Die Tram der Zukunft rollt in Ulm

Lesedauer: 8 Min
Die erste Straßenbahn für Ulms Linie 2 ist da

Vom Kuhberg über die Innenstadt bis hinauf auf den Eselsberg: Das Ulmer Stadtbild ist gerade mit jeder Menge Baustellen geschmückt. Grund dafür ist die neue Straßenbahnlinie 2. Seit heute kann man das Großprojekt nicht nur an den Baustellen sehen. Die erste von zwölf Straßenbahnen für die neue Linie ist in Ulm eingetroffen.

Schwäbische Zeitung
Oliver Helmstädter

Zentimeter für Zentimeter rollt der 38-Tonnen-Koloss von einem Sattelschlepper auf das Gleis des Betriebshofs der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Es ist der erste Ulm-Kontakt einer der zwölf neuen Straßenbahnen, die ab Juni über das Ulmer Straßenbahnnetz rollen sollen. 2,6 Millionen Euro pro Stück kostet ein „Avenio M“. Das sind Niederflurfahrzeuge, die insbesondere für die Inbetriebnahme der zweiten Straßenbahnlinie zum Schulzentrum auf den Kuhberg sowie zur Universität auf dem Eselsberg angeschafft werden. Auch wenn es für Laien in Anbetracht einer scheinbar neun Kilometer langen Großbaustelle unglaublich scheint: Bereits am 9. Dezember soll mit dem Fahrplanwechsel die Strecke in Betrieb gehen.

Die SWU rechnen mit 8300 zusätzlichen Fahrgästen pro Tag, die sich in einen der Züge auf der Strecke setzen, die derzeit für rund 216 Millionen Euro gebaut wird. Mehr Komfort soll die Fahrt auf den neun Kilometer Gleisen in Richtung der 20 Haltestellen angenehmer machen: Kostenloses W-Lan gibt‘s in allen Waggons, zudem stehen größere „Multifunktionsflächen“ , etwa zum Abstellen von Kinderwagen, zur Verfügung. Breitere Eltern-Kind-Sitze sowie digitalisierte Fahrgasttüren werden in die über 31 Meter langen Siemens-Züge eingebaut: Die Türen leuchten per LED-Leisten rot auf, sobald jemand per Knopfdruck einen Türöffnungswunsch anmeldet. Oder blau, wenn dies ein Rollstuhlfahrer macht. Dann bleibt die Tür solange auf, bis der Fahrer sie wieder schließt.

„Spannende Herausforderungen“

André Dillmann, technischer Geschäftsführer der SWU-Verkehr, ist guter Dinge, dass die Linie 2 wie geplant im Dezember in Betrieb gehen kann. Die Straßenbahn wird die am stärksten nachgefragte Buslinie 3 ersetzen. Auch wenn er bis Inbetriebnahme „mit ein paar weiteren spannenden Herausforderungen“ rechnet.

Zuletzt gab es die etwa rund um die Universität: Während der Bauarbeiten sei festgestellt worden, dass ein Schacht, durch den Telekommunikationsleitungen führen, verstärkt werden musste, weil er sonst unter der Last der Straßenbahn zusammen gebrochen wäre. Überhaupt seien die Arbeiten im Untergrund das Aufwendigste. Das Verlegen der Gleise sei dazu im Vergleich ein Klacks. Die Arbeiten auf der stählernen Kienlesbergbrücke ruhen derzeit winterbedingt und sollen erst im März weiter gehen.

Die zwölf neuen „Avenio M“ (M steht für Multigelenkwagen) gesellen sich bei den Stadtwerken zu zehn Zügen des Modells Combino, dem Vorgänger-Modell aus dem Hause Siemens. Diese Baureihe war von Pleiten, Pech und Pannen geplagt. Wegen Festigkeitsproblemen musste Siemens zahlreiche Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Siemens gewann dennoch ein erneutes europaweites Ausschreibungsverfahren.

Von der Stange ist die 31-Millionen-Euro-Anschaffung aber nicht. Gleisradien, Neigungen, Spurweite und die Belastbarkeit der vorhandenen Brücken machen die Züge für jede Stadt zu Unikaten. Auch die Bremsen müssen besonders gut sein. Schließlich führt die Linie 2 von der Wissenschaftsstadt in die gut 160 Meter tiefer liegende Innenstadt. Die SWU griff sogar in das Design der Avenios ein, um die Instandhaltungskosten zu senken. Jürgen Späth, der für Fahrzeugbeschaffung zuständig ist, setzte den Wegfall einer Vertiefung im Blech gegen den Widerstand der Siemens-Designer durch. Ganz schwäbisch, um auf Kosten der Optik spätere Lackierkosten zu senken.

In welchen Gemeinden die Wege am Längsten sind

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen