Diese Musik ist typisch für Ulm, Stuttgart oder München

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Die "Musikkarte der Welt" des Musikstreamingdiensts Spotify. (Foto: Screenshot: shy / Spotify)
Videoredakteur

An welchen drei Tonwerken erkennt man die Stadt Ulm? Am "Pumuckl", den "Fantastischen Vier" und Andreas Gabalier. Das sind jedenfalls die drei Spitzenreiter, die Ulmer Kunden des Musikstreamingdiensts "Spotify" am häufigsten im Vergleich zu anderen Städten anhören. In Stuttgart sind es "Montazar", "Die Fraktion" und "MC Brudaal".

Der schwedische Musikanbieter, der 2017 knapp über 4 Milliarden Euro Umsatz gemacht, hat fast 200 Millionen Nutzer weltweilt. Sie alle geben dank ihrer IP-Adresse Auskunft über den Ort, wo sie sich befinden, während sie Musik oder Hörspiele hören. Aus diesen Daten hat Spotify die "Musical Map of the World" erstellt. Sie soll zeigen, welche Musik für welche Länder und deren Städte typisch sind.

Die für Städte angezeigte Toplisten sind die Musik, die dort überproportional häufig im Vergleich zu anderen Orten abgespielt wird - und nicht, welche Titel am häufigsten abgespielt werden. Es handelt sich also nicht um die jeweilige Hitliste einer Stadt, sondern um eine Auflistung der Musik, die eigentlich nur an diesem jeweiligen Ort gehört wird.

Deutscher Rap ganz vorn

So überrascht es also nicht, wenn in der Stuttgarter Top Ten gleich zweimal Hymnen über den heimischen Fußballverein ("VfB ein Leben lang"/Die Fraktion und "VfB ich steh zu Dir"/Pomm Fritz) auftauchen und zweimal Liebeslieder in Mundart an die Stadt Stuttgart ("Du bisch mei Number One"/MC Brudaal und "Stuttgart kommt"/Wolle Kriwanek Band. In Mundart wird auch der Song "I fahr GTI" von Frank Häberle gesungen. Auch die Fantastischen Vier tauchen in den Top Ten auf, allerdings nur mit einem Pausenfüller namens "Alle". Die übrigen Songs der Top Ten sind deutscher Rap.

Das sind die Spitzenreiter in Stuttgart. (Foto: Screenshot Spotify / Spotify)

Auch in Ulm tauchen die Fantastischen Vier auf, und zwar an zweiter Stelle - mit ihrem ältesten Hit "Die da!?!". Warum die Ulmer gerade diesen Klassiker häufiger als andere hören? Auf Fragen wie diese gibt die Karte keine Antwort. Das muss der Zuhörer selbst interpretieren.

In Ulm fehlt Lokalkolorit

Die Top Ten aus Ulm lassen sich nicht so leicht einordnen. Lokalkolorit fehlt. Partykracher überwiegen: "Halli Hallo"/Gabalier, "Ein Mann für Amore"/DJ Ötzi oder "Cordula Grün"/Die Draufgänger. Und dann gibt es noch zwei ruhigere Balladen, die sich nicht so richtig zwischen die Ballermannkracher einordnen wollen: "Storm"/Mighty Oaks und "Remission"/Ätna.  

Das sind die Spitzenreiter in Ulm. (Foto: Screenshot Spotify / Spotify)

In München trieft es dagegen wieder vor lauter Klischee: Der Spitzenreiter ist Stubenmusik "Karwendel Boarischer"/Aschberger Stubenmusi) und der zweite auch "Roßsteig Ländler"/Gitarrenmusik Martin Kern.

Auf dem dritten Platz folgt bayrischer Mundartpop "Gockl"/Pam Pam Ida, gefolgt von bayrischem Mundartrap "Schuusaabrratt"/Dicht & Ergreifend. Dann kommt einmal die Spider Murphy Gang (Sommer in der Stadt), bevor wieder zwei Songs Stubenmusik folgen und es dann wieder mit Mundart weitergeht. Auf Platz zehn landet ein englischer Song: "Lost in the Snow"/Bruce Hornsby.

Das sind die Spitzenreiter in München. (Foto: Screenshot Spotify / Spotify)

Alle Songs auf Schweizerdeutsch

So wie München erfüllen auch die Top Ten aus Zürich alle Erwartungen, die man an eine Schweizer Musikauswahl haben könnte: Alle zehn Lieder, die in Zürich außergewöhnlich häufig gespielt werden, sind auf Schweizerdeutsch.

Auch der Blick auf das ganze Bundesgebiet lohnt sich, da Spotify für die einzelnen Länder noch eine größere Auswahl an Daten anbietet:

  • Erstens die Musik, die überproportional häufig gespielt wird (Distinctive). Spitzenreiter ist "Benzema"/Capital Bra.
  • Zweitens die Musik, die gerade im Kommen ist (Emerging, Spitzenreiter: "Yapma"/C Arma)).
  • Drittens die Musik, die insgesamt am populärsten ist (Popular, Spitzenreiter "Sweet but Psycho"/Ava Max).
  • Und viertens die Musik, die besonders viel in sozialen Medien geteilt wird (Viral, Spitzenreiter: "Tausend Tattoos"/Sido").

Top 50 ohne Helene Fischer

Die Daten sind begrenzt auf die Nutzer des Streamingdienstleister. Obwohl das sehr viele Hörer und damit valide Daten sind, kann die Liste kein Abbild der deutschen Gesamthörerschaft sein. Denn Helene Fischer taucht in der Liste "Germany Top 50" zum Beispiel gar nicht auf. Da kann ja wohl irgendwas nicht mit rechten Dingen zugehen.

Auf Länderbasis gibt es noch mehr Daten zu entdecken. (Foto: Screenshot Spotify / Spotify)
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