Donauwiesen werden schöner – Toilettenproblem bleibt aber weiter ungelöst

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 Die Stadt Ulm will das Donauufer neu gestalten.
Die Stadt Ulm will das Donauufer neu gestalten. (Foto: Alexander Kaya)
Michael Ruddigkeit

Spaziergänger, Jogger, Fahrradfahrer, Inlineskater, Sonnenanbeter und Festbesucher: Auf der Donauwiese vor der Ulmer Stadtmauer herrscht bei schönem Wetter Hochbetrieb. Doch wenn viel los ist, kommen sich auf den Wegen Radler und Fußgänger öfter mal in die Quere. Ans Wasser kommt man dagegen kaum, abgesehen von den Holzstufen am Ufer. Beides, die Wegeführung und die Erlebbarkeit des Flusses, sollen in Zukunft besser werden. Die Donauwiese und das Donauschwabenufer werden für etwa 4,5 Millionen Euro neu gestaltet und verschönert. Das hat der Bauausschuss des Ulmer Gemeinderats beschlossen.

Die Umbauarbeiten sollen im August nächsten Jahres – nach dem Donaufest – beginnen und dauern voraussichtlich bis Sommer 2022, unterbrochen vom Fischerstechen 2021. Die erste Bauphase umfasst den Abschnitt von der Herdbrücke bis zur erneuerten Blaubrücke, die zweite dann den Bereich bis zum Donauschwabendenkmal (also etwa auf Höhe des Saumarkts). Die Stadträte stimmten am Dienstag zunächst geschlossen der Entwurfsplanung zu. Der Baubeschluss wird voraussichtlich im ersten Quartal nächsten Jahres gefasst. Zu den einmaligen Baukosten kommen noch Folgekosten für Unterhalt, Abschreibung und Verzinsung in Höhe von etwa 180 000 Euro im Jahr.

Das sind Details der Entwurfsplanung:

Wegeführung: An der Donau wird ein mindestens 2,50 Meter breiter, durchgängiger Fußweg angelegt. Daran schließen sich eine erweiterte Sitzstufenanlage zum Fluss sowie beim Bootsanleger eine Verbreiterung mit Sitzmauern an. Um Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern zu verringern, wird ein drei Meter breiter Radweg mit eindeutiger, geradliniger Führung angelegt – eventuell mit roter Farbe gekennzeichnet. Die Kreuzungen der Wege werden als „Gelenk- und Eingangsplätze“ aus Natursteinpflaster gestaltet. Eine Radstation mit Werkzeug soll Radfahrern die Möglichkeit zu Kleinreparaturen und zum Aufpumpen von Reifen bieten.

Wiese: Auch nach der Umgestaltung sollen großzügige Flächen als Spiel- und Liegewiesen erhalten bleiben. Zwischen der Blaumündung und dem Metzgerturm wird ein Teil der Wiese so weit abgesenkt, dass ein gefahrloser Zugang bis ans Wasser möglich ist.

Spielplatz: Der Spielplatz an der Stadtmauer (am „Dicken Turm“) wird leicht vergrößert und soll das Thema „Zille und Fischer“ aufgreifen. So sind eine kleine Fischerhütte, eine Zille im Sand, eine Schaukel sowie kleinere Kletterelemente geplant.

Bootsanlegestellen: Die Anlegestellen für den Ulmer Spatz und die Solarboote werden zusammengefasst und durch Sitzmauern und -stufen aufgewertet. Sie sollen außerdem barrierefrei gestaltet werden.

Feste: Auf der Donauwiese bleibt weiterhin Platz für Veranstaltungen wie das Donaufest, das Fischerstechen und das Nabada. Die technische Infrastruktur wie Strom- und Wasserversorgung wird verbessert.

Beleuchtung: Am Fußweg entlang der Donau werden neue Mastleuchten aufgestellt. Es sollen insekten- und fledermausfreundliche LED-Lampen mit warmem Licht eingesetzt werden. Bodenstrahler sollen die Stadtmauer besser ins rechte Licht rücken.

Natur: In einzelnen Bereichen wird die Uferböschung aufgebrochen und neu gestaltet. Gehölze, Stauden und Steinschüttungen sollen den Bereich abwechslungsreicher und attraktiver machen. Das Flussufer soll einen deutlich verbesserten Lebensraum für Totholzkäfer, Libellen, Schmetterlinge und andere Insekten sowie Vögel und Fische bieten.

Alle Belange für alle gleich zufriedenstellend zu berücksichtigen, sei an dieser Stelle nicht möglich, verdeutlichte Baubürgermeister Tim von Winning: „Es ist ein Kompromiss.“ Von der roten Farbe für den Radweg habe er anfangs wenig gehalten, er habe sich jedoch überzeugen lassen – am Alten Friedhof etwa habe sich diese Lösung bewährt. Wichtig sei, dass an den Gelenkpunkten – also dort, wo sich Rad- und Fußverkehr kreuzen – die Aufmerksamkeit durch einen eigenen Belag erhöht werde. Dass der Radweg relativ knapp am Metzgerturm vorbeiführt, wo Passanten Richtung Donau gehen, sahen Gerhard Bühler (FWG), Lena Schwelling und Annette Weinreich (beide Grüne) sehr kritisch. Günter Zloch (UfA) regte an, den Belag für den Radweg eventuell nicht in Rot, sondern in Blau zu gestalten.

Ein heikles Thema sprach Helga Malischewski (FWG) an: „Es kann nicht sein, dass wir am Thema Toiletten scheitern. Das ist doch ein elementares Bedürfnis.“ Ursprünglich hatte die Verwaltung vorgeschlagen, im „Dicken Turm“ eine gastronomische Einrichtung samt WC-Anlage unterzubringen. Das ist aus baulichen Gründen jedoch nicht möglich. Nun wird geprüft, eine öffentliche Toilette hinter der Stadtmauer zu bauen, am Metzgerturm oder am Saumarkt. Um Vandalismus zu verhindern, werde es aber eine Zugangsbeschränkung geben müssen, sagte von Winning – sprich, die Benutzung wird etwas kosten. Damit werde man das Problem der Wildpinkler allerdings nicht in den Griff bekommen. Eine Überlegung sei deshalb, zusätzlich an der Donauwiese ein öffentliches Pissoir hinzustellen. Die Begeisterung über diesen Vorschlag hielt sich bei den Räten in Grenzen. „Das wäre zumindest für die Hälfte der Menschheit eine Lösung“, merkte Lena Schwelling trocken an.

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