bestehenden Profiklub angekoppelt wurde. Der Ausstieg warf die Frage auf, ob der E-Sports im Basketball jetzt schon vor dem Aus steht. Ob das Vertrauen der Teams in ihre digitale Sparte schwindet.

So ist es allerdings nicht – zumindest nicht an der Donau. Denn auch Ratiopharm Ulm besitzt seit dem vergangenen Jahr ein eigenes Team, das sich in der Basketball-Simulation „NBA 2K“ mit anderen Mannschaften misst. Nick Hausner kümmert sich bei den Ulmern um die Mannschaft, für die insgesamt acht Spieler an den Start gehen. Jeder übernimmt eine der fünf Positionen auf dem Feld.

Der E-Sports gehört für uns zum Verein wie die Orange Academy oder der Campus.

Nick Hausner, E-Sports Ratiopharm Ulm

Hausner sagt: „Der E-Sports gehört für uns zum Verein wie die Orange Academy oder der Campus.“ Von professionellen Strukturen sind die Ulmer trotzdem noch entfernt. Die Spieler gehen unbezahlt an den Start und Nick Hausner gehört eigentlich zum Verkaufsteam der Basketballer. Er verwaltet den E-Sports nebenher.

Wenig Zeit für die Aufgabe

Das ist nicht unüblich in der jungen Branche. Es hält den finanziellen Aufwand gering. Auch die Entscheidung der Frankfurter hängt an der Personalsituation, weil die beiden Verantwortlichen der Hessen nur noch wenig Zeit für die Aufgabe hatten. Die Alternative wäre gewesen, eine Agentur zu beauftragen. Und das hätte gekostet. „Für uns ist nun der Punkt gekommen, an dem wir deutlich investieren und auch zu anderen E-Sports-Spielen wechseln müssten, um uns weiterentwickeln zu können“, wird Yannik Krabbe in einer Pressemitteilung zitiert. Er ist einer der Projektleiter, arbeitet bei den Skyliners aber im Vertrieb.

Thomas Bach
IOC-Chef Thomas Bach kann sich E-Sport im olympischen Programm vorstellen. (Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE / DPA)

Überraschend kam der Abschied für die anderen Mannschaften nicht. Er war abzusehen, heißt es. Ein Hintertürchen haben sich die Mainstädter aber offen gelassen. Sie signalisierten, dass sie womöglich wieder einsteigen, sollte in Deutschland eine organisierte Liga entstehen. Daran wird gerade gearbeitet.

Zurzeit läuft „The Preseason“, übersetzt „die Vorsaison“. Es ist das erste Turnier im virtuellen Basketball in Deutschland. Sechs Teams nehmen daran teil und organisieren es selbst. Neben den Ulmern sind das Bayern München, die Eisbären Bremerhaven, die Rostock eWolves, die Baskets Oldenburg und die Frankfurter, die nach dem Turnier aufhören.

Ulm scheitert im Halbfinale

Ulm ist kürzlich gegen Bremerhaven im Halbfinale gescheitert und tritt im Spiel um Platz drei gegen Rostock an. Alle Begegnungen des Wettkampfes werden live im Internet auf der Plattform Twitch übertragen, es gibt einen Kommentator und Einblendungen. Manchmal nimmt ein Spieler als Co-Kommentator Platz. Von anderen Sportübertragungen unterscheidet sich das kaum. Durchschnittlich 300 Zuschauer schauen sich die Partien der Ulmer an, bei Begegnungen wie mit den Bayern oder bei Halbfinalpartien sind es mehr.

„Das ist auf Pro B-Niveau“, erklärt Hausner. „Aus dem Nichts ist das super.“ Denn aus dem Nichts wurde der Wettkampf ins Leben gerufen. Einen Dachverband gibt es im virtuellen Basketball in Deutschland nicht. Deshalb führen die Vereine Gespräche mit unterschiedlichen Organisationen, wie beispielsweise der Basketball-Bundesliga BBL, um eine eigene Liga auf die Beine zu stellen.

Vorbild ist die NBA

Die Überlegung, einen eigenen Verband zu gründen, gibt es auch. Die Chancen, dass das klappt, stehen nicht schlecht. Hausner verrät, dass noch zwei weitere Bundesligisten kurz davor sind, Teams zu gründen. Welche das sind, darf er nicht sagen. Im April soll es acht Mannschaften in Deutschland geben. Das würde für einen geregelten Wettkampf reichen. Vorbild ist – wie im echten Basketball – die NBA. Die hat seit dem vergangenen Jahr ihre eigene E-Sports-Liga, in der viele renommierte Mannschaften ihre Teams an den Start bringen. Die Einschaltquoten: bis zu 20 000 pro Spiel.

In Deutschland ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Nach der „Preseason“ wird es erst mal keinen organisierten Wettkampf mehr geben, wohl aber Spiele und kleinere Turniere, an denen die Ulmer teilnehmen wollen. An diesem Wochenende sind sie auf der Sportmesse Ispo in München zu Gast. Nick Hausner jedenfalls ist „sehr zufrieden“. Der Frankfurter Weg scheint nicht der Ulmer Weg zu sein.

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