Donau-Ausflugs-Schifffahrt steht vor dem Aus

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Kapitän Reinhold Kräß an seinem Arbeitsplatz am Steuer der MS Donau: Inzwischen sieht der 61-Jährige keine Zukunft mehr in der A (Foto: nuz)

300 Jahre nachdem die erste Ulmer Schachtel von Ulm aus gestartet ist, steht die Fahrgastschifffahrt auf der Donau in der Doppelstadt vor dem Aus: „Ich bin pleite, ich kann nicht mehr, ich bräuchte einen Haufen Geld, das ich nicht habe“, sagt Reinhold Kräß, der seit 24 Jahren mit dem „Ulmer Spatz“ auf dem Grenzfluss schippert und nun keine Zukunft mehr sieht.

Überlegungen, mit beiden Schiffen dauerhaft vor Anker zu gehen und diese als ortsfestes Café und Ausflugslokal zu betreiben, scheitern nach seiner Auskunft an der Stadt Ulm, die dafür keine Genehmigung erteilen will. Nun wartet Kräß auf die zugesicherte Hilfe der Oberbürgermeister aus Ulm und Neu-Ulm. Bislang vergebens. Damit stirbt sehr wahrscheinlich eine jahrzehntealte Tradition auf der Donau.

Die MS Donau liegt noch immer in Höhe der Gaststätte Bad Wolf vor Anker und wirkt etwas heruntergekommen. Reinhold Kräß traut sich nicht mehr abzulegen und Passagiere zu befördern. Zu hoch sei das Risiko. Die Donau sei voller Kiesbänke, und die Gefahr, auf Grund zu laufen, dementsprechend hoch. „Ich trau mich nicht mehr“, sagt der 61-jährige Kapitän. Ende der Saison im vergangenen Jahr blieb er mit dem Motor der MS Donau auf einem derartigen Kiesbett stecken. Dabei wurde der Außenborder schwer in Mitleidenschaft gezogen. Trotz einer Reparatur, mit einem Kostenaufwand von 6000 Euro, qualmt das Triebwerk.

Das Geld für eine erneute Reparatur fehlt. Hinzu kommen Auflagen des Schifffahrtsamtes Konstanz – eine Art TÜV für Boote und Schiffe auch auf der Donau. Das Amt wendet inzwischen strikt die neuesten Vorschriften der Europäischen Union an, und habe Auflagen erlassen, die erheblich ins Geld gehen, berichtet Kräß.

Unter anderem müsste der Donau-Kapitän für seine Ausflugsfahrten einen Bootsmann anstellen für den Fall, dass ihm während der Fahrt etwas zustößt und er den Kahn nicht mehr steuern könnte. Ferner haben die Kontrolleure die Motoren der MS Donau als zu schwach befunden für Bremsmanöver in Notsituationen. Immerhin dürfen auf dem 20 Meter langen Motorschiff bis zu 150 Passagiere befördert werden. Für das zweite Schiff, den 77 Jahre alten „Ulmer Spatz“, bräuchte er sogar ein Gutachten, wenn er damit wieder losschippern wollte. Auch das kostet eine Menge Geld.

Wenn Reinhold Kräß alle notwendigen Investitionen zusammenrechnet, kommt er auf einen Betrag von 130 000 Euro, die er bräuchte, um die MS Donau und den „Ulmer Spatz“ wieder flott zu machen. „Dieses Geld habe ich nicht und bekomme ich als 61-jähriger von der Bank auch nicht“, sagt der Kapitän, der jetzt vor dem Aus steht.

In dieser Phase der Überlegungen ist er auf die Idee gekommen, das Schiff dauerhaft am Ulmer Donau-Ufer zu befestigen und zu einem Caféschiff auszubauen. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort, an dem Strom, Wasser und Toiletten vorhanden sind, ist Kräß auch fündig geworden. Aber die Stadt Ulm habe abgewunken und eine Genehmigung verweigert. Der Kapitän wollte am Metzgerturm, bei der Adlerbastei oder in Höhe des Parkplatzes beim Volksfestplatz in der Friedrichsau dauerhaft vor Anker gehen.

In seiner Not wandte sich Kräß an den Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner. Der hat versprochen, zusammen mit seinem Neu-Ulmer Amtskollegen Gerold Noerenberg nach einer Lösung für den Donaukapitän zu suchen. Bislang offenbar vergebens. „Ich warte seit zweieinhalb Wochen auf Vorschläge“, sagt Kräß.

Kommen die nicht bald, will Kräß endgültig aufgeben. Er hat auch schon an den Verkauf seiner beiden Ausflugs-Schiffe gedacht. Zwei Interessenten dafür hat er schon. Aber noch zögert er. Im Laufe der Jahre ist ihm die Schifffahrt auf der Donau zu sehr ans Herz gewachsen, als dass er alles über Bord werfen könnte. Was ihn besonders wurmt: Das mögliche Aus fällt ins (300.) Jubiläumsjahr der Ulmer Donau-Schifffahrt.

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