Die Universität Ulm verfügt über eine neue Waffe im Kampf gegen den Krebs

Lesedauer: 5 Min
 In Ulm gibt es eine Zelltherapie als neue Behandlungsmöglichkeit bei Akuter Lymphatischer Leukämie und aggressiven Lymphomen.
In Ulm gibt es eine Zelltherapie als neue Behandlungsmöglichkeit bei Akuter Lymphatischer Leukämie und aggressiven Lymphomen. (Foto: Universitätsklinikum Ulm)
Schwäbische Zeitung

Maßgeschneiderte Immuntherapien bieten Onkologen eine vielversprechende neue Waffe im Kampf gegen den Krebs. Nun bietet auch die Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Ulm die Behandlung mit „CAR-T-Zellen“ an.

Für junge Erwachsene mit Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) sowie Erwachsene mit aggressiven Lymphomen stehe damit laut einer Mitteilung der Uniklinik eine neue Therapie zur Verfügung, die sich die körpereigene Abwehr zunutze macht, um die Krebszellen zu zerstören.

Neuer Therapieansatz für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren

Kürzlich wurde die erste CAR-T Zelltherapie bei einem Patienten mit aggressivem Lymphom durchgeführt. Die CAR-T-Zellen sind darauf „programmiert“ worden, bösartige Zellen abzutöten. Seit kurzem können in der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikums Ulm mit diesem neuen Therapieansatz junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren behandelt werden, die an Akuter Lymphatischer Leukämie (ALL) leiden, sowie Erwachsene mit diffus-großzelligem BZell-Lymphom, bei denen der Krebs auf die Standardbehandlung nicht anspricht oder zurückgekehrt ist.

Jede CAR-T-Zelltherapie wird für den jeweiligen Patienten individuell hergestellt. Aktuell ist die Therapie noch mit hohen Kosten für die Krankenkassen verbunden, kann nach einmaliger Gabe des Medikaments im Idealfall jedoch zu einem vollständigen Rückgang der Erkrankung führen.

Ablauf dauert mehrere Wochen

Die hohen Kosten erklären sich unter anderem auch aus dem mehrere Wochen dauernden Ablauf der CAR-T-Zelltherapie: Zunächst werden aus dem Blut des Patienten mittels eines speziellen Verfahrens, der Leukapherese, weiße Blutkörperchen (Leukozyten) gewonnen. Diese werden eingefroren und dann in ein spezielles Labor zur Herstellung des Medikaments geschickt.

Im nächsten Schritt wird in die T-Zellen ein unschädliches Virus eingeschleust, dessen Erbsubstanz um ein spezielles Gen erweitert worden ist. Mithilfe dieses Gens produzieren die T-Zellen nun ein Eiweiß auf ihrer Oberfläche, das sich chimärer Antigenrezeptor (CAR) nennt. Dieser Antigenrezeptor kann Krebszellen anhand eines Eiweißes (CD19) der Krebszellen erkennen, sich an sie binden und dann zerstören. Schließlich werden die gentechnisch veränderten CAR-T-Zellen dem Patienten zurückgegeben.

Von den zwei kommerziellen CAR-T-Zellprodukten, die im August 2018 in Europa auf den Markt gekommen sind, ist die Klinik bereits für die Behandlung mit einem der Produkte qualifiziert, die Einführung des zweiten verfügbaren Präparats wird noch für Juni erwartet. Dies ist aus Sicht der Experten und Ansprechpartner für das CAR-T-Zellprogramm in Ulm, Oberarzt Professor Dr. Andreas Viardot und Fachärztin Dr. Elisa Sala von der Klinik für Innere Medizin III, ein wichtiger Schritt für eine individuellere und dadurch noch effektivere Krebstherapie am Universitätsklinikum.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen